Verspätungen in Münster: Wir würden gern pünktlicher fahren – warum das aber nicht immer klappt

Veröffentlicht von am 17.11.2015 (5 Kommentare)
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Am Albersloher Weg stehen die Busse oft bis über die Kanalbrücke

Wer in Münster in den letzten Wochen Bus gefahren ist, der hat es vielleicht selbst erlebt: Insbesondere morgens und nachmittags kommen viele Busse zu spät. Das ist im Herbst und Winter während des Berufsverkehrs nie komplett zu vermeiden, derzeit aber schlimmer als in Vorjahren.

Darüber ärgern sich viele Fahrgäste – und auch wir – zu Recht, denn niemand wartet gern. Wie kommt es eigentlich dazu?

Mehrere Gründe

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Die Hammer Straße im Feierabendverkehr

Schon immer steigen im Winter viele Radler um und lassen die Leeze im Keller. Manche fahren dann Bus, andere steigen ins Auto. Allein dadurch werden die Straßen und Busse deutlich voller.

Damit die Busse nicht länger als nötig an der Haltestelle stehen, sind elektronische Tickets günstiger als das Papierticket beim Fahrer – denn der Ticketkauf beim Fahrer kostet Zeit, die wir gern einsparen möchten. Ganz aktuell hoffen wir, dass das Ein- und Aussteigen bei unseren neuen Bussen mit vier Türen schneller geht als bei denen mit drei.

FIS erklärt2

Kein Weiterkommen mehr: Bus im Stau

Auf der Straße aber stehen wir, wenn es voller wird, mit allen anderen im Stau. Dieses Jahr kommen noch einige (notwendige) Baustellen hinzu: Weil die Brücke an der Schillerstraße und der Hafenweg gesperrt sind und auf der Hafenstraße nur einspurig gefahren wird, staut es sich zum Beispiel auf dem Albersloher Weg weit zurück. Ähnlich sieht es an Kappenberger Damm, Wolbecker oder Grevener Straße aus. Andere Baustellen – wie am Autobahnzubringer – lenken den Verkehr auf andere Wege, die ganz ohne Baustelle voller werden als vorher. Keine Frage übrigens: Die Baustellen sind notwendig, zum Beispiel um Straßen zu reparieren, die Energienetze auszubauen oder Kabel und Rohre zu erneuern – das sind dann ja sogar Baustellen unserer eigenen Tochtergesellschaft münsterNETZ. Daher wissen wir sehr gut, dass die Baustellen sein müssen, auch wenn sie derzeit mit für längere Staus sorgen.

Möglicherweise animiert zusätzlich der relativ niedrige Benzinpreis auch noch den ein oder anderen, wieder häufiger das Auto zu nutzen. Das Resultat: Zurzeit sind mehr Autos unterwegs, als Platz auf den Straßen ist. Und unsere Busse stehen in deutlich längeren Staus. Die FIS-Anzeigen an den Haltestellen können dann keine Echtzeit-Abfahrten mehr ermitteln und zeigen nur noch an „Bus im Stau, Abfahrt später“.

Im Winter lieber einen Bus früher

Schnee

Unser Tipp: Im Winter einen Bus eher nehmen

Wie machen das eigentlich die Pendler, die mit dem Auto unterwegs sind? Die sagen sich: Bei Regen stehe ich im Berufsverkehr viel länger im Stau, also fahre ich heute früher los. Wer zu einer festen Uhrzeit etwa auf der Arbeit, in der Schule oder beim Arzt sein muss, sollte das auch so machen, wenn er den Bus nutzt. Durch den Citytakt fährt aus vielen Stadtteilen alle zehn Minuten ein Bus in Richtung Hauptbahnhof, im Winterhalbjahr auf einigen Linien noch zusätzliche Busse.

So reicht es häufig schon, zehn Minuten eher loszugehen (oder unter www.stadtwerke-muenster.de/fis die Abfahrtszeiten vorher nachzuschlagen), um stressfrei rechtzeitig am Ziel zu sein.

