Das große Runde am Alberlosher Weg

Wer Umgehungsstraße oder Albersloher Weg entlangfährt, der sieht an der Kreuzung der beiden Straßen ein großes, orangefarbenes Gerippe. Was hat es mit dem alten Industriegebäude aus den 50er Jahren eigentlich auf sich? Vom Namen kann man auf die ehemalige Funktion schließen: Gasometer, das hat doch mit Gas zu tun, oder? 

Wie sah es dort also früher aus und welche Funktion hatte der kreisrunde Bau? 

Eine Luftaufnahme der Hafengegend von Münster mit vielen großen Gebäuden
In dieser Luftaufnahme ist der Gasometer gefüllt. Vorn im Bild Ratio mit dem damaligen Warenhaus

Geschichte des Gasometers

Gasometer wie das am Alberloher Weg sind große, oberirdische Gasspeicher. Die gab es nicht nur in Münster, sondern in vielen Städten. Bekannt ist zum Beispiel der Gasometer Oberhausen, in dem regelmäßig Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden. 

Der Gasometer in Münster wurde 1953 errichtet und ersetzte zwei ältere und kleinere Gasometer, die auf dem Gelände der heutigen Halle Münsterland standen und von denen nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch ein Behälter mit einem Fassungsvermögen von 15.000 Kubikmeter Erdgas einsatzfähig war. In das neue Gasometer passten hingegen 75.000 Kubikmeter.  

Über 50 Jahre wurde dort Erdgas eingespeichert, das bei hohem Verbrauch an die Haushalte in Münster abgegeben wurde.  Die Funktion solcher Gasoemter ist übrigens nicht vergleichbar mit den Gasspeichern, über die heute immer wieder in den Nachrichten berichtet wird. Diese speichern Gas, das über die kalten, verbrauchsstarken Monate abgegeben wird. Gasometer federn nur lokale Verbrauchsspitzen ab. 

2005 wurde der Gasometer abgelöst von einem unterirdischen Gasröhrenspeicher. An der Weseler Straße vor Albachten liegen seitdem sieben 225 Meter lange Röhren unter der Erde. Seit 2003 steht das Gerippe am Albersloher Weg unter Denkmalschutz. 

Der Gasometer am Albersloher Weg ist ein regelmäßiges 20-Eck, 54 Meter im Durchmesser und 51,5 Meter hoch. Das Wasserbecken, dessen Funktion wir im nächsten Abschnitt erklären, ist 12 Meter hoch.  

Der Gasometer mit niedrigem Füllstand und geringer Behälterhöhe
Der Gasometer mit abgesenktem Gasbehälter

So funktionierte der Gasometer

Ein dreihübiger Teleskopgasbehälter, nicht ummantelt: so beschreibt ein Fachmann den Gasometer. Das Besondere an der Konstruktion war, dass man durch das Stahlgerippe hindurch den Behälter, auch Glocke genannt, mit dem Gas sehen konnte. Je nach Füllstand fuhr der Behälter sich entlang der horizontalen Streben in drei Stufen nach oben aus, eben wie ein Teleskop.  

So war zu erkennen, wie viel Gas derzeit (ungefähr) gespeichert war. War der schwarze Behälter ganz ausgefahren, war viel Gas gespeichert, war er nur knapp über dem blauen Sockel, war wenig Gas drin. Der genaue Füllstand lies sich außerdem an der Gasuhr ablesen, die heute noch immer vorhanden ist, aber auf 0 steht. 

 

Der blaue Sockel hatte ebenfalls eine wichtige Funktion. Entsprechend seiner Farbe war er mit Wasser gefüllt, das den Gasbehälter nach unten hin abgedichtet hat. Der Behälter tauchte am Rand in das Wasser ein, schwamm aber ansonsten ähnlich wie ein umgestülptes Glas auf dem Wasser. 

Der Raum zwischen Wasseroberfläche und Glocke konnte über eine Gasleitung mit Erdgas gefüllt und bei Bedarf wieder ins Gasnetz entleert werden. Weil das Wasser für die Konstruktion unerlässlich war, heißt dieser spezielle Typ von Gasometer übrigens auch Nassgasbehälter. Der Gasometer in Oberhausen hingegen war ein Trockengasbehälter, der zur Abdichtung kein Wasser benötigte.

Das alte Gasometer ist im Gegenlicht zu sehen, die Sonne geht auf
Quo vadis, Gasometer?

So geht's weiter mit dem Gelände

Nach seiner Außerdienststellung wurde der Gasometer immer mal wieder für kulturelle Zwecke genutzt, unter anderem für Ausstellungen und Aufführungen des Wolfgang-Borchert-Theaters. 

Inzwischen, nach 20 Jahren überwiegendem Leerstand, tut sich aktuell wieder was auf dem Gelände am Albersloher Weg. Als denkmalgeschütztes Gebäude ist der Gasometer zu erhalten – aber in welcher Form? 

2024 hat die Berliner Firma UTB das Gelände erworben. 2026 wurde bekannt, dass der ursprüngliche Entwurf finanziell nicht mehr tragfähig gewesen würde, daher finden derzeit Neuplanungen statt. 

Ein alter Gasometer von Innen, zu sehen sind Stahlboden und -wände sowie ein Stahlgerüst
Innenansicht des Gasometers heute
Zwei große Rohre, mit Graffiti besprüht, führen in ein Gebäude
Gas-Zu- und Ableitung vor dem Gasometer
In der alten Gasregler- und Transformatorenstation des Gasometers stehen verschieden Pumpen und Rohre
Innenansicht der Gasregler- und Transformatorenstation

Newsletter abonnieren

Erfahren Sie in unserem Newsletter voll Geschichte mehr über die Vergangenheit von Münster und wie wir das Stadtbild über die Jahre hinweg mitgeprägt haben.

Das große Runde am Albersloher Weg - Stadtwerke Münster