Hinter den Kulissen: So funktioniert LOOPmünster

Veröffentlicht von am 10.12.2020 (Ein Kommentar)
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Seit September fährt LOOPmünster durch den Süden der Stadt

Zwischen Mecklenbeck, Hiltrup, Amelsbüren, Berg Fidel und der Loddenheide sieht man die LOOP-Kleinbusse tagtäglich hin- und herflitzen. Seit September sind die kleinen Busse auf Bestellung unterwegs und werden sensationell angenommen. Über 500 Fahrgäste nutzen sie jeden Tag, auf jeder zweiten Fahrt wird schon gepoolt.

Drei Jahre lang läuft das Pilotprojekt, in der Zeit wird LOOPmünster natürlich auch weiterentwickelt werden und sich in Teilen ändern. 

Wie ein System wie LOOPmünster eigentlich funktioniert, was dafür alles im Hintergrund passieren muss und welche Partner dafür unter anderem nötig sind, lest ihr hier. 

Neuer ÖPNV für Münsters Süden

Der Sinn von LOOP: Verschiedene Fahrten zusammenlegen

LOOPmünster bietet auf 40 km2 im Süden der Stadt viele neue Fahrtmöglichkeiten, die es mit den starren Linienverläufen vorher nicht gab und nimmt trotzdem verschiedene Fahrgäste in einem Fahrzeug mit. Das ist das so genannte Pooling. Wenn mein LOOP-Kleinbus mich also an der P+R-Station Weseler Straße in Mecklenbeck abholt, fährt er vielleicht nicht direkt zu meinem Ziel in Hiltrup-Ost, sondern erst noch am Herz-Jesu-Krankenhaus vorbei, um dort jemanden mitzunehmen, der auch in meine Richtung möchte. Dafür sind zwar häufig kleine Umwege nötig, aber in Summe spart das Pooling viele einzelne Autofahrten ein, macht die Straßen damit leerer – und bringt so die Verkehrswende voran. Mein Vorteil: Ich muss von Mecklenbeck aus nicht erst Richtung Innenstadt fahren, um dort in einen Bus nach Hiltrup umzusteigen. 

Ohne dieses Pooling wäre LOOPmünster also nichts besonderes, für jede Fahrt wäre ein Auto im Einsatz. Je mehr Fahrten (in die gleiche Richtung) es gibt, desto mehr kann natürlich auch gebündelt werden. Daher freuen wir uns so sehr, dass das System so gut genutzt wird. Über den ganzen Tag gerechnet werden bereits bei etwa jeder zweiten Fahrt verschiedene Fahrgäste zusammen gefahren. In den Hauptverkehrszeiten, wenn mehr los ist und jedes Auto weniger auf der Straße etwas weniger Stau bedeutet, ist diese Quote sogar noch höher.

Drei Jahre lang probieren wir in Münsters Süden aus, wie sich Pooling und Nahverkehr auf Bestellung auswirkt auf das Mobilitätsverhalten der Menschen und welchen Effekt es für die Verkehrswende bringt. Die Forschungsgruppe Verkehrswesen der Fachhochschule Münster wird das wissenschaftlich aufbereiten. Diese Auswertungen sind wichtig, um zum Ende der Pilotphase zu überlegen, wie es mit LOOP in Münster weitergeht.   

Software, Auto, Genehmigungen und mehr

Bis LOOP starten konnte, gab es im Projektteam jede Menge zu tun

Damit aber alles so läuft, wie wir und unsere Fahrgäste sich das vorstellen, passiert viel im Hintergrund. Daher ging es in den Monaten vor der LOOP-Einführung hoch her bei uns an der Rösnerstraße, wo nicht nur unser Betriebshof mit den großen Wagenhallen und der Werkstatt ist, sondern auch Leitstelle und das LOOP-Projektteam sitzen. Immerhin mussten unter anderem passende Fahrzeuge gefunden und ausgewählt werden, Software angepasst und jede Menge Personal geschult werden. Natürlich geht ein Projekt wie LOOPmünster auch nicht ohne Genehmigungen und Finanzierung an den Start. Und das alles innerhalb weniger Monate, denn grünes Licht für die Umsetzung gab es erst im Mai 2020. Dass das nicht ohne jede Menge leistungsstarke Partner geht, ist wohl klar. 