Was wir tun können

Buswende

Die Wendezeiten sind bereits verlängert

Ist der Verkehr erst einmal zum Stehen gekommen, haben wir kaum noch Möglichkeiten, pünktlich zu bleiben. Zwar halten wir Verstärkerbusse bereit, die wir flexibel dort einsetzen, wo sie gerade gebraucht werden. Wenn beispielsweise zwei Busse einer Linie aufeinander auflaufen und kurz hintereinander fahren, bemühen sich die Kollegen in der Leitstelle dann, den Bus mit hoher Verspätung von der Linie zu nehmen und an der Endhaltestelle wieder einzusetzen. So stopfen sie möglichst „Löcher“, damit trotzdem regelmäßig ein Bus kommt. Aber auch leere Busse können nicht am Stau vorbeifahren.

Daher tun wir auch in der Planung, was geht: Wir haben gerade die so genannten Wendezeiten erhöht. Das heißt, die Busse haben an ihren Endhaltestellen nun längere Pausen – und können auch dann pünktlich losfahren, wenn sie von der vorherigen Fahrt eine größere Verspätung mitgebracht haben. Und ab Januar werden die Fahrpläne so angepasst, dass alle Linien einige Minuten mehr Zeit für ihre Strecke haben. Maßnahmen, die viel Geld kosten, weil wir zusätzliche Busse und Fahrer einsetzen müssen, die aber dafür sorgen, dass wir auch bei Staus weniger Verspätung bekommen und Fahrgäste besser planen können.

Mehr Busbeschleunigung

Busspur

Auf der Busspur (hier am Preußenstadion) fährt der Bus am Stau vorbei

Weitere Maßnahmen sind zar in Arbeit, können nur langsamer greifen. Zusammen mit der Stadt Münster möchten die Stadtwerke zusätzliche Busspuren einrichten. Mehr als zehn Kilometer Straße wurden in den letzten 20 Jahren bereits als Busspur ausgewiesen. Darauf können die Busse einfach am Stau vorbeifahren und sind pünktlicher. Klar ist aber, dass das nur da geht, wo genug Platz für eine zusätzliche Spur ist. Auch das Thema Ampelbevorrechtigung für Busse gehen Stadt und Stadtwerke im neuen Nahverkehrsplan an, über den der Stadtrat voraussichtlich Anfang 2016 entscheidet.

Übrigens: Es ist verständlich, dass Fahrgäste von Verspätungen genervt sind. Der Fahrer allerdings ist definitiv das falsche Ventil dafür. Er kann nur so schnell fahren, wie der Verkehr das zulässt und bei uns geht Sicherheit immer vor Pünktlichkeit.

