48 Jahre im Wandel: Von Schreibmaschine bis KI

Team Münster – Mein Job. Meine Story.

Jutta Nerlich

Seit 1978 ist Jutta Teil der Stadtwerke und hat erlebt, wie sich Arbeitswelt, Technik und ihr eigener Berufsalltag verändert haben. Im Jubiläumsjahr wirft sie einen Blick zurück in die letzten (fast) fünf Jahrzehnten im Unternehmen.

Du bist am 01.08.1978 bei den Stadtwerken in Deine Ausbildung gestartet. Nimm uns gerne mit zurück und beschreibe uns, wie Du Deine erste Zeit im Unternehmen wahrgenommen hast.

Als ich 1978 meine Ausbildung zur Bürogehilfin bei den Stadtwerken begonnen habe, war natürlich erst einmal alles neu für mich. Plötzlich fuhr ich jeden Tag mit dem Bus nach Münster – in eine Stadt, in die ich vielleicht maximal zweimal im Jahr zum Einkaufen hinkam. Allein das war schon eine große Umstellung.

Auch das damalige Verwaltungsgebäude kam mir riesig vor. Während der Ausbildung wechselten wir alle zwei bis drei Monate die Abteilung und lernten dadurch viele unterschiedliche Bereiche kennen. Natürlich gab es Abteilungen, in denen man besonders gerne war – und andere, bei denen das vielleicht etwas weniger der Fall war.

Auch sonst sah der Arbeitsalltag ganz anders aus als heute: Computer, Handys oder soziale Netzwerke gab es nicht, geschrieben wurde per Hand oder an der Schreibmaschine und in der Kantine gab es Fertiggerichte. Und auch das Hafengebiet hatte damals noch ein völlig anderes Gesicht und war längst nicht so schick wie heute.

All diese Eindrücke waren für mich am Anfang eine riesige Umstellung. Dass aus meiner Ausbildung einmal fast fünf Jahrzehnte bei den Stadtwerken werden würden, hätte ich damals natürlich nicht gedacht.

Was würdest Du sagen, war damals anders?

Vieles, als ich angefangen habe, war die Arbeitswelt eine ganz andere. Mit meiner Ausbildung zur Bürogehilfin war der Weg zunächst ziemlich vorgezeichnet: Man war häufig die damals klassische „Vorzimmerdame“. Das Frauenbild und die Rollen im Berufsleben haben sich seitdem deutlich verändert – und damit auch die Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Auch die Art, wie wir gearbeitet haben unterscheidet sich sehr zu heute. Arbeitszeiten waren weniger flexibel und dadurch waren die Tagesabläufe vieler Kolleginnen und Kollegen ähnlicher, vieles fand stärker im direkten persönlichen Austausch statt. Wir sind zum Beispiel gemeinsam in einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit gefahren, da es noch feste Arbeitszeiten gab. Dadurch hat man viel Zeit miteinander verbracht und es entstand schnell ein Gefühl von Zusammenhalt. Heute haben wir deutlich mehr Flexibilität sowohl in den Arbeitszeiten als auch bei der Wahl des Arbeitsortes, gleichzeitig hat sich dadurch natürlich auch das Miteinander verändert. Wir haben immer noch eine starke Gemeinschaft, aber eben eine andere als damals.

Und dann ist da die Technik, das ist wahrscheinlich das Auffälligste, was sich verändert hat. Vieles, was heute innerhalb weniger Klicks erledigt ist, lief damals über Papier, Akten, Schreibmaschine sowie Hauspost in Umlaufmappen und hat viel mehr Zeit in Anspruch genommen. Wenn ich mir anschaue, welche Möglichkeiten wir heute haben, liegen da wirklich Welten zwischen.

Jutta Nerlich steht vor einer weißen Board.

"Wenn ich heute zurückblicke, finde ich vor allem besonders, dass ich diesen gesamten Wandel innerhalb eines Unternehmens miterlebt habe."