Software

So fährt LOOP: Mehrere Fahrgäste werden von der Software so zusammengesetzt, dass weniger Fahrten notwendig sind.

Wer LOOPmünster schon einmal genutzt hat, kennt natürlich die App, mit der die Fahrzeuge bestellt werden. Einfach zu bedienen sollte sie sein, das ist klar. Schließlich sollen Menschen aller Altersklassen den Dienst benutzen können, nicht nur Digital Natives. Deutlich komplizierter hingegen ist zwangsläufig das Hintergrundsystem, das (wie die App auch) unser Partner door2door entwickelt hat. In Echtzeit verfolgt das System alle LOOPs, kennt also ihre aktuellen Standorte und Aufträge. Kommt eine neue Bestellung, muss das System den passenden Kleinbus finden und ihm die neue Fahrt zuweisen. Dabei besteht die Bestellung immer aus mindestens vier Kriterien: Start- und Zielpunkt, Abfahrtszeit sowie Anzahl der Fahrgäste. Um die Fahrt poolen zu können, muss also nicht nur die Fahrtrichtung ungefähr gleich sein, sondern auch noch genug Platz im Fahrzeug sein. Hinzu kommt noch die gewünschte Abfahrtszeit. Möchte ich erst in 30 Minuten starten, hilft der LOOP, der jetzt an meinem Startpunkt vorbeifährt, leider nichts. All das läuft zum Glück vollautomatisch ab, Menschen müssen dort im Normalfall gar nicht eingreifen. Bei bis zu zehn LOOPs, die gleichzeitig unterwegs sind, ergeben sich nämlich zig verschiedene Möglichkeiten, die Fahrten zu disponieren. Gut, dass das eine Software übernimmt. 

Hinter dem Steuer allerdings greifen noch Menschen ins Lenkrad, das funktioniert zusammen mit unserem Partner sei mobil. Für die Fahrerinnen und Fahrer gibt es eine spezielle Version der App, die immer den nächsten Auftrag sowie als Navigationsgerät auch den von System gewünschten Fahrtweg anzeigt. Der weicht manchmal zwar von der schnellsten Route ab, aber das ist – siehe Pooling – eben die Besonderheit des Systems. 

Solche Aufträge vergeben wir übrigens nicht einfach ein einen Partner. In der Regel sind wir verpflichtet, sie auszuschreiben, und zwar europaweit. Jedes interessierte Unternehmen kann sich dann auf die Ausschreibung bewerben. Welches an Ende den Zuschlag bekommt, entscheidet die Qualität des Angebots. Hier haben wir eine solche Ausschreibung am Beispiel des Busbeschaffung genauer erklärt. 

Fahrzeug

LOOP fällt auf

Das LOOP-Auto ist ziemlich cool – das sagt eigentlich jeder, der es mal gesehen hat und nach einer Fahrt sind auch die letzten überzeugt. Hersteller und Modell sind dabei in Deutschland recht unbekannt. LEVC TX hatte vorher wohl kaum jemand gehört. Klarer wird’s, wenn man die Abkürzung aufdröselt: sie steht für „London Electric Vehicle Company“ und „Taxi“. Und genau daher kennt man das Fahrzeug auch: Es ist das kultige London-Taxi, das auch in Englands Hauptstadt ja inzwischen als Elektromobil unterwegs ist. Nicht nur die Form erinnert London-Touristen an den letzten Urlaub, auch im Inneren finden sich Reminiszenzen, zum Beispiel die Anzeige „The Number Of This Cab Is 224“. Das Lenkrad aber, darauf haben wir geachtet, befindet sich bei allen Fahrzeugen links… 

Per Klapprampe kommt (fast) jeder in den LOOP

Der LEVC sieht aber nicht nur cool aus, sondern eignet sich auch richtig gut für Systeme wie LOOPmünster. Mit sechs Sitzplätzen (in Corona-Zeiten auf vier reduziert) ist es geräumig, bietet auch Platz für Gepäck und ist barrierearm. Denn per Klapprampe kommen sogar Rollstühle ins Fahrzeug. Aus der Rampe lässt sich außerdem eine kleine Treppe formen, über die ein Sitz geschwenkt werden kann, so dass das Einsteigen einfach ist. Lediglich für große E-Rollstühle oder E-Scooter ist nicht genug Platz im LEVC. Dass die Autos elektrisch mit Ökostrom unterwegs sind, versteht sich dabei von selbst. Den grünen Strom tanken sie an derzeit drei Ladesäulen im LOOP-Gebiet. Falls der Strom mal ausgeht, haben sie übrigens auch noch einen Benzinmotor an Bord. Der kann dann die Batterien wieder aufladen, angetrieben wird das Auto dann weiter elektrisch.  