5 Kommentare

  1. Andi
    3. Januar 2016

    Es ist sicherlich bemerkenswert, in Blogartikeln Sachverhalte aufzugreifen, die sowohl aus Sicht der Stadtwerke als auch aus Sicht der Fahrgäste eher unangenehm sind. Allerdings werfen einige der genannten Punkte noch Fragen auf, die ich im Folgenden gerne ausführen möchte:
    Zunächst ist am Anfang des Artikels die Rede davon, dass Verspätungen temporär auftreten, womit insbesondere die Stoßzeiten im Herbst und Winter in den Fokus gerückt werden. Als Konsequenzen werden am Ende gleich mehrere Maßnahmen vorgestellt. Eine dieser Maßnahmen lautet, „dass alle Linien einige Minuten mehr Zeit für ihre Strecke haben“ sollen. Obwohl das Problem von Verspätungen als zeitlich stark begrenzt dargestellt wird, werden mit Blick auf den neuen Fahrplan die Fahrzeiten vieler Linien nun aber über den ganzen Tag und das ganze Jahr verlängert. Hätte es da nicht ausgereicht, die Fahrzeiten nur zu den besonders verspätungsanfälligen Zeiten zu verlängern? Wohl nicht, da das Problem der unpünktlichen Busse in Wirklichkeit leider nicht zeitlich begrenzt ist, sondern in Münster fast zu jeder Tageszeit traurige Realität ist. Insofern scheint die Maßnahme die wohl ehrlichste von allen Antworten auf die Frage zu sein, wie man künftig mit Verspätungen in Münster umgehen will. Nun sollen die Fahrgäste zwar weiterhin im Stau stehen und wertvolle Lebenszeit zwischen wartenden Autos verlieren, aber zumindest wird dies jetzt nicht mehr allzu blauäugig durch völlig unrealistische Fahrzeiten in den Fahrplänen ignoriert, wie bislang. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die eingeplanten Fahrzeitverlängerungen überhaupt ausreichen, die oft weit über 10 Minuten liegenden Verspätungen zu minimieren.
    Als weitere Maßnahme wird die Einrichtung neuer Busspuren vorgeschlagen und auf 10 Kilometer Busspuren verwiesen, die man in den letzten 20 Jahren in Münster realisiert hat. Leider sagt die Zahl von 10 Kilometern wenig aus. Es sei denn man setzt sie ins Verhältnis zur Länge des Liniennetzes. Als Linienlänge wird seitens der Stadtwerke eine Strecke von 400 Kilometern angegeben. Das bedeutet einen Anteil von 2,5 % Busspuren. Und selbst wenn man davon ausgeht, dass jede Linie einzeln gezählt wurde und sich das Liniennetz nur über die Hälfte der aufgeführten 400 Kilometer erstreckt, kommt man über einen Anteil von 5 % Busspuren nicht hinaus. Das ist also das Ergebnis, das man in einem Zeitraum von 20 Jahren erreicht hat und von dem man ernsthaft annehmen will, den ÖPNV in Münster damit attraktiver machen zu wollen!? Es ist blanker Hohn, bei diesen Zahlen im Zusammenhang mit dem städtischen Nahverkehr Begriffe wie „Attraktivität“, „Schnelligkeit“, „Pünktlichkeit“ und „Zuverlässigkeit“ in den Mund zu nehmen. Die Länge der Busspuren und die bereitgestellte Infrastruktur ist nicht im Geringsten ausreichend für einen zeitgemäßen und zuverlässigen ÖPNV in Münster, auch dann nicht, wenn man vereinzelt weitere Busspuren einrichtet, wie an der Wolbecker Straße oder an der Weseler Straße beabsichtigt wird.
    Nun wird als Argument aufgeführt, dass die Einrichtung zusätzlicher Busspuren nur dort möglich ist, wo auch Platz ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Platz an vielen Stellen durchaus vorhanden ist, sogar schon eingeplant war, aber letztendlich dann doch nicht als Busspur genutzt wurde. Beispiel: Auf dem Albersloher Weg sah eine Planung Mitte der 90er Jahre mit dem Neubau der Straßenbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal eine durchgehende Busspur von den Loddenbüschen bis zum Hansaring vor, in Höhe der Kanalbrücke sogar in beide Richtungen. Der Platz war also vorhanden, so dass das oben aufgeführte Foto mit einem im Stau stehenden Bus auf dem Albersloher Weg nie hätte entstehen können, wenn nicht Stadt- und „Verkehrsplaner“ noch vor der Realisierung die Pläne wieder einkassiert hätten. Zusätzlich hat man gleich noch die vorhandene Busspur zwischen Loddenbüschen und Loddenheide gekürzt. Es bleibt also festzuhalten: Man KANN in Münster durchaus Busspuren schaffen, wenn man wollte. Man WILL es aber nicht. Warum nicht? Nun, weil ja sonst der Individualverkehr benachteiligt wird. Die Interessen der Fahrgäste werden also lieber mit Füßen getreten und hinter den Belangen der Autofahrer und den Argumenten versteckt, dass man ja so gerne etwas tun würde, aber es aufgrund des Platzmangels nicht kann. Dabei wird nicht zuletzt von mehreren Interessensverbänden eine Neuaufteilung der Verkehrsflächen gefordert, die sich stärker am Modal Split orientiert, wovon letztendlich 40 Millionen Fahrgäste jährlich profitieren würden. Aber dies wird in Münster weiterhin bewusst ignoriert.
    Die außerdem genannte Ampelbevorrechtigung wird schon seit über 15 Jahren kaum mehr genutzt, bzw. mittlerweile lieber umgekehrt, also dafür, den Individualverkehr zu beschleunigen und die Busse auszubremsen.
    Und andere Städte? In Bielefeld wurde noch vor wenigen Wochen eine 1,2 Kilometer lange Stadtbahntrecke unter dem Jubel vieler Bürger feierlich in Betrieb genommen, die einen weiteren Stadtteil pünktlich und zügig mit der Innenstadt verbindet. In Hamburg wird derzeit ein umfangreiches Busbeschleunigungsprogramm umgesetzt, um besonders nachfragestarke Linien durch Busspuren und konsequente Ampelbevorrechtigung zu beschleunigen. Erste Erfolge lassen sich in deutlich reduzierten Fahrzeiten bereits nachweisen.
    Bleibt festzuhalten, dass man in Münster vor solchen Maßnahmen lieber die Augen verschließt und den Fahrgästen weiterhin längere Fahrzeiten auf verstopften Straßen zumutet.
    Einem Punkt möchte ich abschließend jedoch ausnahmslos zustimmen: Die Fahrer sind in der Tat das falsche Ventil für Verärgerungen über die desolaten Zustände in der Stadt, da sie selbst zu den Opfern der durch die in der Stadt gemachten Fehlplanungen zählen. Sie müssen sich täglich für Versäumnisse und Fehlentscheidungen rechtfertigen, die sie selbst nicht zu verantworten haben. Zusätzlich müssen sie die Folgen der eingefahrenen Verspätungen durch Verzicht von Pausen an den Endhaltestellen ausgleichen.

