Klimaanlagen: Damit es im Bus nicht zu heiß wird

Veröffentlicht von am 29.06.2015 (7 Kommentare)
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Klimabus

Unter den Hauben direkt vor und hinter dem Drehgelenk befindet sich die Klimaanlage

Gegen zu viel Hitze hilft zum Beispiel ein kühlendes Fußbad – im Bus ist das allerdings genauso wenig praktikabel wie zum Beispiel einfach das Hemd auszuziehen. Weil wir das auch wissen, bekommen bei uns neue Busse seit über zehn Jahren eine Klimaanlage spendiert.

Da wir unsere Busflotte laufend erneuern, sind inzwischen über 90 Prozent der Stadtbusse so ausgerüstet.

23 Grad sollt ihr bekommen

Tür Bus

Die Tür (hier grün umrandet) ist der natürliche Feind der Klimaanlage.

Schon gewusst? Ihr könnt von außen erkennen, ob der Bus die kühlende Technik an Bord hat. Werft einfach einen Blick in Richtung Dach. Die Klimaanlagen sind als „Höcker“ deutlich zu erkennen. Sie sind so eingestellt, dass die Temperatur im Inneren des Busses bei etwa 23 Grad liegen soll. Wer bei 30 Grad Außentemperatur in den Bus steigt, soll nämlich zwar eine angenehme Abkühlung bekommen, nicht aber gleich einen Kälteschock.

Aber: Auch wenn die Anlagen auf 23 Grad eingestellt sind, wenn das Thermometer auf deutlich über 30 Grad kletter, ist diese Zieltemperatur nicht zu erreichen. Das liegt daran, dass fast jede Minute die Türen geöffnet werden. Dann kann die Klimaanlage die heiße Luft nur bis zum nächsten Stopp herunterkühlen und damit den Bus etwas kühler halten als die Außentemperatur.

Immer weider hören wir: Im Bus war es zu kalt – oder zu warm. Weil jeder Temperaturen anders wahrnimmt, ist es dem einen Fahrgast im Bus zu warm und dem Freund im gleichen Bus auf dem Nebensitz schon zu kalt. Daher können die Fahrer die Temperatureinstellung nicht ändern. Sie können nur entscheiden: Klimaanlage an oder aus.

Warum wird ein Bus eigentlich so warm?

Schnee

Auch ganz nett, schafft aber keine echte Abkühlung: Einfach an den Winter denken

Über 18 Meter lang, zweieinhalb Meter breit und mehr als drei Meter hoch ist ein Gelenkzug – und der Großteil der Außenwand besteht aus Glas. Dazu noch bis zu 100 Menschen mit ihrer Körperwärme. Da wird es schnell warm, wenn die Sonne kräftig scheint. Die Klimaanlage schafft die Wärme nach draußen und sorgt für eine angenehme Temperatur. Was mache ich aber, wenn es – obwohl der Bus die Klimaanlage auf dem Dach hat – deutlich wärmer als 23 Grad ist? Am Einfachsten: den Fahrer fragen. Häufig kann der helfen, denn dass die Klimaanlage komplett ausgefallen ist, gehört zu den absoluten Ausnahmen.

Viel wahrscheinlicher ist, dass die Klimaanlage noch ausgeschaltet ist, weil es zum Beispiel morgens noch recht kühl war und ein Luftzug durch die geöffneten Dachluken schon reichte, um den Bus zu kühlen. Wenn aber die Dachluken auf sind, springt bei den meisten Bussen die Klimaanlage auf „aus“ – wenn es dann im Laufe des Vormittags wärmer wird, heizt sich auch der Bus weiter auf. Das kann der Fahrer mit zwei Klicks ändern und die Klimaanlage oder das Gebläse einschalten, so dass die kalte Luft durchs Fahrzeug strömt.

An unserem Dacharbeitsplatz werden die Klimaanlagen regelmäßig gewartet

Übrigens: Der Fahrer hat Euch dann nicht absichtlich schwitzen lassen. Der Fahrerarbeitsplatz ist separat klimatisiert, hier kann der Fahrer eine für sich persönlich angenehme Temperatur einstellen. Schließlich ist er für die Sicherheit der Fahrgäste zuständig und soll sich bestmöglich darauf konzentrieren können, den Bus durch Münster zu lenken. Daher bekommt er aber häufig gar nicht mit, dass es weiter hinten deutlich wärmer geworden ist.

So funktioniert die Klimaanlage

Klimaanlage oben

Beim Blick von oben werden die Lüfter sichtbar, die die warme Luft an den Fahrtwind abgeben

Wenn der Bus alle zwei Minuten anhält, damit Fahrgäste ein- und aussteigen können, kommt auch ständig ein großer Schwall warme Luft mit durch die Türen. Auch offene Klappfenster bringen mehr warme Luft als Abkühlung mit in den Wagen. Daher sind sie in der Regel verschlossen.

