6 Jahre Elektrobusse: Wie sind unsere Erfahrungen?

Veröffentlicht von am 10.05.2021 (5 Kommentare)
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2015 rollte der erste E-Bus vom Transporter

Es war im Mai 2015 als in unserer großen Wagenhalle der Vorhang fiel. Dahinter befand sich unser erster Elektrobus, der unter großem Medieninteresse seine Jungfernfahrt begann. Damit gehörten wir zu den ersten E-Bus-Betreibern in Deutschland. Seitdem sind 16 weitere Busse hinzugekommen, die inzwischen fast 1,5 Millionen Kilometer elektrisch zurückgelegt haben. 

Immer wieder werden wir gefragt: Wie sind eigentlich die Erfahrungen, auch mit dem Wasserstoffbus, den wir testen. Können die E-Busse mit Diesel mithalten? Um das vorwegzunehmen: Wir finden ja!

Wie läuft’s auf Linie?

Die E-Busse fahren derzeit vor allem auf den Linien 11 und 14.

Die entscheidende Frage, wenn es um Busse geht: Funktioniert alles? Natürlich hatten die ersten Busse 2015 noch Kinderkrankheiten. Inzwischen haben wir – 2018, 2019, 2020 – drei neue Generationen E-Busse bekommen und mit jeder Lieferung ist die Qualität weiter gestiegen. Das ist übrigens der Grund für die große Lücke zwischen den ersten Bussen 2015 und der zweiten Gruppe von 2018: Wir wollten sicherstellen, dass wir die Fahrzeuge kennenlernen können und zusammen mit Hersteller VDL alle Schwachstellen finden und abstellen konnten. 

Eine Taktik, die funktioniert hat, so dass wir die Frage beantworten können mit: „Danke, läuft gut!“. Das sieht man ja auch täglich auf der Linie 14, auf der es nur noch ganz vereinzelt Dieselbusse zu sehen gibt, wenn ein eigentlich vorgesehener E-Bus mal in der Werkstatt steht. Und auch auf der 11 sind die Gelenkzüge zuverlässig unterwegs, noch im Mischbetrieb mit Diesel. Klar kommt es mal zu einer Störung, die ist dann allerdings genauso häufig auf Türen oder andere Teile des Busses zurückzuführen wie auf den Elektroantrieb. Das alles beheben wir in unserer Werkstatt auf speziellen Dacharbeitsplätzen. Immerhin haben die Dieselbusse Jahrzehnte Entwicklungsvorsprung und entwickeln im harten Linienbetrieb trotzdem Störungen. 

Auch bei kalten Temperaturen sind die E-Busse unterwegs – allerdings muss der Weg zur Ladestation geräumt sein.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Elektrotechnik weiterentwickelt, ist schon sehenswert. Hatten unsere ersten Busse – die ihr an den Wagennummern mit einer 15 vorn erkennt – noch eine Reichweite von 50 Kilometer, schafft die aktuelle Generation bis zu 250. Daher bauen wir inzwischen nicht mehr zwei Ladestationen wie noch auf der 14, sondern nur noch eine pro Linie – und selbst dann kann die Ladung gut und gern vier Mal komplett ausgelassen werden. Das erleichtert den Betrieb erheblich, weil wir mit kürzeren Wendezeiten arbeiten können. Bei der Ladung mit 350.000 Watt Leistung reichen auch ein paar Minuten, um die Batterien soweit zu füllen, dass genug Strom für die nächste Runde da ist.

Letztlich ist es schön, wenn betrieblich alles rund läuft, aber Busverkehr ist ja kein Selbstzweck. Daher sind wir immer dankbar für Eure Rückmeldungen. Fahrt ihr gern mit einem E-Bus? Hinterlasst doch einen Kommentar! Viel Zuspruch erhalten die Fahrzeuge übrigens von Menschen, die zwar selten mitfahren, aber nahe an einer Busstrecke wohnen. Denn die E-Busse sind ja nicht nur abgasfrei, sondern auch viel leiser – und wer nahe einer Haltestelle wohnt, der weiß, wie ein anfahrender 350-PS-Dieselmotor dröhnen kann… 

Batterie oder Wasserstoff?

Mit einer Tankfüllung Wasserstoff kann der Bus den ganzen Tag fahren

Seit einigen Monaten testen wir den ersten Wasserstoffbus, der auf der Linie 2 unterwegs ist.  Er hat eine Reichweite von 350 oder mehr Kilometern pro Tankladung, womit er auf vielen Linien den ganzen Tag unterwegs sein kann und erst abends tanken muss – quasi wie ein Dieselbus.

Auch hier machen wir gute Erfahrungen, die uns positiv stimmen für drei weitere Busse, die wir Ende des Jahres erwarten. Spannend: Mit Buses 4 Future geben wir hier einem ganz neuen Hersteller – quasi einem Bus-Startup – die Chance, ihre Fahrzeuge im Stadtverkehr zu erproben. Dass der Name an eine Klimabewegung erinnert, ist dabei kein Zufall. 