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  2. Sabrina
    17. November 2015

    Sry aber ich muss schon ein wenig schmunzeln. Die Verspätungen von 5-10 min fangen doch schon am Morgen wenn der erste bus fährt an. Zb die 6 fährt als erstes um 5.20 Uhr, grundsätzlich fährt er erst um 5.25 Uhr von der Meinertzstrasse ab. Das selbe Spiel ist um 6.14 Uhr auch 5-10 min später. Welche Erklärung gibt es denn da ? Stehen da auch die Busse im Stau ? Wohl eher wird zu lange Kaffee getrunken oder sehr oft verschlafen. Also das mit den Staus ist manchmal aber nicht immer die Begründung. Nachmittags kann man auf der selben Linie mit 10-15 min Verspätung rechnen und diese Verspätungen sind auf der Linie schon Grundsatz. Entweder wurde die Strecke falsch berechnet oder man verwechselt Gas mit der Bremse. Versteh das nicht.

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      18. November 2015

      Hallo Sabrina,

      die erste 6 ab Kinderhaus fährt bei uns um kurz vor 5 los, hat also mehr als 20 Minuten nach Kinderhaus eingeplant. Dass die Busse bei uns pünktlich abfahren, ist natürlich Vorausssetzung, passiert aber in der Regel auch so. Ich gebe die Fahrtdaten an die Kollegen aus dem Fahrdienst weiter, die können sich das genau anschauen. Die spätere Fahrt kommt schon aus Hiltrup und nimmt Verspätungen, die sie dort eingesammelt hat, dann leider mit auf die neue Fahrt.

      Die Verspätungen am Nachmittag liegen dann aber tatsächlich an Staus, die 6 sammelt sehr viele Verspätungen auf dem Albersloher Weg (das Foto der 6 oben ist aus dieser Woche, und so sieht’s dort zur Zeit leider regelmäßig aus). Der Fahrer hat da keinen Einfluss drauf, im Stau kann er mit dem Gaspedal nichts anfangen. Aber wie auch schon geschrieben: Ab 2016 werden den Fahrzeiten aller Linien nochmal einige Minuten aufgeschlagen, so dass die Busse den Fahrplan besser einhalten können.

      Viele Grüße

      Florian

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      • Sabrina
        18. November 2015

        Danke für das schnelle Feedback. Ich werde diese im Auge behalten, denn leider bin ich auf einen anschlussbus angewiesen, den ich sehr oft verpasse aufgrund von Verspätung.

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