Seit 125 Jahren gemeinsam ans Ziel

historisches Dokument zur Eröffnungsfeier
Einladungskarte zur Eröffnungsfeier

Für Münster war es eine neue Ära der Mobilität: Am 13. Juli 1901 startete die „Elektrische“, wie die Straßenbahn weithin genannt wurde, mit einer Rundfahrt für Münsters Honoratioren, die das acht Kilometer lange Schienennetz erkundete. Anschließend wurde im Schützenhof ein rauschendes Fest gefeiert – nach Einbruch der Dunkelheit elektrisch beleuchtet.

Für die hohen Herren gab es Erdbeerbowle und kalte Küche, wie die Einladungskarte verrät. Als Kleidung war ein feiner Überrock – auch bekannt als Gehrock – gewünscht.

Ein historisches Foto von 1901 einer Straßenbahn an der Lambertikirche in Münster
Die Straßenbahn 1901 an der Lambertikirche

Damit die Bahnen fahren konnten, hatte die Stadt Münster am gerade eröffneten Hafen nicht nur ein neues Elektrizitätswerk für die Straßenbahn, sondern auch Wagenhalle und Werkstatt gebaut. 

Für die Münsteranerinnen und Münsteraner fuhren die Straßenbahnen zum Start auf drei Linien:

Die Rote Linie fuhr vom Bahnhof über Servatiiplatz, Salzstraße (durch die berühmte heulende Kurve), Drubbel und Spiekerhof bis zur Steinfurter Straße, wo sie an der Schmalen Straße endete.

Als Gelbe Linie startete die Straßenbahn an der Warendorfer Straße, sie fuhr über Servatiiplatz zum Prinzipalmarkt, Rothenburg und Ludgeristraße, von dort aus ging es über die Hammer Straße zum Alten Schützenhof.

Die Grüne Linie führte vom Marienplatz über Verspoel, Windthorststraße und Bahnhofsstraße zum Albersloher Weg – allerdings nicht lange, da sie unwirtschaftlich war und bald eingestellt wurde. Vom Bahnhof zum Albersloher Weg wurde die Strecke dann von der Roten Linie übernommen.

1909 übernahm die Stadt die Straßenbahn vom vorherigen privaten Betreiber und brachte sie mit dem Städtischen Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerk zusammen. Erstmals gab es nun alles aus einer Hand: Energie- und Wasserversorgung sowie Mobilität. Und dafür einen neuen Namen, der zwar noch nicht Stadtwerke hieß, aber Städtische Betriebsverwaltung.

Das Netz wurde dadurch weiter ausgebaut: Die neue Blaue Linie führte ab 1913 vom Roggenmarkt über Neubrücken- und Kanalstraße, durch das Kreuzviertel zur Kreuzschanze und weiter bis Nordplatz. Fünf Millionen Fahrgäste nutzen die Straßenbahnen in diesem Jahr, die Linienlänge betrug 13 km.

Erster Weltkrieg und Wirtschaftskrise stoppten den erfolgreichen Betrieb jäh: Kohlemangel im Elektrizitätswerk sorgte 1920 für regelmäßigen Stillstand auf den Linien, 1922 zog die Stadt schließlich den Stecker: Zum 30. September wurde der Betrieb komplett eingestellt. Das von Inflation geplagte Münster konnte sich die Straßenbahn nicht mehr leisten!

Schon gewusst?

Heute fahren die blauen Stadtbusse auf einer Linienlänge von über 400 km. 33 Mio Menschen steigen jedes Jahr ein. Das vermeidet jeden Tag eine Auto-Schlange von Münster bis nach Hamburg. Viele der heutigen Stadtteile von Münster gehörten damals noch nicht zur Stadt Münster und wurden daher nicht von der Straßenbahn angebunden. Erst mit der Gebietsreform 1975 wurden Sprakel, Gelmer, Handorf, St. Mauritz, Wolbeck, Angelmodde, Hiltrup, Amelsbüren, Albachten Roxel und Nienberge nach Münster eingemeindet.

Historisches Foto auf dem der zweigleisige Ausbau auf dem Prinzipalmarkt aus dem Jahr 1927 zu sehen ist
Zweigleisiger Ausbau aus dem Prinzipalmarkt 1927

Ausbau des Netzes

Als sich die Wirtschaft 1923 erholte, fuhren die Bahnen versuchsweise wieder für einige Tage, ab Februar 1924 starteten die Rote und Gelbe Linie wieder regulär, einige Monate später auch die Blaue Linie. Auf vielen Strecken erfolgte 1927 sogar ein zweigleisiger Ausbau, auch der Prinzipalmarkt wurde dafür komplett umgegraben. So entfiel das lästige Warten an Ausweichstellen vor den bisher eingleisigen Abschnitten.

1931 verloren sie Linien nun auch ihre Farben, aus Rot wurde 1, aus Gelb 2 und aus der Blauen die Linie 3.

Karte des Münsteraner Liniennetzes aus dem Jahr ca. 1930
Liniennetz ca. 1930

Im Zweiten Weltkrieg wurde Münster schwer getroffen, das Straßenbahnnetz war in weiten Teilen unbefahrbar, Werkstatt, Wagenhallen und Wagen weitgehend zerstört. Da nach dem Ende des Krieges der Wiederaufbau der Energie- und Trinkwasserversorgung Priorität genoss, fuhren erst ab Sommer 1946 erste Busse durch Münster.

Am 13. November 1946 schließlich gingen auch die ersten Straßenbahnen wieder auf Linie, zusammengebaut in der eigenen Werkstatt aus Überresten der Vorkriegswagen.

Historisches Foto der Straßenbahn mit dem Aufdruck "Letzte Fahrt"
Letzte Fahrt der Straßenbahn

Die letzte Fahrt der Straßenbahn

Am 22. Oktober 1953 musste von jetzt auf gleich der Straßenbahnbetrieb zwischen Friedrichstraße und Danziger Freiheit eingestellt werden: Unterhöhlungen hatten die Schienen auf der Warendorfer Straße absinken lassen.

Der Plan der Verkehrsbetriebe, die Strecke wiederherzurichten wird vom Stadtrat durchkreuzt, der sich für den Umstieg auf Oberleitungsbusse (kurz O-Busse) entschied. Am 25. November 1954 fuhr die letzte Straßenbahn durch Münster.

Für Münster war es eine Richtungsentscheidung: Auch 2026 gibt es keine konkreten Pläne, die Tram wiederaufzubauen. Zu teuer und aufwändig wäre ein solches Unterfangen, für das nicht nur Gleise verlegt, sondern auch ein neuer Betriebshof mit Abstellhallen und Werkstatt benötigt werden würde. Stattdessen setzen wir immer mehr moderne Elektrobusse ein, die leise und umweltschonend Münsters Fahrgäste zu ihren Zielen bringen.

Wer eine Straßenbahn in Münster sehen möchte, kann das im Stadthaus 3. Dort haben die Mitglieder des Vereins zur Rettung der letzten Straßenbahn Münsters den Triebwagen 65  (Baujahr 1926) originalgetreu restauriert und ausgestellt.

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