Wasserverbrauch: Wenn das Dromedar zum Kamel wird

Veröffentlicht von am 14.08.2018 (Keine Kommentare)
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Der Sommer 2018 ist zwar (noch) nicht der heißeste, aber der trockenste seit Langem. Das macht sich im Wasserverbrauch der Münsteraner ganz deutlich bemerkbar. Zwei Kurven machen den Unterschied zwischen dem „Normaltag“ und den trockenen, heißen Sommertagen deutlich.

Die Grafik zeigt zwei Kurven, die den Wasserverbrauch am 24. Januar 2018 und am 16. Juli 2018darstellen.

Der Vergleich unserer Beispieltage 24. Januar und 16. Juli zeigt deutliche Unterschiede im Wasserverbrauch zwischen kalten (orange) und warmen (blau) Tagen. Im Rekordsommer 2018 liegen die Morgen- und Abendspitze gleich auf. Morgens duscht der Mensch, abends der Garten.

Normalerweise: Morgens hoch, spätnachmittags weniger

Unsere Trinkwasserspeicher werden nachts wieder aufgefüllt.

Als Beispieltag haben wir willkürlich den 24. Januar 2018 gewählt. An diesem Mittwoch lagen die Temperaturen tagsüber zwischen verhältnismäßig warmen 11 °C bis 13°C und der Wasserverbrauch verläuft nach einem gewohnten Muster: Üblicherweise erreicht der Wasserverbrauch seinen Höhepunkt am Morgen zwischen 7 und 8 Uhr morgens – die Fachleute sprechen von der „Morgenspitze“. Duschen, Zähne putzen, Kaffee oder Tee kochen – klar, dass der Münsteraner Wasserverbrauch in den Morgenstunden hoch ist. Zwischen 3.000 und 3.500 Kubikmeter Wasser rauschen dann binnen einer Stunde durch die Wasserleitungen. Käme das Wasser per LKW und nicht bequem aus dem Hahn, bräuchte es 100 bis 120 große Laster, um dieses Wasser in die Haushalte zu bringen.

Danach sinkt der Verbrauch stetig, bis er ab 17/18 Uhr erneut ansteigt. Nun beginnt die zweite Phase des Tages mit höherem Wasserverbauch, die „Abendspitze“. Die zweite Spitze des Tages ist aber deutlich flacher als die morgentliche, gut 1.000 Kubikmeter weniger Wasser als morgens fließen in den Abendstunden durch die Leitungen. Trotzdem sieht man: Die Münsteraner kommen von der Arbeit und drehen den Hahn auf. Ab 20 Uhr sinkt der Verbrauch erneut. So weit der Normalzustand.

Sommer 2018: Kamel an heißen Tagen

Besonderen Spaß macht es, das Duschen und die Gartenbewässerung zu kombinieren. (Bild: „Sprinkler Fun“ von Austin Kirk, Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0)

Nicht so im Sommer 2018: Unser Beispieltag, der 16. Juli 2018, war mit knapp 30 °C nicht einmal der wärmste Tag in Münster. Und doch ist er exemplarisch für diesen Sommer. Denn die Verbrauchskurve gleicht nicht mehr einem einhöckerigen Dromedar, sondern eher einem Kamel: Die Verbrauchsspitze am späten Nachmittag ist mit der Morgenspitze gleichauf  – abends wird also ebenso viel Wasser verbraucht wie für die Morgentoilette.

Dieses Wasser wird vermutlich nur zu einem geringen Anteil für eine zweite Dusche nach einem schwitzigen Tag gebraucht. Vielmehr fließt es in die Gärten der Münsteraner, um Blumen, Bäume und Rasen mit dem lebenswichtigen Nass zu versorgen.

Vorsichtig umgehen mit der wichtigen Ressource

Das Wasserwerk Hohe Ward im Süden Münsters ist nicht nur ein architektonisches Schmückstück – es stellt sicher, dass der Durst der Stadt gestillt werden kann.

Engpässe drohen in Münster trotz des hohen Wasserverbrauchs nicht, weil der Grundwasserspeicher gut gefüllt ist. Schon im Mai war der heiße Sommer absehbar und entsprechend haben wir früh begonnen, mehr Wasser aufzubereiten und dem Grundwasserreservoir zuzuführen. Den natürlichen Wasserkreislauf ahmen wir seit fast 100 Jahren nach – ein Verfahren, das sich in diesem trockenen Sommer besonders bewährt.

Wasser zu sparen, weil Mangel droht, ist in Münster also nicht notwendig. Trotzdem: Wasser ist eine wertvolle, natürliche Ressource, mit der sorgsam umgegangen werden sollte. Vielleicht braucht der Rasen nicht jeden Tag eine intensive Bewässerung und das Auto fährt auch mit einer Staubschicht ebenso gut?

 

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