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Aktuelle Informationen zur Gasversorgungslage in Münster und deren Auswirkungen

Die Nachrichten über die Gasversorgung in Deutschland überschlagen sich in diesen Tagen. Die täglich neuen Entwicklungen verunsichern viele Verbraucherinnen und Verbraucher. Die wichtigsten Informationen zur Gasversorgung in Deutschland und in Münster sowie zum bundesweiten Notfallplan Gas haben wir für Sie zusammengestellt.

Am Donnerstag, 23. Juni 2022, hat die Bundesregierung die zweite Stufe im Gas-Notfallplan ausgerufen, die Alarmstufe. Die Gasversorgung in Deutschland ist zwar aktuell stabil, die Lage aber mit Blick auf den kommenden Winter ernst. Die Reduzierung oder einen potenziellen Ausfall der russischen Gaslieferungen gefährdet das Ziel, die deutschen Gasspeicher bis zur kommenden Heizperiode auf 90 Prozent zu füllen.

Die aktuelle Situation ist nach Einschätzung der Bundesregierung durch den Markt zu bewältigen. Vor allem große Industrieunternehmen müssen nun Vorkehrungen treffen, um ihren Gasverbrauch zu reduzieren.

Aber auch Privathaushalte und Gewerbetreibende sind angehalten, mit Blick auf die kommende Heizperiode schon jetzt Energie zu sparen und damit das Auffüllen der Gasspeicher für den Winter zu unterstützen. Gas ist ein knappes Gut. Jede gesparte Kilowattstunde ist gut

  • für die Versorgungssicherheit im Winter - denn es unterstützt das Füllen der Gasspeicher,
  • für den Geldbeutel – denn es spart Kosten
  • und für das Klima- denn es entstehen weniger Emissionen.

Auswirkungen auf Erdgas-Kunden

Die Aktivierung des Notfallplan Gas und die Ausrufung der verschiedenen Stufen hätte kaum direkte Auswirkungen auf die Versorgung privater Haushalte und den Großteil der gewerblichen Verbraucher als geschützte Kundengruppe. Der Gas-Notfallplan ist genau dafür entwickelt worden, um die Versorgung dieser geschützten Gruppen – Haushalte, Gewerbetreibende und grundlegende soziale Dienste (z.B. Krankenhäuser) – trotz einer verringerten Verfügbarkeit von Erdgas sicherzustellen.

Für diese geschützten Gruppen ist auch in der dritten von drei Stufen, der Notfallstufe, keine Abschaltung oder Reduzierung der Gaslieferung vorgesehen. Dass der Fall dennoch eintritt, ist extrem unwahrscheinlich.

Denn: Deutschland bezieht zwar große Gasmengen aus Russland, aber nicht ausschließlich. Auch bei einem russischen Lieferstopp gelangt weiter Gas nach Deutschland, aus den Niederlanden, Norwegen und anderen EU-Staaten.

In der Notfallstufe kann es bei Betrieben mit hohem Erdgasverbrauch, deren Gasbezug per registrierender Leistungsmessung (RLM) messen wird, zu einer Reduzierung der Gaslieferung kommen. 

Wie entwickeln sich die Erdgas-Preise?

Wie genau sich die Energiepreise entwickeln werden, ist nicht absehbar. Fest steht aber, dass die Handelspreise für Energie unverändert auf einem extrem hohem Niveau liegen und weiter steigen.

Zum 1. November 2022 werden wir die neue Gasbeschaffungsumlage an alle Erdgas-Vertragskunden sowie in Fernwärmeverträgen weitergeben. Mit welcher Höhe die Gasbeschaffungsumlage und die zwei weiteren Umlagen zu Buche schlagen ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht final, da noch zwei weitere Umlagen hinzukommen, deren Höhe noch nicht feststeht. Bis Mitte September informieren wir alle betroffenen Kunden auf schriftlichem Weg, wie hoch die Umlagenbelastung konkret sein wird.

Ab 1. Oktober 2022 wird eine Umlage von 2,419 Cent je Kilowattstunde Erdgas erhoben. Die Umlage soll den Gasmarkt stabilisieren und einen finanziellen Ausgleich für wirtschaftlich angeschlagene Gasimporteure schaffen, die in Folge der reduzierten Gaslieferungen aus Russland immense Mehrkosten für die Nachbeschaffung haben. Die Grundlage der Umlage ist § 26 des Energiesicherungsgesetzes. Je nach Lage kann die Höhe der Umlage durch THE geändert werden, jedoch soll sie sich frühestens drei Monate nach der letzten Anpassung ändern.

Zum 1. Oktober tritt zudem eine zweite Gas-Umlage in Kraft: die Gasspeicherumlage. Diese Umlage soll die Kosten für die Befüllung der Gasspeicher durch Trading Hub Europe abdecken. Die Höhe dieser Umlage ist noch unbekannt und soll am 18. August von THE veröffentlicht werden. Die Gasspeicherumlage ist vom 1. Oktober 2022 bis 31. März 2025 befristet. Die bereits bestehende Bilanzierungsumlage soll für das neue Gasjahr, das am 1. Oktober 2022 beginnt, neu kalkuliert werden. Bislang beträgt sie null Euro pro MWh.

Die Preisentwicklung trifft die ganze Branche und wird sich vermutlich in der Preisgestaltung aller Energieversorger in Deutschland niederschlagen. Wie die Preise sich weiter entwickeln werden, lässt sich heute nicht seriös beantworten, auch vor dem Hintergrund sich ändernder Gesetze und Verordnungen.

