Münsters Haltestellen erzählen Geschichte
Münsters Bushaltestellen sind mehr als reine Verkehrspunkte. Viele ihrer Namen reichen Jahrhunderte zurück und erzählen Geschichten aus dem Alltag, der Sprache und der Stadtentwicklung. Vier besonders markante Beispiele zeigen, wie lebendig Stadtgeschichte sein kann.
Haltestellen im Zeitverlauf
Krummer Timpen – Brot statt Kurve
Der Krumme Timpen liegt mitten im Universitätsviertel und ist vor allem Studierenden ein Begriff. In direkter Nähe liegen das Hörsaalgebäude mit dem H1, die Universitäts- und Landesbibliothek, viele Fakultäten und natürlich das Schloss.
Hier halten die Linien 11, 12, 13 und 22. Sie verbinden den Krummen Timpen unter anderem mit dem Coesfelder Kreuz, wo ebenfalls einige Uni- und FH-Gebäude liegen, und mit Gievenbeck.
Die Straße Krummer Timpen verläuft in Kurven zwischen Universitätsstraße und Frauenstraße. Der Name hat jedoch nichts mit dem Straßenverlauf zu tun. Er geht auf den Bäcker Wilbrand Busch aus dem 17. Jahrhundert zurück, dessen Spitzname „Krummer Timpen“ war. Verkauft wurde dort ein besonders geformtes Timpenbrot – der Name blieb und lebt bis heute in Straße und Haltestelle weiter.
Junker Jörg – Ein getarnter Reformator
Der Junker-Jörg-Platz in Angelmodde klingt geheimnisvoll – und das zu Recht. „Junker Jörg“ war der Tarnname von Martin Luther, unter dem er sich auf der Wartburg versteckte und das Neue Testament übersetzte.
Der Straßenname entstand 1975, als doppelte Straßennamen nach der Eingemeindung mehrerer Stadtteile vermieden werden mussten. Da es plötzlich zwei Martin-Luther-Straßen in Münster gab, musste eine weichen. Die im Kreuzviertel behielt ihren Namen, die in Angelmodde bekam einen „Tarnnamen“ Eine kreative Lösung mit historischem Tiefgang.
An der Haltestelle stoppen die Linien 6 und N85.
Bült – Der Hügel im flachen Münster
Der Bült zählt zu den wichtigsten Haltestellen der Stadt, sieben Stadtbus-Linien verbinden sie mit verschiedenen Stadtteilen, sechs Regional- und Schnellbuslinien mit dem ganzen Münsterland. Trotzdem weiß kaum jemand, was der Name Bült eigentlich bedeutet. Dabei kann man es sogar sehen, wenn man ganz genau hinschaut:
Sein Name stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet „kleiner Hügel“. Tatsächlich liegt der Bereich einige Meter höher als seine Umgebung – ein kleines geografisches Detail, das sich im Namen erhalten hat.
Kuhviertel – Wo Kühe wirklich eine Rolle spielten
Das Kuhviertel verdankt seinen Namen tatsächlich den Kühen: Im Mittelalter trieben sogenannte Ackerbürger ihre Tiere über die Kuhstraße zu den Weiden außerhalb der Stadt. Später war das Viertel als Ganoven- und Masematte-Gegend bekannt, heute ist es ein beliebtes Kneipenviertel.
Direkt an der Haltestelle (die heute nur noch von den roten Touri-Bussen angefahren wird) findet sich sogar ein öffentliches Bücherregal – ein stiller Kontrast zum lebendigen Nachtleben.
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