Blick zurück auf Straßenbahnen: So sah Münsters Nahverkehr vor 70 Jahren aus

Veröffentlicht von am 30.01.2018 (6 Kommentare)
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Die Elektrische am Verspoel

Vor 70 Jahren ratterten sie noch durch Münster: die Straßenbahnen. Neben den nach dem Zweiten Weltkrieg reaktivierten zwei Tramlinien waren allerdings auch schon einige Autobusse, wie man damals noch sagte, unterwegs. Mit gerade einmal acht Linien – zwei mit Straßenbahnen, sechs mit Bussen – war das Netz allerdings deutlich geringer ausgebaut als heute – was auch daran liegt, dass viele der heutigen Stadtteile noch eigenständig waren.

Erinnert sich noch jemand an die Zeit? Wir freuen uns auf Eure Geschichten in den Kommentaren! Weitere Artikel der Serie: Blick zurück auf O-Busse: So sah Münsters Nahverkehr vor 50 Jahren aus und Blick zurück auf Busse: So sah Münsters Nahverkehr vor 25 Jahren aus.

Von vier auf zwei Linien

Etwa 1930 fährt die Straßenbahn am Drubbel

Nahverkehr in Münster gab es ab 1888 – damals noch mit Pferde-Omnibussen. Die Nachfrage war überschaubar, die Kutschwagen wurden den Münsteraner Großstädtern nicht gerecht, so dass Alternativen nötig wurden. Schon drei Jahre später diskutierte der Rat über eine Straßenbahn – entweder mit Gas oder Strom betrieben. 1901 fuhr so die erste Straßenbahn als „Elektrische“ auf drei Linien:

Die Rote Linie fuhr vom Bahnhof über Servatiiplatz, Salzstraße (durch die berühmte heulende Kurve), Drubbel und Spiekerhof bis zur Steinfurter Straße, wo sie an der Schmalen Straße endete. Die Gelbe Linie startete an der Warendorfer Straße, sie fuhr über Servatiiplatz zum Prinzipalmarkt, Rothenburg und Ludgeristraße, von dort aus ging es über die Hammer Straße zum Alten Schützenhof. Die Grüne Linie führte vom Marienplatz über Verspoel, Windthorststraße und Bahnhofsstraße zum Albersloher Weg – allerdings nicht lange, da sie unwirtschaftlich war und bald in Teilen von der Roten Linie übernommen wurde. 

1909 übernahm die Stadt die Bahnen vom damaligen privaten Betreiber und brachten sie bei der städtischen Energieversorgung unter – der heutige Nachfolger dieser Gesellschaft heißt: Stadtwerke Münster. Das Netz wurde weiter ausgebaut: Die neue Blaue Linie führte vom Roggenmarkt über Neubrücken- und Kanalstraße, durch das Kreuzviertel zur Kreuzschanze und weiter bis Nordplatz. Mit etwas über 13 Kilometer Schienenstrecke erreichte das Netz 1931 seine größte Ausdehnung. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Netz und Wagen schwer beschädigt

Nachdem Münster – und damit auch die Straßenbahnstrecken – im Zweiten Weltkrieg allerdings zu großen Teilen zerstört wurden, wurden nur zwei alte Strecken reaktiviert:

Die Linie 1 fuhr zwischen Halle Münsterland, Hauptbahnhof, Servatiiplatz und Lambertikirche. Die früher weitergehende Strecke der roten Linie bis an die Steinfurter Straße entfiel. Die Linie 2 fuhr zwischen Danziger Freiheit, Warendorfer Straße, Hauptbahnhof, Ludgeriplatz und Altem Schützenhof, ähnlich wie früher die gelbe Linie.

Die Strecke von der Wolbecker Straße und vom Nordplatz in die Innenstadt wurden nicht wieder instand gesetzt, auch über den Prinzipalmarkt fuhren keine Straßenbahnen mehr.

Mit sechs Buslinien durch Münster, mit dem Zug nach Paris

Ein Bus wartet am Servatiiplatz auf Umsteiger aus der Straßenbahn

Neben den beiden Tramlinien waren noch sechs Stadtbuslinien unterwegs, davon zwei Ringlinien und je eine nach Gievenbeck (Linie 5c), Kinderhaus (Linie 6), Mecklenbeck und Stapelskotten (Linie 10), zum Kriegerweg (wie heute die Linie 7), nach Gremmendorf (Linie 8) und zum Waldfriedhof Lauheide (Linie 9), die teils halbstündlich, teils stündlich fuhren. Die Linien 7, 8 und 9 waren dabei an die Straßenbahn angebunden und fuhren von und zu deren Endhaltestellen am Schützenhof, an der Halle Münsterland und der Danziger Freiheit.

In die heutigen Außenstadtteile und darüber hinaus fuhren die Münster Land-Busse, zum Beispiel die Linie 1 nach Handorf oder die 4 nach Hiltrup. Weiter kam man mit der Linie 2 in zweieinviertel Stunden nach Bielefeld, mit der 10 nach Coesfeld oder der 3 nach Rothenfelde. Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war also ein durchaus respektables Angebot an Nahverkehrsleistungen im Münsterland verfügbar.

