29.04.2026

3D-Seismik: Stadtwerke prüfen Standort am Hafen für Tiefengeothermie

Münster ist die geologisch am besten untersuchte Stadt in NRW

Ende 2024 sorgten die Untersuchungen für Tiefengeothermie im Auftrag der Stadtwerke Münster für großes Aufsehen in der Stadt. Rund 500 Terrabyte an Rohdaten zur Geologie unter Münster kamen dabei zusammen – das entspricht etwa 125 Millionen Fotos auf einem Smartphone. Die Ergebnisse stellen die Stadtwerke Münster nun vor.

Ziel der Untersuchungen war es, ein dreidimensionales Abbild des Untergrunds von Münster bis in 6.000 Meter Tiefe zu erstellen. Im Mittelpunkt des Interesses stehen drei Schichten aus Kalkgestein: die Oberkreide in 900 bis 1.500 Metern Tiefe sowie der Kohlen- und Massenkalk in 4.700 Metern bis 6.700 Metern. Mithilfe dieses Bildes können die Stadtwerke Münster geologisch vielversprechende Standorte an der Oberfläche identifizieren, an denen Bohrungen nach heißem Thermalwasser erfolgversprechend sind. Ob und wie viel heißes Wasser in der Tiefe vorzufinden ist, zeigt das Untergrundbild jedoch nicht – es stellt vor allem die Lage und den Verlauf der Gesteinsschichten dar.

„Münster-Sprung“ und „Sachsen-Sprung“ sind besonders interessant

Im Untergrundmodell von Münster sind drei prägende geologische Strukturen gut erkennbar: Der Sendener Sattel, der Sachsen-Sprung sowie der Münster-Sprung. Diese Strukturen haben sich im Laufe der Jahrmillionen gehoben, gesenkt, verschoben und sind gebrochen. Diese Brüche oder Störungszonen sind besonders interessant für die Geothermie: In Störungszonen ist das Gestein durchlässiger, es kann beispielsweise Wasser speichern und durchleiten. Hinzu kommen weitere Störungen, die gemeinsam ein zusammenhängendes System bilden. Ein solches ist auch unterhalb Münsters vorhanden. „Der Münster-Sprung und der Sachsen-Sprung bilden zusammen ein Störungssystem unter Münster. Das sind gute geologische Voraussetzungen für Tiefengeothermie“, sagt Dr. Carsten Lehmann, Projektleiter bei den Stadtwerken Münster.

Für die Wärmeversorgung müssen Tiefengeothermie-Standorte neben der geologischen Eignung weitere Kriterien erfüllen: Sie sollten einerseits möglichst nah am Fernwärmenetz gelegen sein, um die gewonnene Wärme einspeisen zu können. Andererseits muss ausreichend Fläche für einen Bohrplatz und ein späteres Heizwerk verfügbar sein (Bohrplatz: bis zu 10.000 m2, Heizwerk: bis zu 6.000 m2). Nicht zuletzt muss eine Bohrung am Standort grundsätzlich genehmigungsfähig sein, was beispielsweise Wasser- und Naturschutzgebiete grundsätzlich ausschließt.

Stadtwerke prüfen Tiefenbohrung am Hafen

Im ersten Schritt wollen die Stadtwerke Münster die flachere der drei Gesteinsschichten in 900 bis 1.500 Metern mit einer Bohrung erreichen. Für den Betrieb eines Heizwerks sind zwei Bohrungen notwendig. Diese so genannte Bohr-Dublette besteht aus einer Förderbohrung, die heißes Tiefenwasser an die Oberfläche befördert und einer Rückspeisebohrung, die das abgekühlte Wasser in einem Kreislauf wieder zurückführt. Im Heizwerk nimmt ein Wärmetauscher die Wärmeenergie ab. 

