Darum tanken unsere Busse auch Luft

Veröffentlicht von am 23.09.2019 (3 Kommentare)
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Druckluftbetankung

Klar, ohne Diesel bei den konventionellen Bussen oder Strom bei den Elektrobussen getankt zu haben, kann kein Bus morgens auf Linie gehen. Aber das ist noch nicht alles. Neben dem Kraftstoff müssen Busse genug Druckluft an Bord haben – sonst kommen sie erst gar nicht von ihrem Stellplatz in der Wagenhalle weg. 

Welche Systeme mit Druckluft betrieben werden (der Fachmann sagt „pneumatisch“ dazu) und wie man eigentlich Luft tanken kann, lest ihr hier. 

Luft von der Decke

In den Hallen hängen die Schläuche von der Decke

In unseren Wagenhallen sind die Busse in sogenannten Strängen abgestellt, vier bis sechs Busse werden dort nachts eng hintereinander geparkt (lies hier: Was macht ein Bus eigentlich nachts?). Aus der Wagenhalle holt sich ein Busfahrer zum Start der Frühschicht seinen Bus ab und beginnt die Betriebsfahrt zur ersten Haltestelle. Bevor er aber losfährt, geht er noch einmal um das stehende Fahrzeug und macht eine Abfahrtskontrolle. Die ist vorgeschrieben. Dabei prüft er, ob die Lichter und Türen funktionieren, die Reifen in Ordnung sind und auch ob der Bus noch genug Luft getankt hat?

Auch beim Busdiplom erklären wir, wofür der Bus Luft braucht.

Wie bitte? Luft getankt? Genau, denn neben dem Dieseltank oder der Batterie hat jeder Bus auch einen Drucklufttank. Und ist der zu leer, wird nachgetankt. Dafür baumelt neben jedem Stellplatz ein schwarzer Gummischlauch mit einem Druckluftventil am Ende herunter. Gäbe es den Schlauch nicht, müsste der Fahrer den Motor des Busses einige Minuten laufen lassen, bis ein am Motor angebauter Kompressor genug Druckluft erzeugt hat. Das würde in der Wagenhalle nicht nur für schlechte Luft sorgen, sondern auch unnötig Energie verbrauchen.

Fährt der Bus erst einmal, muss er übrigens nicht mehr an den Schlauch: Der Kompressor erzeugt dann beständig Druckluft. 

Dafür braucht der Bus Luft

Der Drucklufttank liegt unter dem Fahrersitz

Ohne Druckluft würde der Bus nicht aus der Wagenhalle kommen. Denn wenn der Bus abgestellt wird, wird der Federspeicher aktiviert. Das ist quasi die Handbremse des Busses. Eine Feder drückt die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe. Um diese Feder wieder zu lösen, braucht man Kraft – und diese kommt aus dem Drucklufttank. Daher kann der Bus nur losfahren, wenn er ausreichend Luft getankt hat. Das ist ein Sicherheitsmechanismus, damit der Bus nicht wegrollen kann. 

Nicht nur der Federspeicher, sondern auch die normale Betriebsbremse funktioniert mit Druckluft. Drückt der Fahrer des Bremspedal, wird die Bremse pneumatisch angezogen. Das ist für so große Fahrzeuge wie Lkw und Busse heutzutage Standard.

Das Absenken des Busses funktioniert per Druckluft

Auch die Türen öffnen und schließen sich in der Regel pneumatisch. Die Luftfederung der Busse erlaubt zudem einige Funktionen, die normale Autos nicht haben: Wenn sich der Bus an der Haltestelle absenkt, um den Einstieg zu vereinfachen (Kneeling genannt), dann geht das ebenfalls mit Druckluft. Große Luftfederbalge auf der rechten Seite lassen dann Luft ab, der Bus senkt sich um bis zu acht Zentimeter ab. Bevor die Fahrt weitergeht, werden die Balge wieder aufgeblasen, der Bus steht wieder gerade. Zusätzlich haben Busse eine Niveauregulierung, die dafür sorgt, dass der Bus auch bei ungleich verteilten Fahrgästen nicht aus der Waage kommt.

Nicht aus der Waage kommt übrigens auch die Fahrerin und der Fahrer: Auch der Fahrersitz ist nämlich luftgefedert.

3 Kommentare

  1. Avatar
    Rainer Ostendorf
    26. September 2019

    Technische Dinge interessieren mich meistens nicht. Doch diesen Artikel fand ich sehr interessant. Vielen Dank!

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  2. Avatar
    Dietmar Klaus
    23. September 2019

    Hallo,
    danke für den informativen Bericht.
    1. Türen werden so gesteuert, wie man sie bestellt. Wenn ich mich recht entsinne, hatten die Setra ab 1986 rein elektrische Türen.
    2. Bestellt Ihr die Fahrzeuge mit Druckluftanschluß links am Fahrzeug?. Ich kenne Fahrzeuge, da ist der Anschluß rechts, oder sogar neben der vorderen Einstiegstür innerhalb des Fahrzeuges.

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      23. September 2019

      Hallo Dietmar,

      stimmt, es gibt auch Türen, die elektrisch öffnen. Das gehört meiner Beobachtung nach aber zu den Ausnahmen. Ja, unsere Luftanschlüsse sind links außen. Teils ist die Klappe auch gut zu erkennen, weil sie mit einem „L“ gekennzeichnet ist.

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