Der Tag eines Busfahrers in Münster

Veröffentlicht von am 19.03.2018 (2 Kommentare)
Schlagworte: , ,

Einen Tag unterwegs mit Andreas Fark

Etwa 500 Busfahrer braucht es, um den Busverkehr in Münster zu bewältigen. Sie sind von früh morgens bis spät in die Nacht unterwegs, am Wochenende sogar durchgehend ohne Betriebspause. Während ein Bus aber schon mal 24 Stunden lang auf der Straße bleiben kann, ist für die Fahrer natürlich früher Schichtende.

Wie der typische Tag eines Busfahrers aussieht und dass er aus mehr besteht als nur von A nach B und wieder zurück zu fahren, lest ihr hier. Mit Andreas Fark sind wir eine Schicht auf den Linien 5 und 15 mitgefahren. 

Dienstplanung: So fängt alles an

1 oder 11? Unsere Fahrer sind täglich auf anderen Linien unterwegs. Kennen müssen sie alle Linienwege.

Wie der Arbeitstag für einen Busfahrer verläuft, entscheidet sich schon deutlich vor Arbeitsbeginn – nämlich mit der Dienstplanung. Ob ein Fahrer lieber Früh,- Mittel- oder Spätdienst macht und lieber am Wochenende oder in der Woche fährt, wird im Wunschdienstplan so gut wie möglich berücksichtigt. Die Wünsche können dauerhaft gespeichert und bei Bedarf auch kurzfristig von zu Hause aus geändert werden. Und im Zweifelsfall kann immer untereinander getauscht werden. 

Die Linien, die ein Busfahrer fährt, ändern sich in der Regel aber täglich. Weil jeder Fahrer alle Linienwege kennen muss, fahren sie ständig unterschiedliche Linien – sogar während einer Schicht häufig zwei verschiedene. So bleibt das Wissen um die Linienführungen in Amelsbüren, Gelmer und Wolbeck stets frisch. 

Schon gewusst? Neben den regulären Busfahrern sind vor allem morgens auch Mitarbeiter aus der Verwaltung unterwegs, die einen Busführerschein haben und vor ihrem Bürojob noch ein oder zwei Fahrten absolvieren.

Sina Kuipers studiert Kommunikationswissenschaften in Münster und hat für ein Seminar einen Hörfunk-Beitrag über unseren Busfahrer Andreas Fark als „Held des Alltags“ produziert. Ihr könnt den Beitrag hier hören:


 

Früh raus mit dem Frühdienst

Hier findet der Busfahrer seine Plankarte…

Die ersten Frühdienste beginnen schon zwischen 4 und 5 Uhr, frühes Aufstehen und trotzdem topfit sein ist also Pflicht (was ein Bus so nachts macht, lest ihr hier). Als Busfahrer braucht man übrigens ein Auto, wenn man nicht in Fahrrad-Distanz zum Betriebshof wohnt – denn wer mit einem der ersten Busse ausrückt, der kann nicht mit dem Bus zur Arbeit kommen.

Im Fahrerraum am Betriebshof ist so früh morgens schon viel los. Manche essen ein Brot, andere blättern in einer Zeitung oder versorgen sich mit Kaffee und Wasser. Dort finden sich auch die Plankarten, also quasi der Fahrplan für den Busfahrer – farblich unterschiedlich markiert für Werktage (weiß), Samstage (blau), Sonntage (grün) und Ferien (rosa).

… und hier steht der Bus bereit.

Wir fahren heute mit Dienst 14, der um 5:25 Uhr als Linie 5 in Nienberge einsetzen muss. Nach einem kurzen Abstecher zum schwarzen Brett, an dem alle aktuellen Umleitungen aushängen, geht es zum Wagenstellplan. „Halle 1, römisch II, Platz 2“ steht für unseren heutigen Dienst dort. Wer später ausfährt, muss auch längere Wege in Kauf nehmen und zu „Halle 2, Strang 25, Platz 3“ laufen. Was dem Laien erstmal wenig sagt, ist für unsere Fahrer ganz eindeutig: Die Busse sind nach Strängen aufgestellt, die auch in großen, gelben Nummern über den Bussen hängen. So ist sichergestellt, dass jeder Fahrer den ihm zugeteilten Bus findet.

