Seit 125 Jahren Dein sicherer Hafen
Schon kurz vor der Gründung der heutigen Stadtwerke, nämlich 1898, wurde in direkter Nachbarschaft des Betriebsgeländes der Hafen gebaut. Heute erinnert nur noch wenig daran, dass Dampfkähne über den Kanal Kolonialwaren, Holz oder andere Baustoffe an die Kaimauer geliefert haben, die in Speichergebäuden an der Hafenkante gelagert und dann per Zug weitertransportiert wurden.
Die Ursprünge
Voraussetzung für einen Hafen ist ein Meer, Fluss oder Kanal. Da Münster weder am Meer liegt noch ein schiffbarer Fluss durch die Stadt fließt, brauchte es letzteres: Um 1892 ging der Dortmund-Ems-Kanal in Bau. Nur einige Jahre später wurde er eröffnet – und mit ihm 1898 auch der Stadthafen Münster. Am 15. und 16. Oktober 1899 wurde der Hafen feierlich eröffnet (dass der Hafen eigentlich schon ein Jahr früher fertig und in Betrieb genommen wurde, hat man den Ehrengästen vermutlich wohlweislich verschwiegen).
Aus der gleichen Zeit stammt übrigens auch das Hansaviertel, das früher Hafen-Neustadt hieß. Die Straßennamen wie Lingener, Dortmunder, Emdener oder Leerer Straße weisen bis heute auf die Verbindung zum Kanal hin.
740 Meter lang, 58 Meter mittlere Breite, 36.000 Quadratmeter: 19 große Kanalschiffe sollten in Münsters Hafen Platz finden. Gut angenommen von den Binnenschiffern wurde der Hafen schnell. Der Umschlag wuchs von 38.000 Tonnen im Jahr 1899 auf 235.000 Tonnen im Jahr 1911.
Neben Holz und Kolonialwaren (das sind Waren aus Übersee, wie Zucker, Kakao oder Gewürze) war Getreide mit 70 Prozent das meistgehandelte Gut – hauptsächlich als Futter für die Viehzucht. Der Hafen war auch Anziehungspunkt für viele Firmen, die sich dort verkehrsgünstig niederließen.
Der Erste Weltkrieg
Nachdem insbesondere der Getreidetransport über den Dortmund-Ems-Kanal während der Kriegsjahre weitgehend zum Erliegen gekommen war, ging auch der Umschlag im Hafen zurück. Nach Kriegsende stieg er schnell wieder an, unter anderem wurde Getreide angeliefert und in der Kiesekampschen Mühle gemahlen. Die Mühle stand dort, wo heute das Cineplex beheimatet ist, und war über eine Transportbrücke direkt mit dem Hafenbecken verbunden – der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an die graue Brücke, die den Albersloher Weg kreuzte.
Nicht nur als Arbeitsplatz, 2.000 Menschen arbeiten in den Betrieben am Hafen, auch für die Freizeit hatte der Hafen etwas zu bieten: Ab 1926 hat die Stadt die beiden Ausflugsschiffe „Münsterland“ und „Undine“ im Hafen stationiert, quasi Vorgänger der heutigen MS Günther. Hättet ihr es gewusst? Die MS Günther ist sogar älter als die beiden Ausflugsschiffe, sie wurde nämlich schon 1910 auf Stapel gelegt.
Im Sommer fuhren die beiden Schiffe regelmäßig nach Greven, Schmedehausen, Hiltrup, Amelsbüren und Senden – mit bis zu 18.000 Passagieren pro Jahr an Bord. Die Begeisterung hielt aber – anders als bei der heutigen MS Günther – nur kurz, 1935 hatte sich das Interesse bereits halbiert.
Der Zweite Weltkrieg
In den folgenden Jahren begann die Aufrüstung Deutschlands im so genannten Dritten Reich. Auch auf den Hafen von Münster hatte das Einfluss, denn gerade Baustoffe waren nun gefragt, um Kasernen, Kommandobauten und Versorgungseinrichtungen zu bauen. Ab 1933 wuchs so der Umschlag auf über eine halbe Million Tonnen im Jahr.
