Was passiert bei einem Wasserrohrbruch?

Veröffentlicht von am 22.02.2021 (2 Kommentare)
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Eine Grube mit einer Leiter und einem freigebuddeltem Wasserrohr, aus dem an der Seite Wasser austritt.

Bei einem Rohrbruch können große Menge Wasser austreten und Schäden verursachen. Schnelles Handeln ist erforderlich.

Jederzeit fließendes Wasser ist ein Grundbedürfnis und in Deutschland eine Selbstverständlichkeit. Wie sehr wir alle uns daran gewöhnt haben, merken wir erst, wenn der Wasserhahn mal trocken bleibt. „Oh nein, ein Wasserrohrbruch“, denke ich dann sofort. 

Warum brechen Wasserrohre eigentlich – besonders häufig passiert das komischerweise im Frühjahr – und wie wird der Schaden behoben? Außerdem geben wir Euch Tipps, wie ihr die Rohre in Eurem Haus schützen könnt. 

Darum können Wasserrohre brechen

Sie liegen unsichtbar im Untergrund unter der Straße oder dem Gehweg, große Transportleitungen, die das Wasser von den Wasserwerken in die Stadt bringen und kleinere Wasserleitungen, die es weiter verteilen, bis in jede Straße. Über 1.100 Kilometer Rohre sind dafür verlegt, je nach Alter und Größe der Leitung bestehen sie aus Gusseisen, Kunststoff oder Stahl. Betrieben werden sie von unserem Tochterunternehmen Stadtnetze Münster. 

Auch Rohre aus den 1930er Jahren liegen bis heute im Boden.

Grundsätzlich sind Wasserleitungen äußerst stabil, selbst Leitungen aus der Zeit von vor dem Zweiten Weltkrieg liegen noch im Boden und sind in gutem Zustand. Trotzdem erneuern die Stadtnetze aber jedes Jahr Wasserleitungen und sorgen so dafür, dass es bestenfalls erst gar nicht erst zum Rohrbruch kommt. Passieren kann das bei so vielen Rohren in der Erde aber natürlich trotzdem. Normale Materialermüdung kann ein Grund sein, ein unaufmerksamer Baggerführer, der mit seiner Schaufel eine Kerbe ins Rohr schlägt ein weiterer. Gerade im Frühjahr, wenn der Frost abzieht, kommen Rohrbrüche aber häufiger vor. Warum ist das so?

Klar ist: Einfrieren können die in der Erde verlegten Wasserleitungen nicht, denn das Wasser fließt beständig mit Druck durch die Leitung. Trotzdem ist der Frost aber verantwortlich, denn er sorgt dafür, dass sich das Wasser im Erdreich um die Leitung ausdehnt. Dadurch gerät der Untergrund in Bewegung. Ebenso, wenn das gefrorene Wasser wieder schmilzt. Diese Bewegungen im Boden sind es, die Wasserrohrbrüche nach Kälteperioden wahrscheinlicher machen als an wärmeren Tagen: Die Rohre geraten unter Spannung und brechen.

Wer einen Rohrbruch bemerkt, ruft direkt in der Störungsstelle der Stadtnetze an. Sie ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr besetzt. Die Rufnummer für Wasser, Gas und Fernwärme lautet 0251-6941522, für Strom 0251-6941422. 

Wasser sprudelt aus der Fahrbahn – und jetzt?  

Ein großes Loch an einer Straßenecke mit vielen Rohrleitungen und zwei Bauarbeitern in der Grube.

Tauwetter sorgt für Bodenbewegungen, die Wasserrohre beschädigen können. Aber auch im Sommer können Wasserrohre brechen. Wer erkennt, wo das in den achtziger Jahren der Fall war?

Wie selten so etwas aber vor­kommt, merkt man erst dann, wenn tatsächlich aus dem Was­serhahn plötzlich kein Wasser fließt. Damit es möglichst schnell wieder läuft, wird es für die Kolleginnen und Kollegen der Stadtnetze hektisch, egal zu welcher Uhrzeit. Anders als bei einer geplanten Baustelle müssen bei einem Rohrbruch alle Beteiligten spon­tan reagieren, damit das Wasser so schnell wie möglich wieder da ist und die Straße wieder be­fahren werden kann. 

Wasserrohrbrüche erfordern enge Abstimmung, Organisationstalente und starke Partner: Mitarbeiter in Bereitschaft werden aktiviert, bei den Stadtnetzen wie bei den Tief- und Straßenbaufirmen. Wer fährt zum nächsten Schieber (die bunten Schilder an den Hauswänden helfen dabei, den Schieber zu finden) und sperrt das Rohr ab? Wer kann so­fort Bagger stellen und die be­schädigte Stelle freilegen? Welche Mitarbeiter arbeiten, wenn nötig, auch die ganze Nacht durch, bis das beschädigte Rohr ausgetauscht ist? Wo können wir eine Zapfstelle für betroffene Anwohnerinnen und Anwohner einrichten? Die Polizei rückt an, sperrt den Bereich provi­sorisch ab. Wer in dieser Zeit versucht, den Stadtnetze-Bauleiter auf dem Handy zu erreichen, be­kommt häufig den Besetzt-Ton zu hören – und so schnell wie möglich einen Rückruf, denn Zeit spielt eine große Rolle: Je flotter alles organisiert ist, desto schneller fließt das Wasser wieder.

Reparieren oder austauschen?