Der Wasserstoffbus am Aasee

Allerdings gibt es noch immer wenige Wasserstoffbusse am Markt, sonst hätten wir schon vor Jahren die ersten Exemplare eingesetzt. Hinzu kommt, dass die Energiedichte der Batterien bei Elektrobussen immer größer wird. Wenn es so weitergeht, erreichen E-Busse bald auch ohne Brennstoffzelle ähnliche Reichweiten. Ökologisch haben Wasserstoffbusse den Vorteil, dass sie nur kleinere Pufferbatterien benötigen und damit weniger Ressourcen. Allerdings muss der Wasserstoff aus Ökostrom erzeugt werden – nur dann spricht man von grünem Wasserstoff. Ein Prozess, der derzeit noch sehr viel Energie verschlingt und für den es erst wenige Elektrolyseure gibt.  

Daher sind wir in unserer Strategie technologieoffen aufgestellt. Einige Wasserstoffbusse werden wir mit Sicherheit einsetzen, wie groß der Anteil wird, entscheiden wir flexibel nach Entwicklung der Technik und Wirtschaftlichkeit. Letztere spricht aktuell klar für die Batterie. 

So geht’s weiter

Unsere E-Bus-Flotte wächst. Bis 2029 soll sie komplett sein

Überhaupt, Strategie. Wie sieht es denn da aus? Unsere Elektrobus-Flotte wird weiter wachsen, das ist klar. Bis 2029 wollen wir unsere Dieselbusse komplett ausgemustert haben und nur noch elektrisch fahren. Dafür müssen wir von aktuell 17 auf dann über 100 Busse kommen. Um das zu schaffen, planen wir allein in diesem Jahr, unsere Flotte fast zu verdoppeln: 15 neue Busse werden kommen, die ersten sechs Gelenkbusse schon in den nächsten Wochen, sechs weitere dann im Herbst. Hinzu kommen die drei schon erwähnten Wasserstoffbusse.

Vorgesehen ist, nach den Linien 11 und 14 als nächstes die 8 anzugehen und zu elektrifizieren. Dafür kommt eine Schnellladestation an die Buswende in Coerde. Dort tanken die neuen E-Busse dann mehrmals am Tag frischen Ökostrom nach. 

Auch in den Folgejahren planen wir Busse in ähnlich großen Losen zu kaufen. Wie viele es genau werden, ist immer von der aktuellen Förderkulisse abhängig, denn noch kosten E-Busse deutlich mehr als Dieselbusse. Daher bekommen wir einen Teil dieser Mehrkosten gefördert, zum Beispiel vom Land NRW, dem Bund oder auch der EU. Da der Betrieb der Busse sogar günstiger ist als bei Dieselfahrzeugen, sind die Kosten über die gesamte Laufzeit der Busse für uns damit ähnlich hoch, egal ob Strom oder Diesel den Bus antreibt. 

Übrigens: Viele fragen sich, warum unsere Busse von diesem oder jenen Hersteller kommen. Dabei können wir das gar nicht frei entscheiden. Wir schreiben unsere Aufträge europaweit aus und die Hersteller bieten daraufhin an.

5 Kommentare

  1. Johannes
    29. Mai 2021

    Wie viel wiegt denn in etwa eine Batterie in einem neuen E-Bus?

    Und fließt die ganze kinetische Energie von so einem schweren Bus in voller Fahrt beim Bremsen wieder teilweise zurück in die Batterien oder geht sie als Wärme verloren?

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    • Florian Adler
      1. Juni 2021

      Das Gewicht der Batterien ist natürlich abhängig von der Kapazität, einige Tonnen kommen da aber schnell zusammen. Da gleichzeitig aber auch viele schwere Antriebsteile aus herkömmlichen Bussen wegfallen, haben E-Busse nur wenig „Übergewicht“. Knapp 20 Tonnen bringt ein Gelenkbus leer auf die Waage.

      Rekuperation, also das Zurückgewinnen von Bremsenergie, gibt es selbstverständlich auch bei Bussen. Tatsächlich kommen so je nach Betriebsdauer – bei uns aktuell also von 5 bis 21 Uhr – so 150 kWh zusammen, die zurückgewonnen werden.

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  2. Kevin
    10. Mai 2021

    „350.000 Volt Leistung“. Glaube da stimmt was nicht

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    • Florian Adler
      11. Mai 2021

      Richtig, es sind natürlich 350.000 WATT Leistung (bei 700 Volt Spannung) – Physik für Anfänger 🙂 Der Fehler ist korrigiert, danke!

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    • Birger Lenz
      18. Mai 2021

      Daumen hoch!
      Ich fahre täglich von Roxel nach Münster, da die 1 immernoch „stinkt“ fahre ich nur bis Dieckmannstr. und von dort mit der E-11 weiter.
      Wenn nicht Bus, dann reite ich gerne meinen „Rolektro eco-City“ E-Roller.

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