Die Fahrt zur ersten Haltestelle im leeren und dunklen Bus

Vor die Ausfahrt hat die Straßenverkehrsordnung aber noch die Ausfahrtskontrolle gesetzt. Nachdem wir unseren Bus gefunden haben, fährt Andreas ihn erst einmal hoch, fast wie bei einem Computer dauert das einige Zeit. Dann umrunden wir das Fahrzeug: Funktionieren alle Lichter, sind die Reifen in Ordnung und öffnen und schließen die Türen korrekt auf Knopfdruck? Sauber ist der Bus auf jeden Fall: er wird nachts innen gereinigt und fährt durch die große Bus-Waschanlage. Einen Fehler zeigt der Bordcomputer aber noch an: Druckluft niedrig! Damit Absenkung und Türen von Beginn an zuverlässig funktionieren, wird das gleich behoben. Praktischerweise baumelt neben jedem Bus ein Luftschlauch, der gleich angeschlossen wird und den Speicher wieder füllt.

Punkt 4:59 Uhr stellt Andreas die Zielanzeige auf Betriebsfahrt ein und verlässt den Betriebshof gen Nienberge, wo auf Linie 5 Richtung Hiltrup Bahnhof umgeschildert wird.

Auf Achse

Frühmorgens sind die Straßen noch leer

Nachdem es in stockdusterer Nacht um kurz vor halb sechs in Richtung Innenstadt geht, wird gleich an den ersten Haltestellen die erste Herausforderung für Busfahrer deutlich: Selbst wenn Haltestellen gut ausgeleuchtet sind, verschwinden Fahrgäste optisch schnell hinter dem Haltestellenmast mit Mülleimer oder sind in Schwarz gekleidet und so kaum vor der dunklen Nacht zu unterscheiden. Was dagegen hilft? Helle Farben, ein leuchtendes Handydisplay, das bewusste Ins-Licht-Stellen oder Winken. Die Fahrer danken es Euch!

Fundsachen sammelt der Fahrer an der Endhaltestelle ein

Gerade um diese frühe Zeit können wir aber an vielen Haltestellen vorbeifahren, noch sind nur absolute Frühaufsteher unterwegs. Zwischen Nienberge und Hiltrup steigen rund 25 Fahrgäste ein. Am Bahnhof in Hiltrup verbringen wir die erste Wendezeit, 13 Minuten bleiben, die aber für Andreas keine reine Pause sind.

Beim Gang durch den Bus schaut er erstmal nach Fundsachen oder „versehentlich“ liegengelassenem Müll. Also: Wer seinem Busfahrer einen Gefallen tun möchte, nimmt die ausgelesene Zeitung, das benutzte Taschentuch oder das Butterbrotpapier mit und wirft es an der Haltestelle in einen Mülleimer. Die leider noch immer sehr verbreiteten Coffee-to-go-Pappbecher dürfen übrigens gar nicht erst mit den Bus genommen werden.

Auch drei Stunden nach der ersten Abfahrt ist es im Januar noch dunkel in Nienberge

Erst dann hat Andreas Zeit, sich etwas zu entspannen. Was das heißt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Kurz die Augen schließen, frische Luft schnappen, lesen, die Nachrichten auf dem Handy checken, ein Brot essen und einige Runden um den Bus zu drehen. Was jeder Mensch hingegen hin und wieder muss: die Toilette aufsuchen. Auch dafür ist an den Endhaltestellen gesorgt. Dann kann es mit leere Blase auf die nächste Tour gehen. 

