Voller Einsatz bei der Wasserversorgung

Team Münster – Mein Job. Meine Story.

Ein Mann mit Bart steht vor einem See.

Wasser verbindet: Im Interview berichtet Jürgen von seinem Einsatz in Ghana und davon, wie nachhaltige Wasserversorgung über Ländergrenzen hinweg gestaltet werden kann.

Erzähl uns mehr über Dich und Deine Arbeit im Team Münster!

Wo fange ich da an – schließlich schaue ich mittlerweile auf einunddreißig Jahre im Unternehmen zurück. Begonnen habe ich mit meiner Ausbildung zum Sondermaschinenbauschlosser, also etwas, das man nicht als erstes mit der Wasserversorgung übereinbringt. Dann habe ich mich entschlossen, einen anderen Weg einzuschlagen und erst den Maschinenbautechniker und anschließend den staatlich geprüften Umweltschutztechniker aufgesattelt.

Im Team Münster bin ich seither im Bereich der Wasserwerke unterwegs, heutzutage als Fachspezialist in der Wasserwirtschaft. Das bedeutet, ich kümmere mich darum, dass die Wassergewinnung auf eine sichere Basis gestellt wird, zuverlässig und vor allem nachhaltig funktioniert.

Zu meinen Aufgaben gehört es, mich um die erforderlichen Wasserrechte zu kümmern – also das Fundament, um überhaupt Wasser entnehmen zu dürfen. Des Weiteren geht es darum, vorbeugenden Gewässerschutz zu betreiben und Maßnahmen zum Schutz der Qualität und Quantität zu sichern, damit auch für die nachfolgenden Generationen Trinkwasser effizient zur Verfügung steht. In diesem Zusammenhang ist ein intensiver Austausch mit verschiedenen Behörden und Akteuren aus Wasser-, Natur-, Boden-, Forst-, Gesundheitsschutz und -überwachung sowie der Landwirtschaft erforderlich.

In Deutschland haben wir sehr hohe Standards an die Wasserversorgung, diese wollen und müssen sichergestellt sein.

Das ist nicht überall so, deshalb warst Du für einen Fachaustausch in Ghana. Magst Du uns einen Einblick geben, wie die Wasserversorgung sich von der in Münster unterscheidet?

Für uns ist es selbstverständlich, dass wir zu jeder Tages- und Nachtzeit überall im Land den Wasserhahn aufdrehen und Trinkwasser in bester Qualität und ausreichender Menge nutzen können. In Tamale (Stadt im Norden von Ghana) stehen viele Menschen morgens auf und müssen erstmal schauen, ob sie überhaupt halbwegs trinkbares Wasser zur Verfügung haben.

Ein wenig Infrastruktur gibt es in der Regel nur in den größeren Städten und dort oft auch nur rudimentär. In ländlichen Gegenden gehen viele Menschen lange Wege, um sich Regenwasser aus einer „Senke“ (Wasserstelle) mit Eimern und Kanistern zu schöpfen, welches sie dann zum Teil über mehrere Kilometer nach Hause tragen. Das Wasser ist in der Regel nicht sauber, Tiere nutzen diese Quelle zum Trinken und Autos fahren hindurch. Im Idealfall wird das Wasser zumindest abgekocht, was aber nicht sichergestellt ist, da die Ressourcen für Feuer gering sind.

In etwa 50 Kilometern Entfernung von Tamale gibt es ein Wasserwerk, das Wasser aus dem White Volta entnimmt, aufbereitet und über Rohrleitungen bis nach Tamale weiterleitet. Aufgrund der langen Transportwege und unerlaubter Wasserentnahmen kommt dieses Wasser aber nur bedingt bei den Menschen an. Diese fehlende Grundversorgung trifft mich und auch mein Wasserwerker-Herz.

Eine Menschengruppe steht vor dem Wasserwerk in Tamale in Ghana.

"In dem Wasser-Projekt für Wamale kommen die unterschiedlichen „Gewerke“ zusammen, die wichtig sind, um Wissen für das Thema zu vermitteln, Akzeptanz zu fördern und es ganzheitlich zu denken."

Wie kam es dazu, dass Du dieses Projekt unterstützt und wie passt das zu Deiner Arbeit im Team Münster?

Seit 2022 sind die Stadt Münster und die Stadt Tamale als Projektpartnerstädte offiziell miteinander verbunden, um die Menschen in Wamale, einem ländlich gelegenen Stadtteil Tamales, bei der Versorgung mit Trinkwasser zu unterstützen. In die kommunale Partnerschaft sind auch Hochschulen, allen voran die FH Münster, die University for Development Studies und die Techn. Universität Tamale in Tamale, involviert.