Im engen Zeitplan nicht ganz unwesentlich: Der LEVC TX war auch kurzfristig verfügbar und konnte zum LOOP-Start im September in Münster sein. Bei den teils langen Lieferzeiten von Elektroautos zeichnete sich hier zu Beginn ein echter Flaschenhals ab. Am Ende waren die Fahrzeuge so zeitig geliefert, dass sogar die schicke Beklebung mit dem Stadtplan von Münsters Süden noch auf allen Fahrzeugen rechtzeitig fertig wurde. Entworfen hat das Design übrigens Team Wandres, die im Flechtheimspeicher sitzen, foliert hat Licht + Werbetechnik Brück und die Fahrzeuge sind vom Autohaus Markötter geleast. Noch mehr Partner, ohne die LOOP nicht so aussähe, wie es das heute tut.

Genehmigung und Finanzierung

Im Nahverkehr gibt es Aufgabenträger – die Stadt Münster – und die Mobilitätsunternehmen, das sind wir. Die Stadt beauftragt uns also damit, den Nahverkehr in Münster zu betreiben. Auch LOOP wäre also ohne die Stadt Münster und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Amt für Mobilität und Tiefbau nicht möglich. Gemeinsam haben wir Anträge geschrieben, über Haltestellenkarten gebrütet und die Finanzierung gesichert.

Und dann sind natürlich noch Regeln und Gesetze zu befolgen – konkret das PBefG, also das Personenbeförderungsgesetz. Nach diesem muss jeglicher Linienverkehr genehmigt werden. Das gilt auch für LOOP, denn die Autos fahren ja nur von Haltestelle zu Haltestelle. Entsprechend haben wir eine Genehmigung nach § 42 des PBefG beantragt und von der Bezirksregierung erhalten, der genau das regelt: Linienverkehr. Darüberhinaus musste aber auch jede der über 450 virtuellen Haltestellen, die LOOP an den Straßenecken anfährt, genehmigt werden – samt Bezeichnung und genauen Koordinaten, denn ein Haltestellenschild gibt es dafür ja nicht. Viel Arbeit also – sowohl für uns als auch die Bezirksregierung und das Ordnungsamt, denn ohne Haltestellen kein LOOP. Auch hier haben aber alle super mitgezogen, so dass wir rechtskonform unterwegs sein können.  Das gilt auch für die Ladesäulen, die nicht nur LOOP, sondern auch jede E-Mobilist nutzen kann. Auch hier musste das Ordnungsamt die Standorte freigeben und die Stadtnetze Münster für Strom an der Säule sorgen.

Und – wie immer im Leben – geht es ums Geld. Auch wenn das hier im Blog-Artikel als letztes Beispiel kommt: In der wirklichen Welt war es die Finanzierung, die erst einmal sichergestellt sein musste, bevor wir wirklich loslegen konnten. Rund acht Millionen Euro kostet der Betrieb für die dreijährige Pilotphase. Das wäre ohne Partner nicht zu stemmen gewesen: Der von der Stadt Münster eingereichte Förderantrag wurde im Landeswettbewerb „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ ausgezeichnet, die Stadt Münster erhält für LOOP eine Förderung von fünf Millionen Euro vom NRW-Verkehrsministerium, die weiteren drei Millionen Euro steuert die Stadt selbst bei.

1 Kommentar

  1. Alltagsnotizen: Bausätze, Loop und Handball - cdv!
    11. Dezember 2020

    […] interessiert verfolge ich seit einigen Monaten ein ÖPNV-Projekt in Münster: Loop. Eine gute Projektbeschreibung könnt ihr hier lesen. Mit Hilfe einer App können sich Fahrgäste einen dieser elektrischen Cabs (derzeit nur vier […]

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