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Aktuelle Pressemitteilungen - Gesamt

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Münster am Hafenplatz.

Die wichtigsten Kennzahlen des Geschäftsjahrs 2021

13.06.2022

Energiepreise und Corona: Stadtwerke navigieren stabil durch die Krisen

Städtischer Haushalt profitiert von solidem Jahresergebnis

Die Stadtwerke Münster schließen das Geschäftsjahr 2021 mit einem Jahresüberschuss von 8,2 Millionen Euro ab. Mit dem Großteil von 6,5 Millionen Euro unterstützen die Stadtwerke das Leben in Münster: Er fließt in den Haushalt der Stadt Münster. Auch darüber hinaus wirkt der Stadtwerke-Konzern positiv in Münster und der Region. In Summe 98,4 Millionen Euro fließen als Aufträge an lokale Firmen, als Sponsoringgelder an Vereine und Initiativen, als Steuern und Abgaben an die Kommunen. Die hohe lokale Wertschöpfung ist für das Unternehmen zentral: „Die Stadtwerke und die Stadtnetze Münster sind und bleiben eine wichtige Säule im münsterschen Haushalt und für die regionale Wirtschaft“, sagt Sebastian Jurczyk, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Die Auswirkungen der Pandemie und der Energiepreiskrise spüren wir dennoch ganz deutlich. Das gute Jahresergebnis zeigt, dass wir den Auswirkungen dieser Krisen wirksam und aktiv begegnet sind.“

Während die Stadtwerke im operativen Geschäft nicht alle Planwerte erreichen konnten, sicherten insbesondere interne Einsparprogramme und Hilfen aus dem ÖPNV-Rettungsschirm das Ergebnis. Gleichzeitig investierten die Stadtwerke rund 32 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr (16,6 Mio. Euro). „Mit Investitionen in Erneuerbaren Strom und Wärme, in Elektromobilität, Digitalisierung und Glasfaserausbau schaffen wir in Münster nachhaltige Werte für die Enkelgeneration“, betont Jurczyk. Mehr als 500 Millionen Euro wollen die Stadtwerke bis 2030 in diesen Bereichen investieren. Es ist das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte.

Die Corona-Pandemie wirkte sich 2021 weiter auf die Mobilität aus. Mit 30,7 Millionen Fahrgästen beförderten die Stadtwerke-Busse ähnliche viele Fahrgäste wie im ersten Pandemiejahr (2020: 30,9 Mio.). „Trotz Pandemie sind wir weiter der Garant für klimafreundliche Mobilität in Münster: Auch mit weniger Fahrgästen sind wir durchgehend fast das komplette Angebot gefahren. Dank der Mittel aus dem ÖPNV-Rettungsschirm konnten wir den operativen Kostendeckungsgrad im Nahverkehr stabil halten“, sagt Mobilitätsgeschäftsführer Frank Gäfgen. Im Energiebereich prägten vor allem die massiven Preissteigerungen an den Beschaffungsmärkten für Strom und Gas das vierte Jahresquartal. Die Stromerzeugung (427 Mio. kWh) blieb aufgrund von schwachem Wind und Turbinenschäden im Kraftwerk unterhalb der Zielmarke.

Rückgang bei Stromabsatz und Fahrgastzahlen, Witterungs-Plus bei Wärme
Während der Stromabsatz im vergangenen Jahr insgesamt sank (-4,8 Prozent), ist der Wachstumstrend bei Ökostrom ungebrochen (+10,3 Prozent). Geschäftskunden nahmen im zweiten Pandemiejahr weniger Strom ab und die Vertriebsaktivitäten an Privatkunden außerhalb von Münster zum Jahresende aufgrund der Preisentwicklung teilweise ausgesetzt.

Aufgrund der kalten Witterung wurde 13,8 Prozent mehr Fernwärme an die Haushalte geliefert. Der deutlich erhöhte Erdgasabsatz (+18 Prozent) geht sowohl auf die kalte Witterung zu Jahresbeginn zurück als auch auf Haushalte, deren Versorgung die Stadtwerke nach Lieferstopps anderer Versorger im vierten Jahresquartal kurzfristig sichern mussten. Die Preise an den Beschaffungsmärkten sind weiterhin hoch, die Diskussionen um Energieembargos führen zur Nervosität an den Märkten.

Hohe Beschaffungskosten, Preise für Strom, Erdgas und Fernwärme steigen
Aufgrund der hohen Beschaffungskosten müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf steigende Preise für Strom, Gas und Fernwärme einstellen. Dank der langfristigen Beschaffungsstrategie und der Tarifsplittung mussten die Stadtwerke Münster die Preise für die Bestandsverträge in der Strom- und Gas-Grundversorgung bisher nur moderat anheben. „Zum Herbst werden wir die Strom- und Gaspreise erneut anpassen, da die Beschaffung weiterhin extrem teuer ist und der Gesetzgeber die Grund- und Ersatzversorgung als Teil des Osterpakets neu regelt“, kündigt Jurczyk an. Der Strompreis in der Grundversorgung wird frühestens zum 1. September 2022 auf rund 30 Cent (+13,7 Prozent bei Verbrauch von 1.800 kWh/Tarifdurchschnitt), der Gaspreis auf rund 11 Cent steigen (+26 Prozent bei Verbrauch von 13.800 kWh).