Das Büro Internationales der Stadt Münster hat gemeinsam mit der FH Münster ein Expert_innen-Team der Wasserwirtschaft in Münster gegründet. In diesem Rahmen ist die Stadt Münster bzw. die FH Münster auf mich zugekommen, ob ich bei dem Thema mitarbeiten möchte. Sie kannten mich unter anderem von Wasserwerksführungen und studentischen Arbeiten bei uns.

In dem Wasser-Projekt für Wamale kommen die unterschiedlichen „Gewerke“ zusammen, die wichtig sind, um Wissen für das Thema zu vermitteln, Akzeptanz zu fördern und es ganzheitlich zu denken: auf der einen Seite Fachleute für Trinkwasser, Abwasser und Abfall, auf der anderen Seite auch Expert_innen für Lehre und kulturelle Wissensvermittlung.

Als man mich fragte, ob ich das Projekt unterstützen kann, habe ich mich sofort dafür begeistert. Für mich passt das perfekt zu meiner Arbeit im Team Münster, denn es geht um das Thema, das uns hier täglich beschäftigt: die sichere und nachhaltige Wasserversorgung.

Im Projekt geht es nicht nur darum, Technik bereitzustellen, sondern vor allem darum, Wissen weiterzugeben und den Menschen vor Ort zu helfen, ihre Wasserversorgung langfristig selbst in die Hand zu nehmen. So wollen wir sicherstellen, dass sie die Technik verstehen, selbst instand halten können und das Wissen weitergeben – ganz nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Nur so kann die Wasserversorgung langfristig funktionieren.

Das Projekt setzt also stark auf „Hilfe zur Selbsthilfe“. Wie habt ihr vor Ort dafür gesorgt, dass die Menschen in Wamale langfristig eigenständig mit der Trinkwasserversorgung umgehen können?

Erst einmal waren wir „nur“ vor Ort, haben uns die Bedingungen angeschaut und unser lokales Netzwerk ausgebaut.

Grundsätzlich war es wichtig, die Menschen und die Gegebenheiten vor Ort kennenzulernen. Ein erster Erfolg war, dass wir es durch die Projektpartnerschaft geschafft haben, den Austausch zwischen der Stadt Tamale, dem Chief und Wasserkomitee von Wamale sowie den Fachbereichen der lokalen Unis und der Ghana Water Company anzuregen und zusammen weiter an dem Projekt zu arbeiten.

Das ist ein erster Schritt, um Möglichkeiten für eine sichere Wasserversorgung zu finden, die vor Ort nachhaltig funktionieren. Ein großer Vorteil ist, dass die Fachkräfte aus der Uni vor Ort gut ausgebildet sind und bereits einiges an Wissen mitbringen.

Ihr seid nun alle wieder in Deutschland, wie geht es jetzt weiter?

Wir als Projektteam haben nun ein gutes Bild über die Gegebenheiten vor Ort und aggregieren das Ganze. Sowohl jeder oder jede für den eigenen Tätigkeitsbereich als auch gemeinsam im Projektteam.

Das heißt: Wir werten gesammelte und selbst erfasste Daten und Informationen aus, erstellen ein erstes Konzept und stimmen uns im Projektteam und mit den Partner_innen ab, um dann hoffentlich bald entscheiden zu können, welche konkrete Maßnahme wir leisten können und in welchem Umfang. Wir versuchen dazu bereits Fördergelder zu akquirieren, erste Anfragen sind gestellt.

Mich begeistert das Projekt sehr und ich freue mich, wenn ich eine sichere, saubere und vor allem auch nachhaltige Wasserversorgung für Wamale weiter mitgestalten darf. Ich würde sagen: „to be continued“!

Eine Menschengruppe steht in einer Einfahrt und tragen Warnwesten und halten Sicherheitshelme in ihren Händen.

Expertinnen und Experten aus Münster und Tamale erarbeiten gemeinsam Lösungen für eine zukunftsfähige Wasserversorgung des Stadtteils Wamale. Falls Du mehr über das Wasserprojekt in Tamale wissen willst, findest Du weitere Infos hier.

Du möchtest mehr über die vielfältigen Möglichkeiten und spannenden Geschichten aus dem Team Münster erfahren?

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Voller Einsatz bei der Wasserversorgung - Stadtwerke Münster