Bushaltestellen: Lieber Kap oder Bucht?

Veröffentlicht von am 19.02.2019 (Keine Kommentare)
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Hier steht der Bus in der Bucht

Buchten und Kaps findet man typischerweise an den Meeresküsten. Ragt ein Stück Land ins Meer hinein, spricht man von einem Kap, wenn sich das Meer tief ins Land einschneidet, ist es eine Bucht. Nun ist Münster so weit von der Nordsee entfernt, hier gibt es doch keine Buchten oder Kaps – oder? Doch! An Münster Straßen liegen viele Buchten und Kaps für unsere Busse. Nach den nautischen Begriffen sind nämlich verschiedene Haltestellenarten benannt, die Busbuchten und Buskaps. 

Wir erklären die Unterschiede zwischen den beiden Typen und die spezifischen Vor- und Nachteile.

Die Busbucht

Die Busbucht an der Kanalstraße

Die Busbucht ist die althergebrachte Form der Haltestellengestaltung. Der Bus fährt dafür von der Fahrspur herunter in die Haltestelle ein, die sich im Seitenstreifen befindet. Da der Bus die Haltestelle dafür schräg anfahren muss, sind die Buchten deutlich länger als der Bus. Damit ein Gelenkzug von 18 Meter Länge mit allen Türen gerade an der Haltestelle stehen kann, ist die Busbucht teils bis zu 50 Meter lang. Wichtig ist das vor allem für die Barrierefreiheit, denn nur wenn das Bus gerade an der Haltestelle stehen kann, ist ein bequemer Ein- und Ausstieg möglich.

Leider wird die Bucht recht häufig als Parkplatz missverstanden und von Autos zum kurz oder auch länger Falschparken genutzt, was für den Bus Probleme bei An- oder Abfahrt der Haltestelle schafft. Auch beim Losfahren beachten nicht alle Autofahrer die Straßenverkehrsordnung und lassen den Bus nicht vor, obwohl sie das müssten

Praktisch sind die Buchten, wenn die Busse länger halten müssen, da der Verkehr in der Fahrspur daran vorbeifahren kann. Übrigens darf an haltenden Bussen auch im Gegenverkehr nur vorsichtig vorbeigefahren werden, da man immer damit rechnen muss, dass noch jemand in den Bus will und ohne zu schauen über die Straße läuft.

Das Buskap

Das Buskap ragt in die Straße hinein

Bei Fahrbahnrandhaltestellen und Buskaps hingegen reicht die Haltestelle bis an den Fahrbahnrand. Ein Kap steht teilweise sogar noch etwas weiter in die Fahrbahn hinein, so dass der Bus die Haltestelle fast komplett gerade anfahren kann. Schön ist das in Verbindung mit barrierefrei ausgebauten Haltestellen vor allem für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste, da sie an allen Türen fast ohne Höhenunterschied und Lücke einsteigen können.

Größter Vorteil ist die Platzersparnis. Die Haltestelle muss nämlich nur noch etwa so lang sein wie ein Bus, also knapp 20 Meter. Vor und hinter der Haltestelle entstehen damit beim Umbau von der Bucht zum Kap bis zu 30 Meter Fläche, die als Grünfläche oder Parkplatz genutzt werden kann.

Eine Fahrbahnrandhaltestelle in Gievenbeck

Zudem entsteht auch mehr Aufstellfläche an der Haltestelle, auf der Fahrgäste warten können. Das hat besonders beim Ein- und Aussteigen den positiven Nebeneffekt, dass Geh- und Radwege weiter von der Haltestelle wegrücken und so weniger Konfliktpotential entsteht. Gleichzeitig beschleunigt es den Busverkehr, da der Bus sich nicht wieder in den fließenden Verkehr einfädeln muss, sondern Autos hinter ihm warten müssen. Auch Falschparker können die Haltestelle nicht mehr so einfach nutzen, um dort stehen zu bleiben.

Da die Busse an Kaps regelmäßig auf der Straße stoppen, wird auch der Verkehr beruhigt, denn ein Überholen ist ja nicht so ohne weiteres möglich. Daher muss die Stadt Münster natürlich abwägen, wo ein Kap möglich ist und wo nicht. 

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