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Aktuelle Pressemitteilungen - Bereich Mobilität

25.02.2014

Stadtwerke holen ersten Elektrobus nach Münster

Forschungsprojekt startet auf der Linie 14

Fast völlig geräuschlos fährt die Linie 14 vom Bült ab und über den Prinzipalmarkt, auf dem gesamten Linienweg ist kaum ein Motorengeräusch zu hören – was klingt wie eine Zukunftsvision, wird in Münster schon ab Sommer diesen Jahres Realität. „Wir haben uns umfangreiche Fördermittel gesichert, um einen vollwertigen Elektrobus nach Münster zu holen“, erklärt Dr. Andreas Hoffknecht, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke. „Da wir den Elektrobus mit 100 Prozent Ökostrom betanken, fährt er vollständig klimaneutral. Das ist ein weiterer wichtiger Baustein, mit dem die Stadtwerke die Umweltziele der Stadt Münster unterstützen.“

Schnellladestationen an den Endhaltestellen
Der Elektrobus wird auf der Linie 14 die Strecke Maikottenweg – Hauptbahnhof –    Bült – Zoo fahren, rund zwölf Kilometer pro Strecke. Sowohl auf dem Betriebshof der Stadtwerke als auch an den beiden Endhaltestellen errichten die Stadtwerke Schnellladestationen. Die laden den Akku auf dem Dach der Fahrzeuge im Schnellladeverfahren auf, die Speicherkapazität liegt bei 86 Kilowattstunden. „Am Maikottenweg hat die Linie 14 planmäßig derzeit elf Minuten Pause, am Zoo 25 Minuten“, erklärt Eckhard Schläfke, Betriebsleiter der Stadtwerke Münster. „In nur etwa fünf Minuten können wir den Akku mit bis zu 50 Kilowattstunden füllen. In der Regel laden wir aber langsamer, um die Lebensdauer der Batterie zu verlängern.“ Auch wenn etwa durch Verspätungen einmal keine Zeit zum Laden ist, kann der Bus weiterfahren: „Wir können bis zu zwei Ladezyklen aussetzen, erst dann braucht der Bus zwingend neue Energie“, sagt Schläfke. Wenn der Bus nicht auf der Straße ist, wird der Akku auf dem Betriebshof geladen – und zwar vorranging mit Ökostrom direkt aus den Fotovoltaikanlagen auf den Dächern von Werkstatt und Wagenhalle. Auch für die Betankung an den Endhaltestellen setzen die Stadtwerke grünen Strom ein.

Besonders beim Aufbau der Lade-Infrastruktur hat es sich als vorteilhaft erwiesen, dass die Stadtwerke Busverkehr, Energieversorgung und Netzbetrieb aus einer Hand anbieten. „Das nötige Knowhow bereits im eigenen Haus zu haben, hat viele Schritte vereinfacht und damit den notwendigen Aufwand reduziert“, freut sich Hoffknecht über die erfolgreiche Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bereiche. Die Schnellladestationen zum Beispiel sind direkt ans Mittelspannungsnetz angeschlossen, die notwenigen Planungen dafür wurden bei den Stadtwerken und deren Tochterunternehmen münsterNETZ selbst durchgeführt. Die eingesetzte Ladetechnik mit Schnellladestationen ist dabei aus Sicht der Stadtwerke die beste unter den existierenden Technologien. Betrieblich bietet sie den Vorteil, dass die Busse auch bei Sperrungen oder Umleitungen lediglich die Endhaltestelle anfahren müssen und dort laden können. Gleichzeitig können die Akkus klein dimensioniert werden und die Ladeeinrichtungen befinden sich an den Endhaltestellen, nicht im Bus. So wiegt der Elektrobus der Stadtwerke kaum mehr als ein herkömmlicher Bus.

Umfangreiche Förderung eingeworben
Der Elektrobus stammt vom niederländischen Hersteller VDL und wird durch elektrische Radnabenmotoren angetrieben Es handelt sich dabei um einen Solobus von zwölf Metern Länge. Mit etwa 85 Plätzen hat er eine ähnliche Fahrgastkapazität wie die Dieselbusse, die bereits heute auf der Linie 14 unterwegs sind. Auch in Sachen Barrierefreiheit ist er unter anderem durch Niederflurbauweise absolut vergleichbar mit anderen Bussen. „Uns ist wichtig, dass der Fahrgastkomfort durch das Forschungsprojekt nicht eingeschränkt wird“, so Schläfke.

„Genauso wichtig ist, dass die zusätzlichen Kosten des Projekts nicht zulasten der Fahrgäste gehen“, ergänzt Dr. Andreas Hoffknecht.  Sichergestellt wird das über Fördergelder, die die Stadtwerke eingeworben haben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den ersten Elektrobus, der ab diesem Jahr auf der Linie 14 fährt, mit 550.000 Euro. Für die Infrastruktur an den Endhaltestellen, an denen die Schnellladestationen stehen, fließen weitere 340.000 Euro vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL).

Weitere Elektrobusse für Linie 14
Ab 2015 sollen außerdem vier weitere Elektrobusse beschafft werden, die ab 2016 dann einen Demonstrationsbetrieb auf der Linie 14 fahren. Die entsprechende Förderung in Höhe von insgesamt 2,1 Millionen Euro kommt aus dem Projekt ZeEUS (Zero Emission Urban Bus System, dt. innerstädtisches Nullemissions-Bussystem). ZeEUS wird vom internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP) durchgeführt und erhält unter anderem Fördergelder der Europäischen Union. Ziel des Projektes ist die Demonstration des ökonomisch sinnvollen Einsatzes von elektrischen Bussen. „Münster hat als eine von acht europäischen Städten den Zuschlag bekommen – neben Metropolen wie London, Barcelona, Stockholm oder Glasgow“, freut sich Dr. Andreas Hoffknecht darüber, dass Münster in Sachen Elektromobilität im Nahverkehr eine Vorreiterrolle einnimmt.