Wie aber funktioniert die Klimaanlage eigentlich? Vereinfacht gesagt saugt sie Luft auf dem Bus an und leitet sie an einem Wärmetauscher vorbei. Dort nimmt ein Kältemittel die Wärme auf und kühlt die Luft dadurch ab. Im Anschluss wird sie wieder in den Bus geleitet. Das Kältemittel transportiert die Wärme weiter in einen Kondensator, in dem es die Wärme an den Fahrtwind abgibt. Dafür sind auch die Hauben auf dem Busdach zuständig. Von oben sieht man deutlich die Ventilatoren, die die warme Luft herauspusten. Wer es genauer wissen will: MAN erklärt die Klimaanlage auf seiner Webseite detailliert.

7 Kommentare

  1. Avatar
    Jenny Eckhardt
    6. April 2017

    Vielen Dank für den informativen Beitrag. Ich habe mich neulich gefragt, wie die Klimaanlage im Bus funktioniert. Gut, dass man im Internet aufgeklärt wird.

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  2. Avatar
    Felix
    2. Juni 2016

    Ich habe mich schon gefragt, wie es möglich ist einen ganzen Bus zu klimatisieren. Und nach dem Lesen des Artikels wurden alle meine Fragen beantwortet. Sehr informativ, wie immer. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und fand es zudem sehr informativ.

    Nochmals danke für den informativen Beitrag!

    Felix

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  3. Avatar
    Iris
    11. Mai 2016

    Toller Artikel, sehr viele Infos die ich noch nicht kannte. Sehr viel mehr Wert für den Leser im Blog. Weiter so …

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  4. Avatar
    René Werner
    4. September 2015

    Die 98 Straße 3 Achser wurden sehr schnell wieder verkauft. Der Dachaufsatz kann ein Indiz fuer eine Klimaanlage sein, muss aber nicht. Auch heute hat Westfalenbus moderne Busse bei denen trotz Aufbau keine Klimaanlage vorhanden ist

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  5. Avatar
    Maik
    14. Juli 2015

    Danke für die tolle Antwort!
    Ich habe einen ehemaligen Mitstudenten gefragt, der kann sich aber auch nicht mehr an den Grund erinnern. Aber vielleicht waren wir damals zufällig einmal in einen der beiden „98er“ mit Klimaanlage gestiegen und hatten daraus – jung und naiv – geschlussfolgert, dass die damals nagelneuen Busse alle klimatisiert sein würden.

    Und genau diese informativen Beiträge bringen mich immer wieder gern dazu, das Blog zu lesen.

    Maik

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  6. Avatar
    Maik
    11. Juli 2015

    Schön geschrieben und informativ, wie ich es von diesem Blog gewohnt bin… Aber ein wenig stutze ich doch: Sind wirklich erst in den 2000er-Jahren Busse mit Klimatisierung angeschafft worden? Dann trügt mich meine Erinnerung, denn auf der Linie 11 von Gievenbeck in Richtung Innenstadt gab es bei uns im Sommer schon in den späten 1990er-Jahren Sprüche wie „Da fahren wir nicht mit, das ist ein 96…, wir warten auf den 98…“ (also bezogen auf die Busnummern, die vorn an der Scheibe klebten).

    Waren das schon die ersten Busse mit Klimatisierung, oder ging es da eher um getönte oder nicht getönte Scheiben? (Und schon habe ich wieder eine neue Frage aufgeworfen. ;))

    Maik

    PS: Danke, dass die Stadtwerke Münster nicht die Einschätzungen der Dresdner Verkehrsbetriebe teilen, deren Kunde ich vor einigen Jahren regelmäßig war. Zitat aus den FAQ auf deren Website: „Warum gibt es in den Fahrzeugen der DVB keine Klimaanlagen?“

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      13. Juli 2015

      Hallo Maik,

      die 25er sind unsere ersten Klimabusse gewesen. Die handvoll 24er, die jetzt noch fahren, sind die letzten Gelenkzüge, die wir ohne Klima angeschafft haben. Die 98er hatten noch keine Klimaanlage, daher hattet Ihr die Vorliebe für die Serie wohl aus anderem Grund 🙂

      Update: Vielleicht hatten unsere zwei Setra aus 1998 tatsächlich eine, sagt gerade ein Kollege, die beiden waren dann aber die Ausnahme. Das Bild scheint das zu bestätigen: http://www.omnibusverein.de/stwmhist/stwm9860.jpg

      Viele Grüße

      Florian

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