Busspur, Umleitung, Vorfahrt für Radfahrer: Verkehrsversuche im Sommer

Veröffentlicht von am 14.06.2021 (4 Kommentare)
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Eine neue Busspur und weitere Änderungen bringen die Verkehrsversuche im Sommer 2021

Eine neue Busspur, eine Straße, die zur Flaniermeile wird und Vorfahrt für die Promenade: Die Stadt Münster möchte im August und September 2021 verschiedene Änderungen ausprobieren, die auch Einfluss auf unsere Busse haben. Ziel dieser Verkehrsversuche ist es, die Mobilitätswende in Münster anzuschieben. 

Was Verkehrsversuche eigentlich sind, wie sie sich auf den Busverkehr besonders im Kreuz- und Martiniviertel auswirken und wie es weitergehen könnte, lest ihr hier im Blog.

Das ist ein Verkehrsversuch

Fußgänger, Autos, Radfahrer und Busse teilen sich den knappen Straßenraum. Wie er zugunsten von klimafreundlicher Mobilität umverteilt werden kann, erprobt die Stadt in Verkehrsversuchen

Das Wort Verkehrsversuch kannte ich bisher nicht (mir war nur der Gelegenheitsverkehr geläufig), aber eigentlich ist es eine sinnvolle Sache. Die Stadt Münster trägt die Gesamtverantwortung für die Mobilität zwischen Sprakel, Amelsbüren, Handorf und Roxel. Sie kümmert sich darum, dass Radfahrer, Fußgänger, Fahrgäste und auch Autos ihre Ziele erreichen.

Dabei steht klimaschonende Mobilität an erster Position. Sie zu fördern bedeutet aber, nicht mehr alles so zu machen wie bisher, sondern zum Beispiel Verkehrsraum neu aufzuteilen. Daher hat die Stadt die Verkehrsversuche vorbereitet: Einfach mal ausprobieren, was passiert, wenn man etwas ändert. Nach einigen Wochen endet der Versuch, wird ausgewertet und dann entschieden: „Hat funktioniert und wäre dauerhaft gut“, „muss angepasst werden“ oder  „das war wohl nix“. Hier gilt: Versuch macht klug. 

Für den Sommer 2021 hat die Stadt gleich drei Verkehrsversuche aufgelegt, die ihr kennen solltet, wenn ihr in Münster unterwegs seid. Übrigens: Alle drei Verkehrsversuche haben die Zustimmung des Stadtrates erhalten, ohne die lokalen Politikerinnen und Politiker kann die Stadt den Versuch nämlich nicht starten.  

Eine neue Busspur für 18 Linien 

Unter anderem hier am Servatiiplatz bekommen wir eine Busspur

Busspuren sind für uns die beste Möglichkeit, einfach am Stau vorbeizuziehen. Zusammen mit Busschleusen und Busampeln kommen wir so leicht auf die Pole Position, die Busse sind pünktlicher und zuverlässiger. Schöner Nebeneffekt: Autofahrer, die im Stau stehen und Bus um Bus an sich vorbeifahren sehen, kommen vielleicht ins Grübeln. Darum hätten wir am liebsten an jeder großen Straße eine eigene Spur für uns. 

Da der Platz aber natürlich begrenzt ist, heißt das, dass Autospuren oder Parkstreifen wegfallen müssten. Und genau das passiert jetzt zwischen Ludgeriplatz, Hauptbahnhof, Servatiiplatz und Eisenbahnstraße. Dort erhalten die Busse in Richtung Norden eine durchgehende, eigene Spur, die bisher noch für Autos freigegeben ist. Nahezu alle Stadtbus- und viele Regional- und Schnellbus-Linien fahren zumindest einen Teil dieses Abschnitts entlang und können davon profitieren. 

An der Eisenbahnstraße endet die Busspur, die Kreuzung wird aber leistungsfähiger gemacht, da nicht mehr links in die Warendorfer Straße gefahren werden kann

Für die neue Busspur wird die bestehende Spur vom Ludgeriplatz kommend verlängert. Autos und Busse haben dann bis zur Kreuzung Von-Steuben-Straße jeweils eine Spur. Und auch hinter dem Bahnhof geht es weiter. Die rechte Fahrspur steht dann bis zur Haltestelle Eisenbahnstraße exklusiv Bussen zur Verfügung, nur Rechtsabbieger in die Wolbecker und Friedrichstraße dürfen die Spur kreuzen. Und auch an der Eisenbahnstraße kommen die Busse schneller weg, da eine Fahrbeziehung (aus der Fürstenbergstraße links Richtung Warendorfer Straße) versuchsweise gesperrt werden soll.  So bleibt mehr Zeit für die Busse, die Kreuzung zu passieren. 