Ab 1940 begannen die Alliierten mit Bombenangriffen auf das Hafengebiet. Trotzdem wurden 1944 noch 250.000 Tonnen Waren umgeschlagen. Möglich war das wohl nur, weil im Hafen auch Kriegsgefangene eingesetzt wurden. Bis 1945 wurde der Hafen schwer beschädigt, die Kräne und Lager zerstört. Zu Kriegsende war das Hafenbecken nur noch eine matschige Trümmerlandschaft: Schiffswracks, zerstörte Kräne, Güterwaggons und Schienen lagen in den letzten Wasserresten.
Blütezeit des Hafens
Bereits 1946 wurde der Hafen wieder in Betrieb genommen, am 2. März legte das erste Schiff an. Der Güterumschlag legte schnell wieder zu, bereits um 1950 wurden 500.000 Tonnen Güter geliefert.
Seit 1953 haben wir als Stadtwerke dann die Hafenverwaltung übertragen bekommen. Heute kaum vorstellbar: 50 Schiffe kamen an manchen Tagen an im Hafen Münster. Und unser Hafenmeister war mit seinem Dienstfahrrad von früh bis spät unterwegs: Ankünfte und Löschzeiten überwachen, Hafengebühren eintreiben sowie Fragen beantworten: Wo ist der nächste Supermarkt, wo kann ich meinen Müll loswerden? Gerade in einem kleinen Hafen wie Münster kannten sich Hafenmeister und Binnenschiffer, die Leute an Bord freuten sich, wenn ein bekanntes Gesicht auftauchte.
Viele Ladungen wurden direkt bei den ansässigen Betrieben verarbeitet oder gelagert. Holz bei Ostermann und Scheiwe in den Osmo-Hallen, Getreide in den Speichern von Flechtheim, Rhenus und WCG, der dort stand wo heute das Pierhouse beheimatet ist. Der Weitertransport erfolgte häufig per Bahn, die Gleise am Ufer und quer über den Hafenplatz zeugen noch heute davon. Das übrigens hat nicht alle erfreut. Überliefert ist der Beschwerdebrief eines Münsteraners, der eineinhalb Stunden am Albersloher Weg warten musste, weil 180 Waggons über die Schienen rangiert wurden.
4.300 Schiffe pro Jahr
In den 1960er Jahren war die Blütezeit des Hafens, mit bis zu 4.300 Schiffen, die jährlich ein- und wieder ausliefen, mit regelmäßig über einer Million Tonnen Güterumschlag.
Mit dem Aufkommen der Firmenhäfen – konkret der Ölhafen bei Gelmer und der WCG-Hafen am Industrieweg (heute ist das Agravis) – sank der Umschlag am Stadthafen langsam wieder und rutschte 1979 erstmals unter eine Million.
Wichtigster Abnehmer im Hafen wurden die Stadtwerke daher bald selbst: mit dem Ende der 1970er Jahre gebauten Kohlekraftwerk. Die Kohleschiffer brachten ihre schwarze Ladung bis ganz zur Hafenspitze. Dort entlud der Hafenkran, der heute das Wahrzeichen des Hafens ist, die Schiffe.
Gelagert wurde die Kohle im Kohlerundbunker, der heute noch dort steht und statt Kohle Fernwärme speichert. Über ein Transportband wurde die Kohle dann ins benachbarte Kraftwerk gebracht. Als wir das Kraftwerk 2005 auf Erdgas umgerüstet haben, fiel damit auch der letzte Großabnehmer von Gütern am Hafen weg.
Das letzte Schiff
Der 3. August 2012 war offenbar kein besonders bemerkenswerter Tag. Wikipedia vermerkt lediglich den ersten Dunking einer Frau in der Geschichte der Olympischen Spiele. Für Münster allerdings tat sich Historisches – auch wenn das kaum jemand mitbekommen hatte.
Am Hafen legte das letzte gewerbliche Schiff an und lieferte 800 Tonnen Sand für das Betonwerk Weber & Elskes. Der Betrieb lag am Hafengrenzweg, also nicht im Stichhafen, sondern als Parallelhafen direkt am Kanal und war der letzte, der noch regelmäßig Güter per Schiff bekam. 2012 zog er dann an die Eulerstraße um.
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