Statt 25 werden auf der Tour, die kurz vor 7 startet, allerdings eher 250 Fahrgäste in den Bus stürmen, meist Schüler auf dem Weg zur ersten Stunde. Da gleichzeitig auch die Straßen voller werden, sind Verspätungen kaum zu vermeiden – erst recht nicht für den Fahrer. Denn der muss mit einem vollen Bus eher noch vorsichtiger fahren. Schneller fahren würde ohnehin kaum helfen – denn die dadurch gewonnene Zeit geht häufig vor der nächsten Ampel direkt wieder verloren. Die Schaltungen – und welche Ampeln der Bus automatisch beeinflusst – sind den Fahrern genauso in Fleisch und Blut übergegangen wie die Linienwege. Rollt Euer Fahrer also unverständlich langsam über die Straße, weiß er vielleicht, dass er so bei genau bei grün an der Ampel ankommt. Dabei achtet er übrigens gar nicht auf grün, gelb und rot, sondern auch die weißen Balkensignale der Busampeln

Pause am Hauptbahnhof

Nicht nur auf dem Berliner Platz, auch im Fahrerraum bei mobilé verbringen die Busfahrer ihre Pausen

Sicherlich habt ihr es auch schon gesehen: Fast immer stehen oder sitzen Fahrer am Berliner Platz zusammen und essen ein Brötchen, trinken Kaffee oder unterhalten sich miteinander. Das hat einen natürlich einen Grund: Die Pausen, die jeder Dienstplan enthält, starten und enden meist am Bahnhof und auch die Mittel- und Spätdienste beginnen dort. Bei rund 150 Bussen, die jeden Tag unterwegs sind, ist da natürlich jede Menge los. Wer nicht draußen bleiben möchte, findet übrigens noch einen Aufenthaltsraum, in dem Tische und Stühle, Kaffee- und Suppenautomat und ein Computer zum Diensttausch bereitstehen. 

Egal, wo die Fahrer die Pause verbringen: man kennt sich, obwohl inklusive Partnerunternehmen rund 500 Busfahrer allein im Stadtverkehr unterwegs sind. Und die Pause bietet die Gelegenheit, nicht nur per Busfahrergruß von einem Fahrersitz auf den anderen zu grüßen. Wie auch im Bürojob kennt man den einen natürlich besser als den anderen, aber gemeinsame Themen sind immer schnell gefunden – egal ob beruflich oder privat.  

Zum Fahrerwechsel gehört auch immer ein kurzes Gespräch

Nach 40 Minuten geht es weiter – im Aufenthaltsraum hängt nicht umsonst ein großer Monitor mit den nächsten Abfahrten. Denn nichts ist peinlicher, als wenn die Ablösung fehlt und der ganze Bus auf ihn wartet. Eine Zusatzrunde darf der Fahrer, dessen Pause beginnen soll, meist nicht fahren, da er ansonsten die Lenk- und Ruhezeitregeln verletzen würde.

Zwar soll der Fahrerwechsel möglichst schnell gehen, aber er dient auch der Übergabe zwischen den Fahrern: Auf der Strecke alles normal, der Bus ist in Ordnung und gab es Fundsachen?

110 Kilometer, 500 Fahrgäste

Gleich ist Feierabend. Neben den Abfahrtszeiten findet sich auch das Schichtende auf der Plankarte

Nachdem Andreas morgens auf der 5 unterwegs war, findet der zweite Dienstteil auf der Linie 15 statt. Damit geht es – im viel entspannteren Vormittagsverkehr – einmal nach Albachten, nach Kinderhaus und zurück zum Bahnhof. 

Für viele Busfahrer ist ihr Job ein Traumberuf. Klar, gerade im Berufsverkehr ist es auch stressig, aber das gehört eben dazu. Andreas Fark sagt, dass er sich in seinem – übrigens sehr bequemen – Fahrersessel richtig wohlfühlt.   

Um 12:17 Uhr ist dann Feierabend angesagt. Die Leistungsbilanz von Andreas Fark: 110,47 Kilometer Bus gefahren, rund 500 Fahrgäste sicher und fast immer pünktlich zu ihrem Ziel befördert – und noch einen halben Tag Freizeit: da sieht man im frühen Aufstehen doch einen Sinn!

2 Kommentare

  1. Avatar
    Dieter Thiemeyer
    24. März 2018

    Zunächst einmal ein dickes Dankeschön an die münsterschen Busfahrer. Ein besonderer Dank dem netten und freundlichen Fahrer der mich gerade mit der 5 von Nienberge Stadion fährt.

    Antworten
  2. Avatar
    Thoennessen Klaus
    21. März 2018

    Ein sehr guter Bericht.
    War 37 Jahre in Hamburg Busfahrer/ Vhh

    Antworten

Einen Kommentar schreiben