So sieht ein repariertes Wasserohr aus

Ganz individuell wird entschieden, wie das Rohr repariert wird. Reicht es vielleicht, die defekte Stelle mit einer Manschette zu ummanteln? Oder muss das Stück ausgetauscht werden? Dann wird das Rohr vor und hinter dem Schaden abgetrennt und ein neues Teil angebracht. Es kann aber auch sein, dass das nicht reicht, weil zu befürchten wäre, dass nach der Reparatur ein paar Meter weiter gleich der nächste Schaden auftritt. Dann tauschen wir lieber gleich das ganze Rohr aus als mehrmals kurze Stücke zu reparieren. 

Die Reparaturarbeiten beschränken sich aber nicht auf ein defektes Rohr. Oft nimmt auch die Straße Schaden – je größer das geborstene Rohr, desto mehr. Wird die Straße unterspült, muss sie komplett neu aufgebaut werden, aus mehreren Schichten Sand, Kies und Beton. Das verkompliziert die Geschichte noch, denn neuer Asphalt muss eigentlich vor­bestellt werden und wird „just in time“ gefertigt und gelie­fert. Zudem brauchen die einzelnen Schichten Zeit, sich zu setzen. Wartet man das nicht ab, hält die schöne neue Straße nicht lange. Da dadurch eine längere Umleitung droht, legen Straßenverkehrsbehörde und Polizei eine Umleitungsführung fest. Die notwendige Beschilderung muss nicht nur angeordnet, sondern auch erstellt und aufgebaut wer­den. Damit der Verkehr abfließen kann, passen Mitarbeiter des Amtes für Mobilität und Tiefbau die Ampelprogramme an – und wenn die Baustelle fertig ist, muss alles wieder auf Anfang gedreht werden.

Ohne gute Zusammenarbeit hin­ter den Kulissen ist eine solche Aufgabe nicht zu schaffen. Das ist eine Mannschaftsleistung im wahrsten Sinne: Letztlich knapp 100 Personen waren beispielsweise an den Reparaturarbeiten auf dem Lublinring beteiligt, als dort im Sommer 2019 eine Transportleitung brach und die Fahrbahn auf fast 1.000 Quadratmetern unterspülte. 

Trübes Wasser nach dem Rohrbruch? Laufen lassen!

Bevor ein neues Rohr in Betrieb geht, wird es genau überprüft (Foto: Dirk Balzer)

Bevor das reparierte Wasserrohr wieder Wasser in die Haushalte transportiert, gehen wir sicher, dass es technisch und hygienisch einwandfrei ist. Dafür werden Wasserproben genommen und im Labor analysiert. Wenn auch hygienisch alles klar ist, heißt es: Sperrhahn auf und Wasser marsch!

Übrigens: Nach einem größeren Rohrbruch kann es sein, dass das Trinkwasser im näheren Umfeld zunächst nicht so klar wie gewohnt aus der Leitung kommt. Das liegt daran, dass sich in den Rohren über die Jahrzehnte natürliche Mineralstoffe aus dem Wasser ablagern, die sich in Folge des veränderten Wasserflusses lösen. Gesundheitlich ist das unbedenklich, appetitlich nicht unbedingt. Abhilfe ist einfach: Einfach das Wasser so lange laufen lassen, bis es wieder klar ist und nicht als erstes die weiße oder helle Wäsche in die Waschmaschine geben.

Wenn das Wasserrohr im Keller zufriert

Außenleitungen sollten im Winter abgesperrt werden, Kellerfenster geschlossen

Immer, wenn es kalt wird, melden sich zahlreiche Münsteranerinnen und Münsteraner bei unseren Kollegen in der Stadtnetze-Störungsstelle, weil sie auf dem trockenen sitzen. Grund ist dann aber häufig kein Rohrbruch, sondern eingefrorene Wasserleitungen im eigenen Keller. Gerade nachts, wenn es am kältesten wird und das Wasser mangels Abnahme in der Hausinstallation steht, kann das passieren. 

Für Hausbesitzer kann das teuer werden, denn Wasserschäden drohen. Daher heißt es bei Minusgraden für Hausbesitzer und Mieter: Kellerfenster schließen und die Rohre vor hereinziehender Kälte schützen. Wenn das im Rohr stehende Wasser bereits gefroren ist, die Rohre niemals direkt erhitzen! Ganz langsam und vorsichtig kann beispielsweise ein entfernt aufgestellter Heizlüfter Raum und Rohre wieder auf Temperatur bringen. Außenwasserleitungen, beispielsweise im Garten, sollten bei Minustemperaturen sowieso komplett abgestellt und entleert werden.

Es ist nicht unbedingt der Frost selbst, der auch solide Metallrohre platzen lassen kann, sondern das Frieren und Auftauen. Das liegt an der Dichteanomalie des Wassers: Im Temperaturbereich zwischen 0 °C und 4 °C dehnt Wasser sich bei normalen Druckverhältnissen aus. Wenn Eis wieder flüssig wird, schrumpft das Volumen des Wassers um etwa 8 Prozent. Friert flüssiges Wasser ein nimmt das Volumen um 8 Prozent zu. Das Wechseln des Aggregatzustandes kann also die Rohre zum Platzen bringen. 

2 Kommentare

  1. Johannes
    27. Februar 2021

    Das Bild aus den Achtzigern …
    Warendorfer Ecke Ring?

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    • Lisa Schmees
      2. März 2021

      Exakt!

      Antworten

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