Du sagst, Du bist gerne mit dem Wandel gegangen. Was hat Dir dabei geholfen, immer offen für Neues zu bleiben und Veränderungen mitzugehen?

Ich glaube, entscheidend war für mich, Veränderungen nicht als etwas Negatives zu sehen, sondern neugierig zu bleiben und mich darauf einzulassen. Viele Neuerungen haben die Arbeit schließlich auch erleichtert und neue Möglichkeiten geschaffen.

Natürlich musste man sich immer wieder umstellen und dazulernen. Aber genau das gehörte für mich dazu. Ich habe mich gerne mit neuen Themen beschäftigt und versucht, Veränderungen für meine Arbeit zu nutzen. So bin ich eigentlich ganz selbstverständlich mit dem Wandel gegangen.

Was genau machst Du heute und wie hat sich Deine Arbeit zu damals entwickelt?

Heute arbeite ich im Unternehmensbereich Recht + Immobilien + Revision + Versicherung und kümmere mich dort vor allem um die Vermarktung, Vermietung, Verpachtung und Verwaltung der Konzernimmobilien, den Erwerb von Grundstücken oder um die grundbuchliche Sicherung. Seit meiner Ausbildung habe ich verschiedene Bereiche und Aufgaben kennengelernt – von der Rechtsabteilung über den Fernwärme-Bereich bis hin zur allgemeinen Grundstücksverwaltung, und zu meiner heutigen Tätigkeit mit Fokus auf unsere Immobilien.

Nicht nur meine Aufgaben haben sich weiterentwickelt, sondern auch wie schon erwähnt die Werkzeuge, mit denen ich arbeite. Angefangen habe ich mit Stenografie und Schreibmaschine und habe sogar dort schon die verschiedenen Entwicklungen der Schreibmaschine – analog bis halbautomatisch - miterlebt. Damals waren Maschineschreiben und Steno sogar noch Prüfungsfächer! Dann kam der Computer, immer mehr Prozesse wurden digitalisiert und effizienter, heute beschäftigen wir uns mit KI und nutzen sie, um unsere Prozesse zu optimieren. Wenn man sich diesen Weg einmal vor Augen führt – von der Schreibmaschine bis zur KI – ist das schon eine enorme Entwicklung.

Im Immobilienbereich habe ich außerdem erlebt, wie wichtig eine gute Dokumentation ist – auch als noch alles ausschließlich auf Papier vorlag. Was viele gar nicht wissen: für die Energieversorgung haben wir über 1.000 eigene und gepachtete Grundstücke in Münster. Bei unserer Grundstücks-Dokumentation waren wir schon früh gut aufgestellt und hatten vieles bereits strukturiert erfasst – früher als andere Unternehmen. Das hat uns bei den weiteren Entwicklungen natürlich geholfen, als sich die Arbeit innerhalb weniger Jahre an den Computer verlagert hat.

Wenn ich heute zurückblicke, finde ich vor allem besonders, dass ich diesen gesamten Wandel innerhalb eines Unternehmens miterlebt habe.

Du kannst auf 48 Jahre Unternehmenszugehörigkeit zurückblicken. Warum bist Du den Stadtwerken so lange treu geblieben?

48 Jahre in einem Unternehmen – das klingt erst einmal nach einer unglaublich langen Zeit. Für mich hat es sich aber nie so angefühlt, als würde ich 48 Jahre lang das Gleiche machen. Ich hatte immer wieder die Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln, neue Aufgaben zu übernehmen und unterschiedliche Bereiche kennenzulernen. Seien es die unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten, die ich ausüben konnte oder aber auch meine Weiterbildung zur Immobilienberaterin.

Ich habe mich bei den Stadtwerken immer wohlgefühlt und arbeite gerne mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen. Gleichzeitig gab es durch die vielen Veränderungen auch immer wieder etwas Neues. Das Gesamtpaket hat für mich einfach gepasst – und so sind aus ein paar Jahren am Ende 48 geworden.

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