Hafen-Geschichte: Die Anfänge des Stadthafens

Veröffentlicht von am 15.10.2018 (2 Kommentare)
Schlagworte: ,

Um 1900 sah der Hafen noch so aus

Seit 1898 hat Münster einen Hafen. Heute erinnert nur noch wenig daran, dass Dampfkähne über den Kanal Kolonialwaren, Holz oder andere Baustoffe an die Kaimauer geliefert haben, diese in Speichergebäuden an der Hafenkante gelagert und dann per Zug weitertransportiert wurden.

Umso mehr lohnt sich, noch einmal einen Blick auf die historischen Bilder von Münsters Hafen zu werfen. Die Geschichte des Hafens erzählen wir in zwei Teilen. Alles über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg findet sich im ersten Artikel: Als der Hafen noch Industriegebiet war

Die Ursprünge

Zur Eröffnung des Hafens gab es ein großes Fest

Schon einmal gab es den Versuch, Münster per Kanal mit der Nordsee zu verbinden. Der Max-Klemens-Kanal, der noch heute in mehreren Haltestellennamen vorkommt, hatte jedoch im 18. Jahrhundert keinen anhaltenden Erfolg.  Erst um 1892 wurde der nächste Versuch gestartet: der Dortmund-Ems-Kanal ging in Bau. Nur einige Jahre später wurde das Bauwerk eröffnet – und mit ihm 1898 auch der Stadthafen Münster. Am 15. und 16. Oktober 1899 wurde der Hafen feierlich eröffnet (dass der Hafen eigentlich schon ein Jahr früher fertig und in Betrieb genommen wurde, hat man den Ehrengästen vermutlich wohlweislich verschwiegen).

Aus der gleichen Zeit stammt übrigens auch das Hansaviertel, das früher Hafen-Neustadt hieß. Die Straßennamen wie Lingener, Dortmunder, Emdener oder Leerer Straße weisen bis heute auf die Verbindung zum Kanal hin. 

Viel los im Hafenbecken. Links ist die Hafendirektion (mit Türmchen), städtische Lagerhallen, und das Lager der Central-Genossenschaft (hohes Gebäude) zu erkennen. Rechts steht der Flechtheimspeicher.

740 Meter lang, 58 Meter mittlere Breite, 36.000 Quadratmeter: 19 große Kanalschiffe sollten in Münster großem Hafen Platz finden. Ein kleineres Hafenbecken entstand 1901 nur wenige Meter entfernt, privat von der Spedition Peters errichtet: der Petershafen, heute eher bekannt als Stadthafen II, war zu Beginn echte Konkurrenz für den Hafen. 1913 wurde er von der Stadt übernommen. 

Der Hafen im Jahr 1916, rechts der Flechtheimspeicher

Gut angenommen von den Binnenschiffern wurde der Hafen schnell. Der Umschlag wuchs von 38.000 Tonnen im Jahr 1899 auf 235.000 Tonnen im Jahr 1911. Neben Holz und Kolonialwaren (das sind Waren aus Übersee, wie Zucker, Kakao oder Gewürze) war Getreide mit 70 Prozent das meistgehandelte Gut – hauptsächlich als Futter für die Viehzucht. Der Hafen war auch Anziehungspunkt für viele Firmen, die sich dort verkehrsgünstig niederließen. Neben den Firmen stand am Hafen auch das damalige Kraftwerk, ein Gaswerk mit dem ersten Gasometer und die Wagenhalle für die Straßenbahn

Ein Gebäude aus dieser Zeit steht noch heute am Hafen: der Flechtheimspeicher (hier gibt es alte Bilder aus dem Speicher vor dem Umbau), der ebenfalls 1899 errichtet wurde. Übrigens: nur der flachere, entlang des Hafens gebaute Teil ist der ursprüngliche Flechtheimspeicher. Der höhere, im rechten Winkel dazu gebaute Rhenusspeicher ist mehr als 30 Jahre älter. Heute bilden die beiden Gebäude aber ein Ensemble. 

Der Erste Weltkrieg

Dampfschiffe löschen ihre Ladung am Südufer

Nachdem insbesondere der Getreidetransport über den Dortmund-Ems-Kanal während der Kriegsjahre weitgehend zum Erliegen gekommen war, ging auch der Umschlag im Hafens zurück. Nach Kriegsende stieg er schnell wieder an, unter anderem wurde Getreide angeliefert und in der Kiesekampschen Mühle gemahlen. Die Mühle stand dort, wo heute das Cineplex beheimatet ist, und war über eine Transportbrücke direkt mit dem Hafenbecken verbunden – der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an die graue Brücke, die über dem Albersloher Weg verlief. 