Bereits vor den seismischen Untersuchungen hatten die Stadtwerke Münster Vorzugsstandorte für Geothermie identifiziert. Diese konnten anhand des Untergrundbilds nun geologisch eingehend geprüft werden. Im geplanten Busso-Peus-Quartier in Gievenbeck hatten die Stadtwerke schon in der Planungsphase ein Grundstück im nördlichen Bereich des Quartiers gesichert. Am Stadthafen steht ein Gelände der Stadtwerke neben dem DHL-Verteilzentrum im Fokus, das aktuell als Lagerfläche und für Containerbüros genutzt wird. „Der Standort Hafen erfüllt an der Oberfläche unsere wichtigsten Kriterien: Er liegt nah an der zentralen Einspeisung in das Fernwärmenetz und die Fläche ist im Eigentum der Stadtwerke. Diesen Standort prüfen wir intensiv für eine erste Bohrung. Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, sagt Markus Bieder, Leiter der Wärme- und Stromerzeugung der Stadtwerke. „Der Standort in Gievenbeck ist für eine Bohrung in die flachere Kalksteinschicht geologisch nicht so gut geeignet, für das tiefere Kalkgestein bleibt der Standort in Gievenbeck weiterhin interessant.“

Die Stadtwerke Münster sind jedoch nicht die ersten, die einen Blick in die Tiefe wagen: Der Geologische Dienst NRW plant im Jahr 2027 eine Forschungsbohrung in Münster. Diese ist Teil eines landesweiten Explorations- und Bohrprogramms und beauftragt durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen als Teil des „Masterplans Geothermie NRW“. Die Forschungsbohrung soll erstmals das Kalkgestein aus der Oberkreidezeit in mehr als 1.000 Metern Tiefe erreichen. Ein Ziel der Bohrung ist es, die Machbarkeit von Tiefengeothermie exemplarisch für das gesamte Münsterland nachzuweisen. Aufgrund der guten Datenlage fiel die Wahl auf Münster als Referenzstandort. „Diese Forschungsbohrung wird sehr wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung unseres Vorhabens bringen“, betont Markus Bieder.

Die nächsten Schritte

Die Stadtwerke Münster beginnen parallel mit der Planung einer ersten eigenen Tiefenbohrung. Ziel ist es, diese 2028 durchzuführen. Vorab sind umfangreiche Planungen zu erstellen, Fördermittel einzuwerben und ein aufwendiges Genehmigungsverfahren bei der Bergbehörde Arnsberg zu durchlaufen.

 

Hintergrund: So gestalten die Stadtwerke die Fernwärme erneuerbar

Tiefengeothermie ist eine von mehreren Erneuerbaren Wärmequellen, mit denen die Stadtwerke Münster die Fernwärme bis 2045 klimaneutral gestalten wollen. Bis zu 50 Prozent der Fernwärme für Münster soll aus Tiefengeothermie stammen. Weitere Technologien sind die Solarthermie und Großwärmepumpen, die Wärme aus Fließgewässern und Wasserstraßen wie dem Dortmund-Ems-Kanal, aus Abwärme industrieller Prozesse oder Kläranlagen gewinnen kann.

Die Umstellung ist bereits in vollem Gange: Am Hafen bereiten die Stadtwerke aktuell die Inbetriebnahme einer zweiten Großwärmepumpe vor. Ein Solarthermie-Projekt in Mecklenbeck durchläuft aktuell das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Ein weiteres Großwärmepumpenprojekt an der Hauptkläranlage Coerde befindet sich in der Planungsphase.

Das Bild zeigt ein großes Spezialfahrzeug mit einer absenkbaren Platte zwischen den beiden Achsen im münsterschen Geistviertel. Es ist Nacht. Das Fahrzeug ist beleuchtet.

Im November und Dezember 2024 führten die Stadtwerke mit Vibrotrucks eine flächendeckende geologische Untersuchung von Münster durch.

Das Bild zeigt eine bunte Tiefenkarte, deren unterschiedliche Farben die Tiefenlage der Kalkgesteinsschicht der Oberkreide in unterschiedlichen Farbtönen darstellt.

Aus den Daten der 3D-Seismik wurden unter anderem Tiefenkarten erstellt, die den Verlauf und die Lage der Kalkgesteinsschichten im Untergrund darstellen.

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Lisa Schmees

Lisa Schmees

Pressesprecherin (Schwerpunkt Energie, Baustellen und Netzthemen)


l.schmees@stadtwerke-muenster.de 0251.694-2016

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