Bedingt durch den hohen Erdgaspreis und die Weitergabe der CO2-Kosten liegt der Fernwärmepreis 2022 um 43 Prozent höher als im Vorjahr. Der Fernwärmepreis ist an den Erdgaspreis sowie die Preisentwicklung anderer Energieträger gekoppelt und berechnet sich  zum Jahresende fürs Folgejahr jeweils über eine festgelegte Formel. Die Preisentwicklung an den Beschaffungsmärkten bildet sich beim Fernwärmepreis deswegen verzögert ab. Im kommenden Jahr wird der Fernwärmepreis daher voraussichtlich deutlich steigen.

Eine Entspannung der Märkte sei angesichts des russischen Angriffskriegs nicht in Sicht. Für Haushalte mit geringem Einkommen oder niedriger Rente brauche es über die Maßnahmen im Osterpaket hinaus weitere Entlastungen bei den Energiekosten, fordert der Stadtwerke-Geschäftsführer.

Erneuerbaren-Ausbau für Klimaschutz und Energieunabhängigkeit
„Energie aus Wind und Sonne ist die Antwort auf die Klimakrise und die Abhängigkeit von fossiler Energie aus Russland. Bis 2030 wollen wir den Strom für die münsterschen Haushalte in eigenen erneuerbaren Anlagen erzeugen“, sagt Jurczyk.

Die Zahl ihrer Windenergieanlagen wollen die Stadtwerke Münster bis Ende des Jahrzehnts auf insgesamt 42 verdoppeln. Dafür sichern sie sich in der Region potenzielle Flächen, führen Gespräche mit Politik und Bürgern und schreiben Anträge. Windenergieprojekte mit einer Nennleistung von rund 250 Megawatt bearbeitet das Erneuerbare Energien-Team der Stadtwerke aktuell in verschiedenen Planungsphasen. Angesichts von Klima- und Energiekrise habe sich die Haltung zur Windenergie in vielen Kommunen positiv verändert: „Die Rahmenbedingungen für die Windenergie sind im Wandel. In den Kommunen bewegt sich aktuell viel zugunsten der Windenergie, von der Ausweisung von Flächen bis hin zur Akzeptanz in der Bürgerschaft. Alle haben erkannt, dass wir uns in Deutschland keine jahrelangen Verfahren leisten können, bis eine Windenergieanlage die erste Kilowattstunde liefert“, betont Jurczyk. Als kommunaler Projektentwickler legen die Stadtwerke großen Wert darauf, dass die Kommunen, Bürgerinnen und Bürger von neuen Windenergieprojekten direkt profitieren.

Der PV-Ausbau erreichte trotz geplanter Projekte mit einem Erzeugungspotenzial von insgesamt 3,5 MWp 2021 mit 308 kWp nicht die hohe Dynamik des Vorjahres. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten, der Verschiebung von Bauvorhaben und Fachkräftemangel bei ausführenden Firmen werden zahlreiche Projekte erst in 2022 und 2023 realisiert. Neben den Dachflächen wollen die Stadtwerke weiteres Potenzial für Sonnenenergie mit Agri-PV-Anlagen und Freiflächenanlagen erschließen. Aktuell ist eine Erweiterung der PV-Anlage auf der Zentraldeponie Coerde und eine Pilotanlage für Agri-PV in Amelsbüren in Planung. Für einige der geplanten Anlagen werden die Stadtwerke Münster Bürgerbeteiligungen anbieten. Die in 2021 ausgegebenen Anteile waren binnen 36 Stunden vollständig gezeichnet: „Beim Ausbau der Erneuerbaren spüren wir starkes Interesse und Rückenwind aus der münsterschen Stadtgesellschaft“, so Jurczyk.

Ein weiteres wichtiges Ziel der Stadtwerke ist es, die Fernwärme für Münster langfristig klimaneutral aus verschiedenen erneuerbaren Wärmequellen bereitzustellen. Der Großteil der grünen Wärme soll perspektivisch mit Geo- und Solarthermie sowie mit Wärmepumpen gewonnen werden. Ein erster wichtiger Schritt für die Erschließung von Erdwärme waren die seismischen Messungen des Landes NRW im vergangenen Herbst. Parallel trieben die Stadtwerke Planungen für Großwärmepumpen und Oberflächen-Geothermie in einem Neubaugebiet voran. Noch in diesem Jahr werden die ersten Grüne-Wärme-Projekte ausgeschrieben und im Stadtgebiet sichtbar.

