Haltestellennamen: Was ist der Pulverschuppen?

Veröffentlicht von am 09.01.2018 (Keine Kommentare)
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Über 550 Haltestellennamen gibt es in Münster – und so mancher hat sich sicherlich schon gefragt, was eigentlich der Name „seiner“ Stammhaltestelle bedeutet. In dieser losen Serie erklären wir die Herkunft der Namen und – wenn es sie gibt – weitere Besonderheiten der Haltestelle.

Wer in Richtung Handorf unterwegs ist, dem ist der Name der heutigen Haltestelle bestimmt schon einmal aufgefallen. Es geht um den Pulverschuppen.

Hier liegt die Haltestelle

Die Linie 10 hält am Pulverschuppen, rechts am Bildrand ist noch die Einfahrt zur ehemaligen Kaserne zu erkennen

Auf der Warendorfer Straße liegt kurz hinter dem Kanal die Haltestelle mit dem ungewöhnlichen Namen Pulverschuppen. Hier halten die Linien 2, 10 und N83 von und nach Handorf sowie die R11 und R13 von und nach Telgte. Sie gehört zu den weniger genutzten Haltestellen im Stadtgebiet, im direkten Einzugsbereich liegt nur eine kleinere Siedlung an der gleichnamigen Straße Am Pulverschuppen.

Der ein oder andere ist dort vielleicht schon mal ein- oder ausgestiegen, als er zum Sportplatz des SV Mauritz wollte, der knapp 750 Meter entfernt liegt. Direkt an der Haltestelle gibt es außerdem eine Verbindung zwischen Prozessionsweg und Warendorfer Straße.

Große Explosion in Münsters Osten

Der umliegende Wald wurde durch die Explosionen komplett zerstört (Foto: Stadt Münster)

Der Name Pulverschuppen erinnert an die Munitionsanstalt Mauritz. Hier wurde im Ersten Weltkrieg Munition hergestellt und gelagert. Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember 1915 geriet abends ein Schuppen in Brand, in dem Pulverbeutel genäht wurden. Von dort ausgehend verbreitete sich das Feuer auf die gesamte Anlage, so dass die Feuerwehr schnell die Evakuierung des Geländes anordnete. Viele der etwa 1.000 Arbeiter, die an diesem Abend in der Anlage waren, wurden verletzt, mindestens fünf starben.

Tatsächlich detonieren die ganze Nacht über etwa 50 Tonnen Sprengstoff und Granaten, die heftigen Explosionen haben ganz Münster erschüttert und noch in der Innenstadt Fenster zu Bruch gehen lassen und den Himmel blutrot gefärbt. Fotos von der Katastrophe finden sich in der Kriegschronik der Stadt Münster zum Ersten Weltkrieg.

Bis Ende der 90er Jahre betrieb die Bundeswehr dort die Kasernenanlage Pulverschuppen, die die 1. Kompanie des Fernmelderegiments 11 beheimatet hat. Seit 2015 wohnen Geflüchtete auf dem Gelände. 

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