Blick zurück auf Busse: So sah Münsters Nahverkehr vor 25 Jahren aus

Veröffentlicht von am 04.12.2017 (8 Kommentare)
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Der Prinzipalmarkt war ein zentraler Umstiegspunkt

Als schönster Busbahnhof Deutschlands wurde der Prinzipalmarkt vor 25 Jahren häufig bezeichnet. Denn dort war ein zentraler Knotenpunkt für die Busse. Am Bült hingegen war deutlich weniger los als heute. Auch nachts fahren kaum Busse auf den Straßen, stattdessen waren Anruf-Sammel-Taxis unterwegs. Und nur die älteren unter Euch werden auf Anhieb verstehen, warum es nur donnerstagabends auf vielen Linien zusätzliche Fahrten gab.

Erinnert sich noch jemand an die Zeit? Wir freuen uns auf Eure Geschichten in den Kommentaren!

Zum Umsteigen auf den Prinzipalmarkt

Auch am Hauptbahnhof fuhren viele Linien ab

Neben dem Hauptbahnhof, der auch 1992 der zentrale Punkt im Liniennetz war, den fast alle Linien angefahren haben, war der Prinzipalmarkt mit 14 Stadt- und weiteren Regionallinien ein bedeutender Umstiegspunkt, von dem aus alle Stadtteile zu erreichen waren. Nicht umsonst galt Münsters gute Stube damals auch als der schönste Busbahnhof Deutschlands. Heute fahren nur noch zwei Linien zwischen den Giebelhäusern her, die meisten Busse biegen vorher Richtung Domplatz ab.

1992 führte der Haupt-Linienweg vom Prinzipalmarkt über den Alten Steinweg (mit einer Haltestelle direkt vor der Stadtbücherei) und vorbei am Kiffe-Pavillon in Richtung Eisenbahnstraße und Hauptbahnhof. Am Domplatz war dafür deutlich weniger los. Schluss damit war 2001, als die Stadt entschied, nicht mehr so viele Busse über den Prinzipalmarkt fahren zu lassen. Stattdessen wurden am Bült und am Domplatz die zentralen Innenstadt-Haltestellen geschaffen.

Länger am Donnerstag, Nachts per Sammeltaxi

Netzplan 1993 und Nacht-AST-Preise

Auf einigen Linien gab es um kurz nach 20 Uhr eine Zusatzfahrt – aber nur am Donnerstag! Was am Donnerstag so besonders war? Ganz einfach: Der „Lange Donnerstag“. Während die Geschäfte gesetzlich vorgeschrieben an den anderen Wochentagen schon um 18:30 Uhr schließen mussten (und am Samstag um 14:30 Uhr), durfte am Donnerstag bis 20:30 eingekauft werden. Erst 1996 wurde die erlaubte Öffnungszeit montags bis freitags bis 20 Uhr verlängert.

Ein umfangreiches Nachtbus-System und am Wochenende durchgehend eine Busverbindung in die Stadtteile? Das gab es 1992 noch nicht. Bis etwa um Mitternacht fuhren die normalen Linien im Stundentakt. Stattdessen waren ab 1993 sogenannte Nacht-AST unterwegs – kurz für das „Anruf-Sammel-Taxi“. Wollte man also nach Mitternacht noch nach Hause, konnte man in den Wochenend-Nächten ein Sammeltaxi rufen, das bis 3 Uhr aus der Innenstadt in die Stadtteile fuhr (aber nicht umgekehrt!). Dafür wurde dann noch ein Aufpreis fällig, so dass die Fahrt 5 DM kostete, dafür aber auch bis vor die Haustür ging.

Die Klink-Linie K

Eine weitere Besonderheit waren neue Kleinbuslinien, die ab 1993 zum Beispiel als Linie K auf dem Gelände der Uniklinik, G nach Gelmer oder Z zum Zentrum Nord.

Übrigens: Die Nachtbusse, die wie heute bekannt ohne Voranmeldung und Aufpreis in die Stadtteile und auch zurück fahren, gibt es seit 2001, damals noch mit den Linien N81 – N88. Lediglich auf die durchgehenden Fahrten am Wochenende mussten Münsters Nachtschwärmer noch einige Jahre länger warten. Eine Frage hören wir gar nicht so selten: „Tagsüber sind die Linien von 1 aufsteigend benannt. Warum heißen die Nachtbuslinien N8irgendwas?“ Die Antwort ist ganz einfach: Etwas anders betont heißt die N81 dann N-acht Eins. Zugegeben, seit die N80 dazugekommen ist, funktioniert das nicht mehr ganz so gut. Nachtzig klingt einfach komisch…

Der Lack kam ab – und wieder drauf

Bei der Vorstellung der neuen Busse 1992 stehen orange und blau nebeneinander

Auf den Fotos sieht man es schon: Während die (O-)Busse vor 50 Jahren noch beige lackiert waren, herrschte vor 25 Jahren orange. Ende 1991 haben wir die Unternehmens-Farben gewechselt und unsere Busse folglich blau lackiert. Mehr über die Geschichte der Buslackierung lest Ihr hier.