Zeitgemäßer ÖPNV ist elektrisch, verzahnt und digital
Klimafreundlich und emissionsfrei befördern immer mehr Buslinien in Münster die Fahrgäste ans Ziel. 2021 wuchs die Elektrobusflotte um 12 neue Fahrzeuge. Mit der Linie 8 wurde die dritte Buslinie elektrifiziert und eine Ladestation im Stadtteil Coerde in Betrieb genommen. Eine fünfte Ladestation für Elektrobusse bauen die Stadtwerke derzeit am Bahnhof Hiltrup in Münsters Süden. „Dank der guten Förderkulisse werden wir schon 2029 vollständig auf Dieselbusse verzichten können. Dabei kommt uns auch zugute, dass wir zu den Pionieren beim Einsatz elektrischer Busse gehören“, sagt Frank Gäfgen, Geschäftsführer Mobilität. „Unsere Erfahrungen teilen wir und unterstützen auch unsere Partnerunternehmen auf ihrem Weg zur elektrischen Busflotte.“

Das On-Demand-Angebot LOOPmünster im südlichen Stadtgebiet erfreute sich im ersten vollen Betriebsjahr großer Beliebtheit: 162.000 Fahrgäste nutzen es in 2021 und bewerteten ihre Zufriedenheit mit 4,7 von 5 Punkten. Um Parallelfahrten von Linien- und Kleinbus zu vermeiden, wurde das Buchungssystem im Sommer 2021 angepasst. Dies erlaubte die Ausweitung des Pilotgebiets bis in die Davert und an den Albersloher Weg und wirkte sich positiv auf die Verfügbarkeit der LOOPmünster-Fahrzeuge aus. Schon heute machen sich die Stadtwerke intensive Gedanken über eine Anschlussoption nach Ende der Projektlaufzeit im Sommer 2023.

„Zeitgemäßer Nahverkehr ist für uns mehr als ein Verkehrsmittel mit Fahrplan – es ist die intelligente und digitale Verzahnung unterschiedlicher Verkehrsträger. Deswegen probieren wir in Pilotprojekten wie LOOPmünster neue Verkehrsangebote aus, investieren in modernes Carsharing und kooperieren mit dem E-Scooter-Anbieter TIER“, so Gäfgen. Um mehr Menschen vom Umstieg in den Nahverkehr zu überzeugen, brauche es auch zuverlässige und schnelle Verbindungen: „Die neue Busspur am Hauptbahnhof erhöht die Zuverlässigkeit und ist ein Schritt in Richtung Mobilitätswende, auf den noch weitere folgen müssen.“

Diverser in die Zukunft: Glasfaserausbau, smarte Dienste, Bauprojekte
Tempo machen die Stadtwerke beim schnellen Internet via Glasfaser. Im Sommer besiegelten Stadtwerke und Telekom ihr gemeinsames Ziel, ein großflächiges Glasfasernetz in Münster auszubauen. 160.000 Haushalten wollen die Partner bis 2030 einen schnellen Internetanschluss bis in die Wohnung zu ermöglichen. Seit November 2021 bauen die beauftragten Stadtnetze in Mauritz-West das Netz aus, in weiteren Gebieten läuft die Vorvermarktung.

Moderne digitale Netze bilden auch die Grundlage für zahlreiche Stadtwerke-Aktivitäten rund um die Smart City. Intelligente, digitale Technologien auf Basis von LoRaWAN erproben die Stadtwerke beispielsweise gemeinsam mit der Stadt Münster im Reallabor Nieberdingstraße, aber auch im eigenen Betrieb – etwa bei der automatisierten, sensorgestützten Überwachung von Fernwärmeschächten oder intelligenten Parksensoren.

Ausgeweitet haben die Stadtwerke ihre Bautätigkeiten. Im Auftrag der Stadt Münster werden Tochterunternehmen komplexe Bauprojekte steuern. Bereits im Herbst 2021 begann die Stadtwerke-Tochter Bädermanagement GmbH mit dem Bau eines neuen Hallenbads am Inselbogen. Mit einer eigens gegründeten Gesellschaft Bauwerke Münster werden die Stadtwerke außerdem den Bau des neuen Stadthaus 4 am Albersloher Weg sowie des neuen Preußenstadions verantworten.

Für das Geschäftsführungsduo ist die Diversifizierung des Kerngeschäfts für die Zukunft der Stadtwerke Münster entscheidend: „Wir stellen die Stadtwerke Münster abseits vom klassischen Energie- und Verkehrsgeschäft diverser auf, um das Unternehmen nachhaltig fit für die Zukunft zu machen. Dazu gehört alles, was hilft den Alltag der Münsteranerinnen und Münsteraner nachhaltiger, smarter und komfortabler zu gestalten“, sagen Sebastian Jurczyk und Frank Gäfgen.

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