Erwähnenswert: Auch wenn es für den Verkehrsversuch noch nicht geplant ist, ist es doch an vielen Stellen gut möglich, Bus- und Radspuren zu kombinieren. Gerade in der Innenstadt, wo langsam fahren angesagt ist, ist das jetzt schon häufig der Fall. Selbst wenn die Busse dann mal eine kurze Strecke hinter einem Radfahrer herzuckeln müssen, kostet das nur wenige Sekunden, bis sie ohnehin die nächste Haltestelle anfahren müssen. 

Die Hörsterstraße wird zur Flaniermeile

Die Hörsterstraße soll für Autos gesperrt werden – auch Busse müssen dann draußen bleiben

Städte sind für Menschen da – und trotzdem geht ein Großteil der Fläche für Straßen und Parkplätze drauf. An der Hörsterstraße startet darum schon Ende Mai ein städtebaulicher Versuch, der allerdings ab August auch Auswirkungen auf die Linienführung  der 6, 8 und N82 hat. Gerade wurde schon der kleine Parkplatz am Bült (lest hier, was der Haltestellenname Bült bedeutet) umgewandelt und soll statt Platz für 18 Autos nun Lebensqualität für Menschen bringen, mit Sitzgelegenheiten, Pflanzen und Außengastronomie. 

Vom 2. August bis 26. September wird dann die Hörsterstraße zur Flaniermeile, mit Außengastro und Aufenthaltsqualität. Sie ist dann nicht mehr bloße Durchgangsstraße für Autos. Da auch unsere Busse draußen bleiben müssen, fahren die 6, 8 und N82 zwischen Pumpenhaus (auch für die Haltestelle Lublinring/Pumpenhaus gibt es eine interessante Erklärung) und Eisenbahnstraße über Garten- und Fürstenbergstraße. 

Während der Versuchszeit können die 6 und 8 nicht mehr zum Bült fahren.

Das hat Auswirkungen auf Fahrgäste aus Coerde, aber auch Wolbeck, Gremmendorf und Angelmodde. Sie erreichen die Innenstadt dann von der Eisenbahnstraße, nicht mehr vom Bült, oder müssen einmal umsteigen. Und die Haltestellen von der Kanalstraße werden auf die Gartenstraße verlegt, was einen etwa 250 Meter längeren Weg zum Bus bedeutet. Gleichzeitig wird die Strecke vom und zum Hauptbahnhof einige Minuten schneller, da der Umleitungsweg direkter ist. Damit mobilitätseingeschränkte Menschen nicht „abgehängt“ werden, fährt in dieser Zeit ein barrierefreier Shuttlebus von der Kanalstraße über Lublinring und Gartenstraße zum Bült und über Neubrückenstraße zurück zur Kanalstraße. Und zwischen dem Hörstertor und Bült richten wir zusätzlich eine Fahrradrikscha ein. 

Ende September wird die Linienführung wieder auf den gewohnten Weg umgestellt und ausgewertet. Dann fließen Fahrgastzahlen und Rückmeldungen ein in die Entscheidung, wie es weitergehen könnte. Besonders im Fokus: Wie erreichen Fahrgäste aus den betroffenen Stadtteilen auch in Zukunft die Altstadt bestmöglich. 

Vorfahrt für Radler am Neubrückentor

Hier haben die Radler im Sommer Vorrang

Während des Sommers umfahren die Busse ja die Kanalstraße ohnehin, wegen Verkehrsversuch Nummer 2. Dann probiert die Stadt auch aus, was passiert, wenn Radfahrer die Promenade mit Vorrang entlangfahren dürfen. Und zwar am Neubrückentor (was hat es eigentlich mit den ganzen Toren auf sich?). 

All das, was für Radler positiv ist, freut uns normalerweise auch, denn wird der Radverkehr gestärkt, sind weniger Autos unterwegs. Dadurch wird Platz frei, den wir gern für unsere Busse hätten. Eine Vorfahrt der Promenade bremst allerdings auch unsere Busse aus – so unsere Vermutung. Der Verkehrsversuch kann zeigen, was die Änderung für die Kanalstraße bedeutet.

4 Kommentare

  1. R.Jaspers
    20. Juni 2021

    Die neue Linienführung der Stadtbusse unter Aussparung der Innenstadt bringt für ältere Personen ,sowie Personen mit Handicap, erhebliche Nachteile und Erschwernisse. Um z.B. Ziele auf dem Prinzipalmarkt oder Domplatz zu erreichen, sind jeweils in der Innenstadt längere Fußwege zu bewältigen. Hinzu kommt oft noch ein längerer Weg im jeweiligen Stadtteil , um den Bus nach Münster zu erreichen.

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    • Florian Adler
      21. Juni 2021

      Hallo, haben Sie gelesen, dass die Kanalstraße mit einem Shuttlebus angebunden wird, der auch den Bült anbindet? Aus Coerde ist ein Umstieg von der 6 oder 8 auf den Shuttlebus am Lublinring möglich. So gibt es nur ganz geringe zusätzliche Fußwege.