 

8 Kommentare

  1. Jan
    7. Dezember 2017

    Wenn ich die Bilder so sehe, erinnere ich mich wehmütig an den Erdgas-Bus oder den Coca-Cola Setra. Wird mal wieder Zeit für eine etwas aufwändigere Gestaltung 😀

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  2. Phil Siebers
    6. Dezember 2017

    Hallo,
    Ist es langfristig geplant die Nachtbusse weiterzuverdichten?
    Der Sprung vom 10 min Takt auf den 30 min. Takt ab ca. 20:45 täglich ist schon etwas hinderlich in einer großen Stadt wie Münster. Ich denke eine langsamere Senkung des Takts vll. Erst auf 15 oder 20 min wäre attraktiver.
    Man sieht an dem Artikel, dass es heute schon wesentlich besser ist als früher. Aber ich sehe hier noch potenzial nach oben. VG Phil

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      6. Dezember 2017

      Hallo Phil,

      wir arbeiten derzeit an einem 60- statt 70-Minuten-Takt nach Mitternacht. Für die früheren Fahrten habe ich zumindest noch von keinen Plänen gehört. Wir schauen da natürlich auch immer auf die Fahrgastnachfrage, wie bei der Verdichtung der N85, die am Wochenende ja auch häufiger fährt.

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      • Phil Siebers
        6. Dezember 2017

        Hallo Florian,
        Ein 60 min. Takt ist schon praktisch. Der 15 min. Takt der N85 ist auch toll. Wäre super wenn das auch auf weitere Linien z.B. N82 ausgeweitet werden würde.
        Worauf ich hinaus wollte war insbesondere der Fall wenn man Abends mit dem Zug unterwegs ist. Beispielsweise hat gelegentlich der RE2 der planmäßig um 20:50 am Hbf ist, 15-20min Verspätung. Das ist dann immer ein großes Lotto mit den Bussen. Und wenns nicht klappt muss man bis zu 30min warten. Das Problem gibt es Dank des Dichten Takts eine Stunde früher nicht. Alternativ wäre es natürlich Klasse wenn man die Anschlussgarantie auf Regionalzüge ausweiten könnte.

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  3. Brück Helmut
    4. Dezember 2017

    Wenn man bei der Anschaffung der neuen Busse , zwei weniger
    gekauft hätte, U. dafür die anderen Busse in Deutschland
    produziert hätte, dann hätte es bei uns Arbeitsplätze geschaffen,
    alle was in Ausland produziert wird, Schaft in Deutschland keine
    Arbeitsplätze.
    Gruß Helmut Brück

    Antworten
    • Florian Adler
      Florian Adler
      4. Dezember 2017

      Hallo Helmut Brück,

      wir können uns den Hersteller neuer Busse nicht einfach aussuchen, sondern müssen den Auftrag europaweit ausschreiben, das Angebot mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis bekommt dann den Zuschlag. Es geht also nicht nur um den Preis, auch Qualität und Betriebskosten spielen eine Rolle. Trotzdem ist es aber so, dass der Großteil unserer Flotte aus Bussen von den deutschen Herstellern Mercedes oder MAN besteht. Von Solaris (Polen) und VDL (Niederlande) haben wir nur wenige Busse.

      Viele Grüße!

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      • Holger Müller
        5. Dezember 2017

        Hallo,

        wenn ich mir den Netzplan von 1993 anschaue, musste ich feststellen, dass damals noch keine Linie 16 vorhanden war. Wann und warum wurde die Linie 16 eingeführt? Gibt es noch mehr Fotos von anderen Netzplänen?

        Weiter so, ich finde es sehr interessant.

        Viele Grüße
        Holger M.

        Antworten
        • Florian Adler
          Florian Adler
          6. Dezember 2017

          Hallo Holger,

          die Linie 15 wurde 1994 in die Linien 15 und 16 aufgeteilt. Bis dahin war sie wie in dem Netzplan im Artikel unterwegs, ab 1994 dann zwischen Albachten und Dreifaltigkeitskirche. Die neue 16 fuhr zwischen Mecklenbeck und Gelmer größtenteils den gleichen Linienweg. Das hat den Fahrplan der 15 vereinfacht, der vorher mal am Prinzipalmarkt endete, mal (als Linie 161) bis Ibbenbüren lief. Die 15 war auf Teilabschnitten alle 10 Minuten unterwegs, mit der neuen 16 gab es dann die bis heute bestehende Überlagerung von 15 und 16 zum 10-Minuten-Takt.

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