Eine Testfahrt im Elektrobus mit Wasserstofftank

Veröffentlicht von am 02.05.2017 (5 Kommentare)
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Mit Wasserstoff auf Testfahrt

Vielleicht ist dem ein oder anderen schon einmal der blau-grüne Bus mit dem hohen Dach aufgefallen, der zeitweise von früh bis spät durch die Stadt fährt. Unter den Abdeckungen auf dem Dach verbirgt sich auch die Besonderheit des Elektrobusses, den wir aus den Niederlanden geliehen haben: Dort liegen nämlich Wasserstofftank und Brennstoffzellen.

Im Sommer 2018 ist der Bus wieder in Münster und fährt ganz regulär auf der Linie 14, zusammen mit unseren normalen Elektrobussen. Was eine Brennstoffzelle ist und wie sich der Bus von unseren bisherigen E-Bussen unterscheidet, erklären wir Euch hier.

Mit Wasserstoff unterwegs

Der Blick aufs Dach offenbart den Wasserstofftank und die Brennstoffzellen

Während unsere bisherigen E-Busse Strom aus der Steckdose benötigen und daher an der Endhaltestelle ihren Stromabnehmer ausfahren müssen, produziert der Testbus an Bord selbst Strom aus Wasserstoff. Daher kann er daher deutlich länger unterwegs sein – wie bei Dieselbussen üblich den ganzen Tag lang. Der Unterschied zum Dieselbus: Es wird kein Treibstoff verbrannt, sondern aus Wasserstoff und Sauerstoff wird in zwei Brennstoffzellen in recht komplizierten chemischen Prozessen Strom erzeugt. Zurück bleibt statt Abgasen nur reiner Wasserdampf.

Auf deutlich über 350 Kilometer Reichweite kommt der Bus so. Das reicht locker, um den ganzen Tag über auf Linie unterwegs zu sein und nachts nachzutanken. Zum Vergleich: Ohne nachzuladen, fahren unsere E-Busse maximal etwa 50 Kilometer. Sie brauchen also zwingend die Ladestationen, die am Zoo und Gallenkamp installiert sind – auch wenn einzelne Ladungen natürlich mal ausgelassen werden können.

Testkilometer gesammelt

Am Rathaus trifft der Wasserstoffbus auf die Linie 4

Im Mai 2017 war der Testbus erstmals in Münster unterwegs. Er ist viele Linienwege abgefahren, von Hiltrup über Wolbeck und Handorf bis nach Gelmer und Sprakel gefahren, den Kappenberger Damm bis nach Ottmarsbocholt und zurück nach Albachten, Mecklenbeck und Roxel. Zwischendurch nach einem Tankstopp ist er dann in Kinderhaus und Gievenbeck gewesen, hat eine Runde über den Prinzipalmarkt und um den Ring gedreht, danach Coerde und Nienberge besucht.

Rund 200 Kilometer haben wir am Tag abgespult, um herauszufinden, wie sich der Bus macht und dabei an zig Haltestellen gestoppt, die Wendeschleifen an den Endhaltestellen ausprobiert und sind im dichten Innenstadtverkehr mitgeschwommen. Zudem haben wir ausprobiert, ob der Bus mit dem höheren Dach trotzdem sicher unter den Eisenbahnbrücken durchkommt.

Im Sommer 2018 ist der Bus mit deutschem Kennzeichen unterwegs

Ein Jahr später, von Juni bis September 2018, ist der Bus wieder in Münster und fährt – diesmal auch mit Fahrgästen – auf der Linie 14. Dafür haben wir ihn extra in Deutschland angemeldet, so dass er nun mit einem weißen Nummernschild und der recycelten Wagennummer 2616 unterwegs ist. Wer ihn sucht, kann ihn ganz einfach über unseren Service FIS2go finden, indem die Wagennummer eingeblendet wird. 

Die Fahrer, die schon die Chance hatten, den Bus zu fahren, waren ganz angetan von der Fahrweise. Ähnlich wie bei unseren eigenen E-Bussen ist die Bremse kaum zum Einsatz bekommen, denn hebt sich der Fuß vom Gaspedal, bremst der Bus wie von Geisterhand deutlich ab und gewinnt dabei noch Bremsenergie als Strom zurück.

In der Werkstatt haben wir dem Bus unters Blech geschaut

Aber auch die Werkstatt hat dem Bus unter die Haube gesehen. Schon seit wir 2012 den ersten Hybridbus bekommen haben, stellt sich die Werkstatt um und immer mehr auf die Bedingungen für E-Busse ein. So erhalten die Werkstatt-Mitarbeiter Hochvolt-Schulungen, um überhaupt an den Systemen arbeiten zu können. Das wichtigste aber ist: Erfahrung. Die wir mit dem Leihbus hinlänglich sammeln. Eigentlich gehört er übrigens  dem niederländischen Verkehrsunternehmen Syntus aus dem Gelderland. Dort fährt er in Apeldoorn.

Wir planen, ab Herbst 2018 selbst mit zwei neuen Brennstoffzellenbussen unterwegs zu sein – dann lackieren wir auch die gewohnte Stadtwerke-Welle!

Zum Tanken nach Amelsbüren

Die Betankung mit Wasserstoff funktioniert fast wie an einer normalen Zapfsäule (Foto: Westfalen AG)

Wasserstoff gibt es nicht an jeder Tankstelle. Auch auf unserem Betriebshof haben wir keine eigene Wasserstofftankstelle. Die Westfalen AG betreibt allerdings an ihrer öffentlichen Tankstelle an der A1 bei Amelsbüren auch eine Station mit Wasserstoff – getrennt für Autos und Busse/Lkw, weil letztere mit geringerem Druck tanken. Dort haben wir zusammen mit Experten von Betreiber und Hersteller auch den Tankvorgang geübt.

Da ein Elektrobus mit Wasserstofftank nicht liniengebunden eingesetzt werden muss, wäre es dann sogar möglich, die Umläufe so zu planen, dass der Bus abends im Süden aussetzt und zum Tanken fährt – damit lassen sich dann Leerfahrten vermeiden.

5 Kommentare

  1. dirk bethgr
    31. August 2018

    Ich finde es großartig das Münster vormacht was geht. Batterie auf der Kurzstrecke und Überland mit der Brennstoffzelle. Ist ein ganz tolles Thema für unsere Zukunft. Die ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe und Regio Hannover schlafen tief und fest weiter trotz fristloser Endlassung und erneuerung der Vorstände. Sie werden weitermachen nach dem Motto:
    Weiter so. Es gibt in Hannover eine Linie auf der Batterieomnibusse eingesetzt werden. Sie laufen wunderbar. Das Thema H2 ist beim neuen Vorstandsvorsitzenden nicht angekommen. Die polnischen SOLARIS – Omnibusse sind meiner Meinung nach nicht wirklich was auf Dauer.
    Dirk Bethge Busfahrer i.R.

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  2. Martin
    13. Juni 2018

    Kein Wort, dass der Bus von dem polnischen Hersteller Solbus stammt…
    Warum?

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      20. Juni 2018

      Das ist ja kein Geheimnis, der Hersteller ist nur recht unbekannt. Unsere H2-Busse werden übrigens von EBE gefertigt – auch eher unbekannt 🙂

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  3. Dietmar Klaus
    10. Oktober 2017

    Hallo,
    wenn ich den Dachaufbau sehe, stellt sich mir eine Frage. Passt der Bus überall unter den Eisenbahnbrücken drunter her? Ja ich weiß, dass die früheren Hochflurbusse dort fuhren, nur eben etwas mittiger in der Fahrbahn.

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