So sah der Gasometer aus

Veröffentlicht von am 15.05.2018 (7 Kommentare)
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So kennt man das Gasometer am Albersloher Weg

Wer die Umgehungsstraße entlangfährt, der kennt auch das orangefarbene Gerippe, das sich am Albersloher Weg in der Nähe des Hafens in den Himmel streckt. Viele Münsteraner wissen mit dem merkwürdigen Gebäude, das Gasometer genannt wird, aber gar nichts mehr anzufangen. Irgendwas mit Erdgas, das ist manchen noch bekannt.

Wie sah es dort also früher aus und welche Funktion hatte der kreisrunde Bau?

Geschichte des Gasometers

In diesem Luftbild ist der Gasometer gefüllt

Das Stahlgerippe wurde 1952 errichtet und ersetzte zwei ältere und kleinere Gasometer, die auf dem Gelände der heutigen Halle Münsterland stehen und von denen nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch ein Behälter mit einem Fassungsvermögen von 15.000 Kubikmeter Erdgas einsatzfähig war. In das neue Gasometer passten hingegen 75.000 Kubikmeter. 

Der Gasometer am Albersloher Weg ist ein regelmäßiges 20-Eck, 54 Meter im Durchmesser und 51,5 hoch. Das Wasserbecken, dessen Funktion wir im nächsten Abschnitt erklären, ist 12 Meter hoch. Über 50 Jahre wurde dort Erdgas eingespeichert, das bei hohem Verbrauch dann an die Kunden abgegeben wurde.  

2005 wurde der Gasometer abgelöst von einem unterirdischen Gasröhrenspeicher. An der Weseler Straße vor Albachten liegen seitdem sieben 225 Meter lange Röhren unter der Erde. Mit 260.000 Kubikmetern fasst der neue Speicher rund dreieinhalb Mal so viel Erdgas. Seit 2003 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

So funktionierte der Gasometer

Gasometer in Betrieb, geringer Füllstand

Ein dreihübiger Teleskopgasbehälter, nicht ummantelt: so beschreibt ein Fachmann den Gasometer. Das Besondere an der Konstruktion war, dass man durch das Stahlgerippe hindurch den Behälter, auch Glocke genannt, mit dem Gas sehen konnte. Je nach Füllstand fuhr der Behälter sich entlang der horizontalen Streben in drei Stufen nach oben aus, eben wie ein Teleskop. 

So war klar zu sehen, wie viel Gas derzeit (ungefähr) gespeichert war. War der schwarze Behälter ganz ausgefahren, war viel Gas gespeichert, war er nur knapp über dem blauen Sockel, war wenig Gas drin. Der genaue Füllstand lies sich außerdem an der Gasuhr ablesen, die heute noch immer vorhanden ist, aber auf 0 steht

Die Gasuhr von Münster

Der blaue Sockel hatte ebenfalls eine wichtige Funktion. Entsprechend seiner Farbe war er mit Wasser gefüllt, das den Gasbehälter nach unten hin abgedichtet hat. Der Behälter tauchte am Rand in das Wasser ein, schwamm aber ansonsten ähnlich wie ein umgestülptes Glas auf dem Wasser.

Der Raum zwischen Wasseroberfläche und Glocke konnte über eine Gasleitung mit Erdgas gefüllt und bei Bedarf wieder ins Gasnetz entleert werden. Weil das Wasser für die Konstruktion unerlässlich war, heißt dieser spezielle Typ von Gasometer übrigens auch Nassgasbehälter. Der wohl bekannteste Gasometer in Oberhausen hingegen war ein Trockengasbehälter, der zur Abdichtung kein Wasser benötigte. 

7 Kommentare

  1. Frank
    24. Mai 2018

    Ich kenne den Gasometer auch aus Kindheitstagen und habe mich immer gefragt, welcher Druck wohl im Innern der Glocke herrschen muss, um diese anzuheben. Reichte dieser Druck aus, um den Überdruck in den Versorgungsleitungen herzustellen oder musste das Gas zum Transport weiter komprimiert oder gar dekomprimiert werden?

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  2. Klaus Benker
    16. Mai 2018

    In Coesfeld an der Dülmener Strasse gab es auch einen solchen Gasspeicher. Dort soll Stadtgas drin gewesen sein. Ist das etwas anderes als Erdgas ?

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      16. Mai 2018

      Stadtgas gab es in Münster früher auch. Es wurde schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts – in Münster aber erst ab ca. 1850 – vor Ort in Gaswerken (meist aus Kohle) hergestellt und zuerst nur für Straßenbeleuchtung, später aber auch in privaten Haushalten genutzt. Erst ab ca. 1970 kam dann Erdgas auf, das Stadtgas inzwischen komplett abgelöst hat.

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    • Udo Junge
      16. Mai 2018

      Auch in Münster bestand die erste Füllung des Gasometers aus Stadtgas. Stadtgas ist Produkt der Kohlevergasung mit einer typischen Zusammensetzung von circa:
      Wasserstoff H2 (51 %)
      Methan CH4 (21 %)
      Stickstoff N2 (15 %)
      Kohlenstoffmonoxid CO (9 %)
      Weitere Bestandteile können in geringen Mengen sein:
      Sauererstoff O2 (< 1 %)
      Wasserdampf H2O (< 1 %)
      Kohlenstoffdioxid CO2 (< 0,1 %)
      Alkane/Kohlenwasserstoffe CmHn (< 1 %)
      Dem Stadtgas wurde häufig aus Sicherheitsgründen nach Knoblauch riechendes Diphosphan zugesetzt. Ich meine – Kindheitserinnerung – auch in Münster war das so.
      Der Methananteil wurde durch Beimischung von Erdgas in mehreren Schritten im Laufe der 60er Jahre bis zur endgültigen Umstellung auf reines Erdgas gesteigert. Natürlich ist auch Erdgas ein Gasgemisch. H-Erdgas aus der Nordsee besteht aus circa:
      Methan CH4 (89 %)
      Alkane/Kohlenwasserstoffe CmHn – Ethan, Propan, Butan, Pentan – (8 %)
      Inertgase – vor allem (Di)Stickstoff N2 und Kohlenstoffdioxid CO2 – (1 %)

      Info aus Kindheitserinnerungen und Fachwissen eines Dipl.-Ing. für Ver- u. Entsorgungstechnik.

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  3. H.Kleinschmidt
    16. Mai 2018

    Ich kenne den Gasometer noch als er in Betrieb war. Kann mich gut daran erinnern!

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  4. Jens
    16. Mai 2018

    Schöner Beitrag, als Ex-Münsteraner bin ich häufig beim Gasometer vorbei gefahren. Damals war das Ding noch in Betrieb. Schön, dass die Stadtwerke in Münster solche Beiträge online stellt.

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  5. Luppi
    15. Mai 2018

    Interessant, habe mich als Zugezogener schon oft gefragt, was es mit dem Konstrukt auf sich hat.

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