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  2. Dr. Chr. Götze
    15. Juni 2021

    Alles was für Radfahrer positiv ist, ist letztlich für andere Verkehrsteilnehmer negativ. Die Kategorie Stahlritter nimmt sich mittlerweile in Münster jedes Recht, ohne Rücksicht auf Verluste oder Verkehrsregeln. Ob Gehwege, ob Fußgängerzonen, ob Zebrastreifen, ob Straßen: Radfahrer nehmen zu 80 % keine Rücksicht mehr, und die Politik und die Polizei ignoriert es oder schaut weg. Es ist mittlerweile als Fußgänger gefährlich in Münster zu gehen, sie müssen sich überall nach hinten versichern, (Schulterblick für Fußgänger notwendig, ein NoGo!) ob nicht mit highspeed ein Kampfradler kommt. Brennpunkte sind z. B. Kreuzung Schlossplatz/ Münzstraße/ Promenade, Fußgängerampel Ende Bahnhofstraße Richtung Wolbecker Straße, Fürstenberg Straße Richtung Gartenstraße, Salzstraße, Passage Karstadt, Fußgängerampel Gartenstraße/ Ecke Maximilianstraße in Richtung Bahnhof (Fußgänger können ihre grüne Ampel nicht passieren, ohne Gefahr zu laufen, dass Radfahrer, die fast zu 100% das Rot ignorieren sie anfahren (hier passieren jede Menge Grundschüler die Ampel!), Aa Seitenweg ab Promenade bis Ring (viele Alte auch mit Rollatoren und Kinder!). Fußgänger müssen nicht Spur halten, das ignorieren Radfahrer komplett. Von hinten kommend sind sie mit hoher Geschwindigkeit eine tödliche Gefahr. Ich bin Fußgänger, Radler, und wenn es sein muss, auch Autofahrer, denn das kann man selbst in Münster nicht abschaffen, auch wenn es heute nicht nur hier so tönt. Aber Radfahrer sind für alle diese Verkehrsteilnehmer die größte Gefahr, weil sie sich nicht als Verkehrsmittel sehen, und von der Polizei scheinbar auch nicht so angesehen werden. Fazit: ob am Aasee, ob auf Gehwegen, ob auf Spazierwegen, ob auf Zebrastreifen, ob auf der Straße, ob auf Radwegen: der Stahl Ritter ist in Münster der König! Und die Moral von der Geschichte? Wenn jeder Radfahrer DIE Rücksicht und Toleranz gegenüber anderen üben würde, die er von JEDEM Anderen erwartet, wäre alles gut.
    PS: begeben Sie sich mal nach Emden, eine Fahrradstadt, da läuft es rund!

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    • Florian Adler
      15. Juni 2021

      Guten Tag Herr Dr. Götze,

      ich halte nicht viel von Verallgemeinerungen über „die Radfahrer“ und „die Autofahrer“. Dass 80 Prozent der Radfahrer keine Rücksicht nehmen ist zumindest nicht mein Empfinden. In der Unfallstatistik der Polizei sieht es auch anders aus: „Im Jahr 2020 ereigneten sich 125 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fußgängerinnen und Fußgängern, bei 52 der 125 Verkehrsunfällen haben die Fußgängerinnen und Fußgänger den Verkehrsunfall verursacht.“ (die knappe Mehrheit der Unfälle wird also von Auto- oder Radfahrern verursacht)

      Zu Radfahrern heißt es dort: „Radfahrerinnen und Radfahrer, waren an 1.047 Verkehrsunfällen beteiligt. 747 Radfahrende wurde verletzt. Bei 466 Verkehrsunfällen mit verletzten Rad-/Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrern waren Pkw/Lkw/Kräder und sonstige motorisierte Fahrzeuge beteiligt. Diese Unfälle verursachten die Kraftfahrzeugführer zu circa 69 Prozent.“ (Bei Nicht-Bagatell-Unfällen zwischen Auto und Rad ist also meist der Autofahrer Schuld). Die ganze Statistik gibt es hier: https://muenster.polizei.nrw/sites/default/files/2021-03/VU_Statistik_2020_0.pdf.

      Dass ich als Fußgänger einen „Schulterblick“ mache, bevor ich einen Radweg überquere ist für mich aber selbstverständlich, wie ich auch auf Autos achte, bevor ich über die Straße gehe. Andersherum ist es auch selbstverständlich, als Radfahrer eben keine Gehwege zu befahren und vor Fußgängerampeln, die „Rad frei“ sind auf Fußgänger zu achten.

      Das ist aber auch „nur“ meine Meinung zum Thema, Statistiken sind geduldig und wenn sich viele Fußgänger gefährdet fühlen, wäre das ein Thema, das angegangen werden muss. Mehr Raum für den Umweltverbund, weniger für Autos wäre sicherlich eine Möglichkeit, dem zu begegnen. Da können wir als Stadtwerke allerdings nicht weiterhelfen.

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