Halb Straßenbahn, halb Bus: Münsters O-Busse
Auf Gummireifen, aber trotzdem mit Stromabnehmer auf dem Dach: Was sich heute nach einem der modernen Elektrobusse anhört, gab es schon ab 1949 in Münster. Damals waren die Busse aber noch an eine Oberleitung gebunden und hießen daher auch: Oberleitungsbusse oder kurz O-Busse. Als 1954 die Straßenbahn aufgrund der maroden Gleise ihre letzte Fahrt machte, kam die neue Technik zum Zuge.
Der Vorteil der O-Busse: Dank flexiblem Stromabnehmer und ohne Gleis konnten sie kleinere Baustellen oder falsch geparkte Autos umfahren. Da sie aber – anders als die heutigen E-Busse – keine Batterien an Bord hatten, waren größere Umleitungen abseits der Oberleitungen tabu.
Linienführung der O-Busse
Auf drei Linien waren 1967 noch O-Busse unterwegs:
Die Linie 2 fuhr zwischen Danziger Freiheit und Heilig-Geist-Kirche über Warendorfer Straße, Eisenbahnstraße, Hauptbahnhof, Ludgeriplatz und Altem Schützenhof auf der Hammer Straße.
Linien 3 und 4 waren eine Art Ringlinie, die als Linie 3 vom Hauptbahnhof über Eisenbahnstraße und Gartenstraße, durch das Kreuzviertel zum Kanonierplatz und weiter über Coesfelder Kreuz bis zur Hüfferstiftung, am Aasee und der St.-Antonius-Kirche entlang bis Ludgeriplatz zurück zum Bahnhof fuhr. Linie 4 bediente diese Strecke in entgegengesetzter Richtung.
Auf den restlichen Linien waren schon damals Dieselbusse unterwegs. 1968 wurden dann auch die drei O-Bus-Linien aufgelöst und die Oberleitungen abgebaut. Dafür kamen Busse mit dem damals modernen und flexiblen Dieselmotor.
Fahrt nach Amelsbüren oder Handorf
Viele heutige Stadtteile waren bis 1975 eigenständige Gemeinden. Albachten, Amelsbüren, Angelmodde, Handorf, Hiltrup, Nienberge, Roxel, Sankt Mauritz und Wolbeck wurden erst in der großen Gebietsreform nach Münster eingemeindet. Daher sind unsere Busse vor 50 Jahren in einer deutlich kleineren Stadt Münster unterwegs gewesen und haben nur die Stadtteile Mecklenbeck, Kinderhaus, Gievenbeck und Coerde angefahren.
Während die 11 schon damals zwischen Wolbecker Straße und Gievenbeck unterwegs war, fuhren in Kinderhaus zum Beispiel die Linien 6, 7 und 28. Zentraler Knotenpunkt war damals neben dem Bahnhof übrigens noch der Prinzipalmarkt zwischen Lambertikirche und Rathaus, wo acht Linien zusammenliefen.
Eine Kugel Eis gab es damals für 10 Pfennig, einen Sack Kartoffeln für 33 Pfennig und ein Einzelfahrausweis für Erwachsene mit und ohne Umsteigeberechtigung für 50 Pfennig. Allerdings: Damit konnte man auch nur innerhalb der damaligen Stadtgrenzen Münsters umherfahren.
Wer nach Amelsbüren wollte, musste die Linie c nehmen, die von der Kraftpost Münster betrieben wurde und von der Haltestelle Bahnpost vier Mal täglich über Amelsbüren nach Ottmarsbocholt fuhr. Nach Albachten fuhr die Verkehrsgesellschaft für den Kreis Lüdinghausen mit der Linie f etwa jede Stunde und zusätzlich die Bahnbusse mit den Linien t und w.
Damals war für jede Busgesellschaft ein eigenes Ticket nötig. Von Haustür zu Haustür mit einem Ticket – das ging nicht. Ausnahme: Handorf. Die städtischen Linien fuhren den Ort schon damals an. Bis zum Bahnhof Handorf ebenfalls für 50 Pfennig; wer zum Fliegerhorst, nach Hornheide oder Lauheide wollte, musste 75 Pfennig berappen.
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