Metro- und Kleinbus: So könnte Münsters Nahverkehr in der Zukunft aussehen

Veröffentlicht von am 15.04.2019 (Ein Kommentar)
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So sieht der Metrobus im französischen Metz aus

Metrobusse fahren auf den Hauptachsen alle fünf Minuten aus den Stadtteilen in die Innenstadt und wieder zurück. In den Stadtteilen selbst fahren Kleinbusse ohne starren Linienweg und Fahrplan. Sie sorgen für Mobilität im Quartier und Anschluss auf die Metrobusse. So sieht – auf drei Sätze reduziert – unser Vorschlag für den Nahverkehr der Zukunft in Münster aus.

Was das im Detail bedeutet, erklären wir hier.

Darum ist es nur ein Vorschlag

Warum eigentlich Vorschlag? Wir betreiben doch den Busverkehr in Münster und könnten das einfach umsetzen, oder? Ganz so einfach ist es aber nicht. Wir betreiben den Busverkehr im Auftrag der Stadt Münster. Liniennetz, Taktdichte und Co. sind im Nahverkehrsplan festgelegt. Den stellen die Verkehrsplaner im Amt für Mobilität und Tiefbau auf, danach berät der Stadtrat darüber und verabschiedet ihn bestenfalls. Wir unterstützen die Stadt in diesem Prozess selbstverständlich. Größere Änderungen können wir aber nur vorschlagen. 

Zudem wären für das Konzept auch Änderungen an der Infrastruktur notwendig. Zum Beispiel viel mehr Busspuren. Die können wir nicht einfach anlegen. Vermutlich würde das zulasten des Raums für Autos gehen – Fahr- oder Parkstreifen fielen weg. Auch hierzu ist eine politische Entscheidung notwendig. 

Ebene 1: Metrobusse

Etwas großstädtischer als in Münster: Metrobus-System in Istanbul

Münsters Hauptverkehrsstraßen laufen sternförmig auf die Innenstadt zu – sie sind neben den Schienenstrecken die Hauptschlagadern im Verkehr zwischen Stadtteilen und Innenstadt. Über diese Straßen würden zukünftig Metrobusse fahren. Das sind große Busse, die äußerlich an eine Straßenbahn erinnern und sicherlich in Zukunft rein elektrisch angetrieben werden. Sie fahren in dichtem Takt, etwa alle fünf Minuten. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Metrobusse konsequent bevorrechtigt sind, das heißt durchgehend auf eigenen Busspuren unterwegs sind und die Ampeln so beeinflussen können, dass sie nur an den Haltestellen stoppen müssen.

Solche Systeme, international auch als BRT für Bus Rapid Transit bekannt, sind bereits in vielen Städten etabliert. Beispiele dafür sind Metz oder Nantes in Frankreich, Istanbul in der Türkei oder Luzern in der Schweiz. In Deutschland sind sie hingegen bisher wenig verbreitet. 

Eine mögliche Mobilstation in Münster

Ohne die konsequente Bevorrechtigung für die Metrobusse würden bei einem so engen Takt ähnliche Probleme auftreten, wie wir sie heute bereits erleben: Die Busse bleiben im Stau stecken und „laufen auf“, es fahren also zwei Busse hintereinander, darauf folgt eine größere Lücke. Kann das vermieden werden, ist das gleich ein doppeltes Plus für das System: die Fahrzeit sinkt, die Pünktlichkeit steigt.

In den Stadtteilen halten die Metrobusse an großen Mobilstationen. Dort gibt es zahlreiche Angebote rund um die Mobilität – etwa Leezenboxen, wie wir sie schon heute an mehreren Bahnhöfen haben, Elektro-Carsharing und dem Umstieg auf die kleinen On-Demand-Busse. 