Nach dem Krieg wurde das Ruhrgebiet ab 1923 besetzt. Davon profitierte der Hafen in Münster, da die Schiffe bereits hier entladen wurden und ihre Ladung per Eisenbahn ins Ruhrgebiet transportiert wurde. 375.000 Tonnen wurden 1923 umgeschlagen, hauptsächlich Getreide und Baustoffe.

Die beiden Ausflugsschiffe 1930 im Hafen

Nicht nur als Arbeitsplatz, 2.000 Menschen arbeiten in den Betrieben am Hafen, auch für die Freizeit hatte der Hafen etwas zu bieten: Ab 1926 hat die Stadt die beiden Ausflugsschiffe „Münsterland“ und „Undine“ im Hafen stationiert, quasi Vorgänger der heutigen MS Günther. Hättet ihr es gewusst: Die MS Günther ist sogar älter als die beiden Ausflugsschiffe, sie wurde nämlich schon 1910 auf Stapel gelegt.

Im Sommer fuhren die beiden Schiffe regelmäßig nach Greven, Schmedehausen, Hiltrup, Amelsbüren und Senden – mit bis zu 18.000 Passagiere pro Jahr an Bord. Die Begeisterung hielt aber – anders als bei der heutigen MS Günther – nur kurz, 1935 hatte sich das Interesse bereits halbiert.

In den folgenden Jahren begann die Aufrüstung Deutschlands im so genannten Dritten Reich. Auch auf den Hafen von Münster hatte das Einfluss. Denn gerade Baustoffe waren nun gefragt, um Kasernen, Kommandobauten und Versorgungseinrichtungen zu bauen. Ab 1933 wuchs so der Umschlag auf über eine halbe Million Tonnen im Jahr. 

Der Zweite Weltkrieg

1945 lag der Hafen trocken

Während der ersten Jahre des Krieges blieb der Umschlag hoch. Ab 1940 begannen die Alliierten jedoch mit Bombenangriffen auf das Hafengebiet. Trotzdem wurden 1944 noch 250.000 Tonnen Waren umgeschlagen. Möglich war das wohl nur, weil im Hafen auch Kriegsgefangene eingesetzt wurden. Bis 1945 wurde der Hafen schwer beschädigt, die Kräne und Lager zerstört. Zu Kriegsende war das Hafenbecken nur noch eine matschige Trümmerlandschaft: Schiffswracks, zerstörte Kräne, Güterwaggons und Schienen lagen in den letzten Wasserresten. Ob der Kanal sein Wasser aufgrund von Kriegsschäden verloren hat oder ob es bewusst abgelassen wurde, um nach Blindgängern zu suchen, ist übrigens heute nicht mehr klar. 

Bereits 1946 wurde der Hafen wieder in Betrieb genommen, am 2. März legte das erste Schiff an. Der Güterumschlag legte schnell wieder zu, bereits um 1950 wurden 500.000 Tonnen Güter geliefert. Erst 1953 haben wir als Stadtwerke dann die Hafenverwaltung übertragen bekommen.

Über die Hafenentwicklung in den folgenden Jahrzehnten steht mehr im zweiten Teil: Als der Hafen noch Industriegebiet war.

 

2 Kommentare

  1. Anonymous
    3. Dezember 2018

    Ein paar Wochen zuvor war dem Autor offensichtlich noch klar, warum der Kanal im Zweiten Weltkrieg leergelaufen war: „Durch Bombentreffer war der Dortmund-Ems-Kanal buchstäblich ausgelaufen.“
    Zu lesen in einem anderen Blog-Artikel: https://www.stadtwerke-muenster.de/blog/stadtwerke/frueher-und-heute-im-flechtheimspeicher/

    Was denn nun? Lässt der Autor seine Artikel von Praktikanten schreiben oder weiß er nach zwei Monaten schon nicht mehr, was geschrieben wurde?
    Erst denken, dann schreiben!

    Antworten
    • Florian Adler
      Florian Adler
      6. Dezember 2018

      Lieber Anonymous,

      danke für den Hinweis. Vor drei Jahren (!) und zwei Monaten, als ich den Artikel über den Flechtheimspeicher geschrieben habe, hatte ich wohl eine andere Quelle für die Aussage. Es gibt tatsächlich beide Begrünungen, welche richtig ist, ist heute wohl nicht mehr nachzuvollziehen. Ich habe das aber natürlich ergänzt.

      Antworten

Einen Kommentar schreiben