Tipp: Passen Sie Ihre Abschläge an, um Nachzahlungen zu vermeiden. Das geht ganz einfach im Kundenportal.

Wir sind uns bewusst, dass hohe Energiekosten insbesondere einkommensschwache Haushalte treffen und begrüßen, wenn die Politik Instrumente entwickelt, diese zu entlasten.

Auswirkungen auf Fernwärme-Kunden

Unsere Fernwärme-Kunden werden auch in einer akuten Gasmangellage mit Wärme versorgt.

Wir haben vorgesorgt für den Fall, dass in unserem Kraftwerk kein Gas mehr eingesetzt werden kann oder darf. Wir können im Kraftwerk auf den Brennstoff Heizöl wechseln.

Fernwärme-Kunden aus den Gebieten Albachten/Roxel, Amelsbüren und Hiltruper Baumschule, die mit sogenannter Nahwärme aus Blockheizkraftwerken versorgt werden, erhalten weiterhin Wärme. Denn diese Blockheizkraftwerke gelten als geschützt.

Auch Geschäftskunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM) werden weiterhin mit Fernwärme versorgt. Mögliche Maßnahmen beziehen sich ausschließlich auf den reinen Erdgasbezug.

Auswirkungen auf Strom-Kunden

Einen Ausfall der Strom-Versorgung durch eine Gasmangellage halten wir nach derzeitigem Stand für extrem unwahrscheinlich.

Wie sich die Strompreise in den nächsten Monaten entwickeln werden, ist nicht absehbar. Strom- und Gaspreise sind jedoch aus verschiedenen Gründen eng miteinander verbunden, in den letzten Monaten relativ parallel gestiegen und liegen unverändert auf einem extrem hohen Niveau.

Tipp: Passen Sie Ihre Abschläge an, um Nachzahlungen zu vermeiden. Das geht ganz einfach im Kundenportal.

Auswirkungen auf Geschäftskunden

Die meisten Geschäftskunden gehören ebenfalls zur geschützten Gruppe, deren Erdgaslieferung sicherzustellen ist. Bei Betrieben mit hohem Gasverbrauch, deren Gasbezug per registrierender Leistungsmessung (RLM) messen wird, kann es jedoch in der Notfallstufe zu einer Reduzierung der Gaslieferung kommen.

Dann regelt die Bundesnetzagentur deutschlandweit die Erdgasverteilung. Das bedeutet auch, sie kann kurzfristig anweisen, dass im Netzgebiet Münster/Drensteinfurt der Gasverbrauch bei ungeschützten Betrieben durch den Netzbetreiber reduziert werden muss. Das passiert, indem vorher definierten (Industrie-)Kunden durch den lokalen Netzbetreiber geringere Mengen oder gar kein Gas mehr geliefert wird.

Auswirkungen auf die Stadtwerke Münster

Die Stadtwerke Münster stehen auf wirtschaftlich soliden Füßen und haben viele Vorkehrungen getroffen, um die Energiekrise zu überstehen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass die Stadtwerke Münster durch die Krise schmerzhafte wirtschaftliche Einbußen haben. Jedoch hat die Politik Mechanismen entwickelt, um Unternehmen der Energieversorgung zu stützen, die wir in Anspruch nehmen werden, wenn nötig.

Klimaschutz

Unsere Strategie, die erneuerbaren Energien massiv auszubauen und schrittweise die Anteile erneuerbarer Wärme in die Fernwärme zu erhöhen, ist angesichts der Gaskrise richtiger denn je. Nur der Ausbau erneuerbarer Strom- und Wärmeanlagen führt aus der Abhängigkeit von importierten Energieträgern. Diesen Pfad verfolgen wir weiter.

Im Spagat zwischen kurzfristiger Versorgungssicherheit und ökologischem Anspruch müssen wir in einer akuten Krisensituation aber Kompromisse machen und möglicherweise z.B. Heizöl anstatt Erdgas für die Fernwärmeerzeugung nutzen.

Auswirkungen auf das Kraftwerk am Hafen

Wenn Gas nicht mehr für die Stromproduktion eingesetzt werden darf, können wir in den Gasturbinen in unserem Kraftwerk keinen Strom mehr erzeugen. Die fehlenden, bereits vermarkteten Strommengen müssten nachgekauft werden.

Für die Erzeugung von Wärme können wir das Kraftwerk auf den Brennstoff Heizöl umstellen. Wir lagern in einem Heizöltank auf dem Betriebsgelände  ausreichend Heizöl für diesen Fall. Wie lang die eingelagerte Menge reicht, ist abhängig von der Witterung. Bei sommerlichen Temperaturen reicht eine Tankfüllung für rund vier Wochen. Bei Temperaturen von 5°C reicht eine Tankfüllung für 8 Tage.

Bei einem Wechsel auf Heizöl und kalten Temperaturen werden täglich bis zu acht große Tanklastzüge das Betriebsgelände anfahren müssen. Wir gehen heute davon aus, dass auch eine monatelange Ölzufuhr sichergestellt werden kann. Um das Verfügbarkeitsrisiko zu minimieren, setzen wir auf mehrere Lieferanten.

Was können Bürger tun, um die Situation zu verbessern?

Jeder Einzelne kann durch Energiesparen das Füllen der Gasspeicher bis zum Winter unterstützen und gleichzeitig die Energiekosten im Griff behalten. Je nach individueller Wohnsituation können Sie z.B. für eine optimal eingestellte Heizanlage sorgen (Wartung, hydraulischer Abgleich), Raumtemperaturen senken, Fenster und Türen abdichten, richtig heizen und lüften.

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