Ebene 2: On-Demand-Busse

Möglicher On-Demand-Bus für Hiltrup (Foto: Moovel)

Die großen Metrobusse können Wohngebiete nicht bis in die letzte Straße erschließen. Schon heute sind unsere Gelenkbusse dort häufig fast leer, da die letzten Haltestellen – gemessen an den über 100 Plätzen im Bus – nur geringe Nachfrage haben. Daher würden in unserem Konzept die Wohngebiete durch Kleinbusse (hier steht mehr über Kleinbusse im Linieneinsatz) erschlossen. Die werden ganz einfach per App gerufen und kommen zum passenden Zeitpunkt zur nächsten Straßenecke – Fahrplan und feste Haltestellen adé! Sie fahren so, dass möglichst viele Fahrtwünsche gebündelt werden. Innerhalb des Stadtteils – oder vielleicht auch bis in den Nachbar-Stadtteil – fahren die Kleinbusse direkt zum Ziel. Für längere Wege bieten sie an den Mobilstationen den bequemen Umstieg auf die Metrobusse.

Die ersten On-Demand-Kleinbusse sollen in einem Probebetrieb in Hiltrup fahren. Derzeit werben wir zusammen mit der Stadt die dafür notwendigen Fördermittel ein. Wenn der Betrieb finanziell gesichert ist, kommt – siehe oben – unser Vorschlag vor den Stadtrat. 

Und sonst so?

Bis 1954 fuhr eine Straßenbahn durch Münster

So sieht unser pragmatischer Vorschlag für Münster aus. Wir wissen natürlich: Viele wünschen sich eine Rückkehr der Straßen- oder gar eine U-Bahn (lest hier mehr über Münsters alte Straßenbahn).

Vorteil der Metrobusse: da keine Schienen verlegt, Tunnel gegraben oder Oberleitungen gebaut werden müssen, wäre das Konzept um Jahre schneller umzusetzen, weil viele Planungsprozesse einfacher sind. Auf lange Sicht fällt immer häufiger das Stichwort Münsterland-S-Bahn, also ein engerer Takt auf den Zugstrecken.

Das ist wichtig, da viele Autos, aus denen der tägliche Stau in Münster besteht, aus den Umland-Gemeinden kommen. Unsere Busse fahren aber nur innerhalb der Stadtgrenzen. Soll die Verkehrsbelastung sinken, müssen auch Pendler auf den ÖPNV umsteigen. Für mehr Züge werden aber auch mehr Gleise benötigt, was eben lange Planungsphasen benötigt. Daher passiert auch hier bei den Bussen etwas: Der Verbund ZVM und die Regionalverkehr Münsterland (RVM) planen, aus dem Schnellbus S90 den noch schnelleren Expressbus X90 zu machen. Die Zutaten dafür sind neben großen Bussen auch hier On-Demand-Verkehre.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Dietmar Klaus
    15. April 2019

    Wer Metrobus sagt, sollte nicht nach Nantes in Frankreich, Istanbul in der Türkei oder Luzern in der Schweiz schauen. Ich sage nur Hamburg. Allerdings ist in Hamburg der Metrobus auf Verbindungen unterwegs, wo (noch) keine U-Bahn oder S-Bahn fährt. Auch dort sind die Takte sehr kurz. Da man nur begrenzt Ampelschaltungen und eigene Busspuren hat, laufen auch da die Fahrzeuge aufeinander auf.
    Es ist keine Frage, dass sich langfristig etwas ändern muss. Schon um noch mehr Autofahrer auf den Bus zu bringen. Unabhängig von den Kosten wäre eine U-Bahn wohl das Beste. Z.B. nur eine kleine Ringlinie HBF, Mauritzstr.- Münzstr – Schloßplatz – Moltkestr. – HBF. Dann leider immer Umstieg in Busse.
    Oder warum hat Freiburg bei entsprechender Einwohnerzahl eine Straßenbahn. Oder die vielen ostdeutschen Städte.
    Warum haben wir am HBF 300 m lange Bussteige auf beiden Seiten? Gerade für mobilitätseingeschränkte Reisende sind das Riesenentfernungen.Es ist also viel zu tun oder zumindest erst mal neu zu denken!

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