Der damalige Netzplan mit den Linienwegen der Busse

Das gilt auch für die Züge, die Münster schon damals mit Hamburg oder München verbunden haben, aber auch mit Paris, das über Köln in nur etwas über vier Stunden erreichbar war. Nicht ganz bis nach Frankreich, aber doch in der Region gab es zudem die Sonntagsrückfahrkarten. So sollten die an den Wochenenden damals schwach ausgelasteten Züge gefüllt werden. Im Umkreis von etwa 100 Kilometern, für Ziele von Albachten bis Willingen, wurde dadurch die Hin- und Rückfahrt an einem Wochenende rabattiert.

Die letzte Fahrt der Straßenbahn

Die Straßenbahn als Stromabnehmer für ausrückenden O-Bus

1954 wurde das Straßenbahnnetz schließlich stillgelegt, Grund dafür waren unter anderem Unterhöhlungen, die die Schienen auf der Warendorfer Straße haben absinken lassen. Stattdessen wurden neben den Autobussen auch Oberleitungsbusse (kurz O-Busse) eingeführt. Später sind dann auch die letzten Stromleitungen über der Straße verschwunden und der Verkehr wurde komplett auf Busse umgestellt.

Die Fahrzeuge wurden nach Osnabrück und Würzburg verkauft, wo sechs Wagen noch bis 1975 fahren. Übrigens: Auch wenn die letzte Fahrt der Straßenbahn am 25. November 1954 groß begangen wurde und die Wagen festlich geschmückt waren, fuhren auch danach noch Straßenbahnen durch Münster. Da zwischen Hauptbahnhof und Depot nur Fahrdrähte für die Straßenbahn existierten, wurden auch nach der letzten Fahrt noch O-Bus und Straßenbahn zusammengekoppelt. Der Strom wurde aus der Straßenbahn in den O-Bus geleitet, der dann seinen Beiwagen ins Depot geschleppt hat. Die ehemaligen Straßenbahn- und nun Kontaktwagen, extra dafür umgerüstet, waren als „Reinholer“ bekannt.

Die letzte Straßenbahn

Ein Wagen hat es außerdem wieder nach Münster geschafft. Im Foyer des Stadthauses 3 am Albersloher Weg steht seit 2013 Wagen 65. Er wurde 1954 nach Würzburg abgegeben und fuhr dort bis 1975. Nach einem Abstecher ins Deutsche Straßenbahnmuseum kam er 1993 zurück nach Münster und wurde von 2002 bis 2013 von den Mitgliedern des Vereins zur Rettung der letzten Straßenbahn in Münster in liebevoller Kleinarbeit restauriert.

Wer also einmal sehen will, wie die Straßenbahnwagen in Münster aussahen, der sollte sich auf den Weg ins Stadthaus 3 machen. An jedem ersten Mittwoch im Monat und nach Vereinbarung bietet der Verein zur Rettung der letzten Straßenbahn in Münster offene Führungen an, Ansprechpartner ist Dieter Remme unter 0251 32 45 40. Hans Rath ist ansprechbar für Gruppenführungen mit einem Abstecher zum Mühlenhof unter 0251 21 14 84.

6 Kommentare

  1. Avatar
    Folker Flasse
    14. Juli 2019

    Ich verfüge über ein Foto vom Rosenmontagszug von vor 1914. Darauf ist ein Straßenbahnwagen auf dem Servatii-Platz zu sehen, der aber mit den späteren Triebwagen nichts gemein hat und recht kurz ist, offene Bühnen, nur drei Fenster und Rollenstromabnehmer hat. Was waren das für Triebwagen? Gibt es noch weitere Fotos aus der Zeit?

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      15. Juli 2019

      Möglicherweise handelt es sich um den Typ, der auch auf diesem Foto zu sehen ist: https://www.presse-service.de/data.aspx/medien/66100P.jpg. Soweit ich weiß, wurden auch die ganz frühen Trieb- und Beiwagen bis zur Einstellung der Straßenbahn verwendet, wenn auch später mit geschlossenen Bühnen. Zu Beginn wurden tatsächlich Rollenstromabnehmer verwendet.

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      • Avatar
        Folker Flasse, Münster
        5. August 2019

        Danke für Info und Foto.
        Von der spanischen Modellbaufirma occre gibt es einen Bausatz der frühen Berliner Straßenbahn im Maßstab 1:32. Der Wagen sieht fast genau so aus wie die erste Straßenbahn in Münster, möglicherweise gleiche Bauart. Ich versuche, ihn zu bauen aber mit Farben Münsters und entsprechenden Schriftzügen/Zahlen/Wappen. Kennen Sie das Farbschema?

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        • Florian Adler
          Florian Adler
          7. August 2019

          Leider kenne ich das Farbschema der ersten Straßenbahnen nicht. Das beige wie bei der Straßenbahn im Stadthaus 3 kam erst später. Laut Wikipedia allerdings „war der Wagenpark olivgrün mit abgesetzten Zierlinien und einem großen Stadtwappen auf den Seitenwänden lackiert.“ Die Triebwagen hatten die Nummern 1 bis 25.

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  2. Straßenbahnen: Münsters Nahverkehr vor 70 Jahren | MyBahn
    9. August 2018

    […] Beitrag Blick zurück auf Straßenbahnen: So sah Münsters Nahverkehr vor 70 Jahren aus findet man im Blog der Stadtwerke […]

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  3. Avatar
    Thomas
    3. Februar 2018

    Schade, dass heute keine Straßenbahnen mehr in Münster fahren. Das wäre bestimmt besser für den Verkehr.

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