Blick zurück auf Straßenbahnen: So sah Münsters Nahverkehr vor 70 Jahren aus

Veröffentlicht von am 30.01.2018 (2 Kommentare)
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Die Elektrische am Verspoel

Vor 70 Jahren ratterten sie noch durch Münster: die Straßenbahnen. Neben den nach dem Zweiten Weltkrieg reaktivierten zwei Tramlinien waren allerdings auch schon einige Autobusse, wie man damals noch sagte, unterwegs. Mit gerade einmal acht Linien – zwei mit Straßenbahnen, sechs mit Bussen – war das Netz allerdings deutlich geringer ausgebaut als heute – was auch daran liegt, dass viele der heutigen Stadtteile noch eigenständig waren.

Erinnert sich noch jemand an die Zeit? Wir freuen uns auf Eure Geschichten in den Kommentaren!

Von vier auf zwei Linien

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Netz und Wagen schwer beschädigt

1901 fuhr die erste Straßenbahn, ab 1913 bis in die 1930er Jahre hinein waren vier Linien in Münster unterwegs: die rote, gelbe, blaue und grüne Linie. Nachdem Münster – und damit auch die Straßenbahnstrecken – im Zweiten Weltkrieg allerdings zu großen Teilen zerstört wurden, wurden nur zwei alte Strecken reaktiviert:

Die Linie 1 fuhr zwischen Halle Münsterland, Hauptbahnhof, Servatiiplatz und Lambertikirche, auch durch die berühmte heulende Kurve. Die früher weitergehende Strecke der roten Linie bis an die Grevener Straße entfiel. Die Linie 2 fuhr zwischen Danziger Freiheit, Warendorfer Straße, Hauptbahnhof, Ludgeriplatz und Schützenhof, ähnlich wie früher die gelbe Linie. Die Strecke von der Wolbecker Straße und vom Nordplatz in die Innenstadt wurden nicht wieder instand gesetzt, auch über den Prinzipalmarkt fuhren keine Straßenbahnen mehr.

Mit sechs Buslinien durch Münster, mit dem Zug nach Paris

Ein Bus wartet am Servatiiplatz auf Umsteiger aus der Straßenbahn

Neben den beiden Tramlinien waren noch sechs Stadtbuslinien unterwegs, davon zwei Ringlinien und je eine nach Gievenbeck (Linie 5c), Kinderhaus (Linie 6), Mecklenbeck und Stapelskotten (Linie 10), zum Kriegerweg (wie heute die Linie 7), nach Gremmendorf (Linie 8) und zum Waldfriedhof Lauheide (Linie 9), die teils halbstündlich, teils stündlich fuhren. Die Linien 7, 8 und 9 waren dabei an die Straßenbahn angebunden und fuhren von und zu deren Endhaltestellen am Schützenhof, an der Halle Münsterland und der Danziger Freiheit.

In die heutigen Außenstadtteile und darüber hinaus fuhren die Münster Land-Busse, zum Beispiel die Linie 1 nach Handorf oder die 4 nach Hiltrup. Weiter kam man mit der Linie 2 in zweieinviertel Stunden nach Bielefeld, mit der 10 nach Coesfeld oder der 3 nach Rothenfelde. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war also ein durchaus respektables Angebot an Nahverkehrsleistungen im Münsterland verfügbar.

Der damalige Netzplan mit den Linienwegen der Busse

Das gilt auch für die Züge, die Münster schon damals mit Hamburg oder München verbunden haben, aber auch mit Paris, das über Köln in nur etwas über vier Stunden erreichbar war. Nicht ganz bis nach Frankreich, aber doch in der Region gab es zudem die Sonntagsrückfahrkarten. So sollten die an den Wochenenden damals schwach ausgelasteten Züge gefüllt werden. Im Umkreis von etwa 100 Kilometern, für Ziele von Albachten bis Willingen, wurde dadurch die Hin- und Rückfahrt an einem Wochenende rabattiert.

Die letzte Fahrt der Straßenbahn

Die Straßenbahn als Stromabnehmer für ausrückenden O-Bus

1954 wurde das Straßenbahnnetz schließlich stillgelegt, Grund dafür waren unter anderem Unterhöhlungen, die die Schienen auf der Warendorfer Straße haben absinken lassen. Stattdessen wurden neben den Autobussen auch Oberleitungsbusse (kurz O-Busse) eingeführt. Später sind dann auch die letzten Stromleitungen über der Straße verschwunden und der Verkehr wurde komplett auf Busse umgestellt.

Die Fahrzeuge wurden nach Osnabrück und Würzburg verkauft, wo sechs Wagen noch bis 1975 fahren. Übrigens: Auch wenn die letzte Fahrt der Straßenbahn am 25. November 1954 groß begangen wurde und die Wagen festlich geschmückt waren, fuhren auch danach noch Straßenbahnen durch Münster. Da zwischen Hauptbahnhof und Depot nur Fahrdrähte für die Straßenbahn existierten, wurden auch nach der letzten Fahrt noch O-Bus und Straßenbahn zusammengekoppelt. Der Strom wurde aus der Straßenbahn in den O-Bus geleitet, der dann seinen Beiwagen ins Depot geschleppt hat. Die ehemaligen Straßenbahn- und nun Kontaktwagen, extra dafür umgerüstet, waren als „Reinholer“ bekannt.

Im Stadthaus 3 steht der letzte Straßenbahnwagen Münsters

Ein Wagen hat es außerdem wieder nach Münster geschafft. Im Foyer des Stadthauses 3 am Albersloher Weg steht seit 2013 Wagen 65. Er wurde 1954 nach Würzburg abgegeben und fuhr dort bis 1975. Nach einem Abstecher ins Deutsche Straßenbahnmuseum kam er 1993 zurück nach Münster und wurde von 2002 bis 2013 von den Mitgliedern des Vereins zur Rettung der letzten Straßenbahn in Münster in liebevoller Kleinarbeit restauriert.

Wer also einmal sehen will, wie die Straßenbahnwagen in Münster aussahen, der sollte sich auf den Weg ins Stadthaus 3 machen. An jedem ersten Mittwoch im Monat und nach Vereinbarung bietet der Verein zur Rettung der letzten Straßenbahn in Münster offene Führungen an, Ansprechpartner ist Dieter Remme unter 0251 32 45 40. Hans Rath ist ansprechbar für Gruppenführungen mit einem Abstecher zum Mühlenhof unter 0251 21 14 84.

2 Kommentare

  1. Straßenbahnen: Münsters Nahverkehr vor 70 Jahren | MyBahn
    9. August 2018

    […] Beitrag Blick zurück auf Straßenbahnen: So sah Münsters Nahverkehr vor 70 Jahren aus findet man im Blog der Stadtwerke […]

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  2. Thomas
    3. Februar 2018

    Schade, dass heute keine Straßenbahnen mehr in Münster fahren. Das wäre bestimmt besser für den Verkehr.

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