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Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium

„Wie antisemitisch ist Münster? – Eine Bestandsaufnahme in der Stadt des Friedens"

Projektbetreuer:                     
Andre Plonka

Projektteilnehmer:                 
Lukas Grave, 17, Q1, Jannis Völlering, 16, Q1, Moritz Kortüm, 17, Q1, Justus Roters, 17, Q1

 

 

 

Projektbeschreibung

Unsere Heimatstadt Münster wird in Politik und Gesellschaft gemeinhin als Friedensstadt wahrgenommen. Dabei werden gesellschaftliche Erscheinungsformen, die dieses Selbstkonzept infrage stellen, gerne ausgeblendet. Dazu gehört unzweifelhaft das Phänomen des Antisemitismus, das vor dem Hintergrund des erstarkenden Rechtspopulismus und einer zunehmenden Verrohung von Kommunikation und Diskurs aktueller denn je erscheint.
Unter der Fragestellung „Wie antisemitisch ist Münster?” haben wir im Rahmen des Medienunterrichtes eine filmische Dokumentation produziert, die Judenfeindlichkeit hier vor Ort erforscht und ein Bewusstsein für alltägliche Diskriminierung schafft. Dafür haben wir eine ausgiebige Recherche betrieben und Betroffene, von jüdischen Gemeindemitgliedern bis hin zu politischen Akteuren, getroffen und interviewt. So haben wir u. a. die Synagoge an der Klosterstraße mehrmals besucht und mit Gemeindemitgliedern gesprochen. Schließlich wollten wir keinen Film nur über, sondern vor allem mit Juden drehen, um diese zu Wort kommen zu lassen und ihnen ein Gesicht zu geben. Außerdem arbeiteten wir mit der Villa ten Hompel zusammen, deren Experten uns hinsichtlich der historischen Perspektive Rede und Antwort standen.
Unser Ziel war dabei nicht nur eine multiperspektivische Erforschung des Antisemitismus vor Ort, sondern auch ein deutliches Plädoyer für interreligiösen Dialog und respektvollen Diskurs. Zum Ende des Projektes stand bei uns vor allem die Erkenntnis, dass auch Münster keine Insel der Seligen ist. Der Antisemitismus hier vor Ort ist vielfältig, teilweise der Allgemeinheit unsichtbar, aber doch vorhanden. Deshalb braucht es nicht nur politisches Agieren, sondern auch zivilgesellschaftliches Engagement hin zu einer toleranten Gesellschaft. Dies bedeutet, dass die Achtung, Toleranz und Akzeptanz des jüdischen Glaubens und der Religion auch in der Friedensstadt Münster täglich in der zwischenmenschlichen Interaktion verteidigt werden müssen. Dazu bedarf es nicht zuletzt der notwendigen gesellschaftlichen Zivilcourage, wozu unsere filmische Dokumentation nur ein kleiner Beitrag und Denkanstoß sein kann. Wir betiteln unseren Film als Bestandsaufnahme, was auch den Kern des Projektes trifft – eine subjektive Betrachtung des Antisemitismus, lokal und facettenreich. Und doch ist der Film auch so viel mehr: eine persönliche Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Ausgrenzung, die Verarbeitung von Missständen, die längst überwunden sein sollten, Weckruf und Appell. Unser Film soll aufrütteln und zum Handeln motivieren. Umso erfreulicher ist es deshalb, dass er auf ein breites Echo in der Stadtgesellschaft stieß und damit vielseitig verwendet und gezeigt wird.


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