Wenn’s sein muss, fährt ein Bus auch rückwärts

Veröffentlicht von am 18.10.2016 (5 Kommentare)
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Auch ein Bus hat weiße Rückfahrleuchten

Was passiert eigentlich, wenn sich ein Bus mal falsch abbiegt? Rückwärts fahren mit einem 18 Meter langen Stadtbus, geht das? Zumindest einen einen Rückwärtsgang besitzt der Bus. Aber habt ihr schon mal einen Bus rückwärts fahren sehen? Vermutlich nicht, denn das ist eher die Ausnahme.

Wir haben in unserem Verkehrsbetrieb nachgehakt und den Rückwärtsgang bei Bussen näher unter die Lupe genommen.

Ein Gastbeitrag von Laura Lilienbecker

DNR

cockpit

Statt Gangschaltung gibt es im Bus drei Knöpfe

Schalten muss ein Busfahrer nicht, denn unsere Busse haben ein Automatikgetriebe. Auch einen Schaltknüppel wie von Autos mit Automatik gibt es im Cockpit eines Busses nicht, stattdessen drei schlichte Knöpfe. Die sind aber genauso beschriftet wie im Auto: D, N und R stehen dran. „D“ steht für das englische Wort „drive“ und bedeutet „fahren“ (aber Achtung: Nur nach vorn!), das „N“ hat im englischen wie auch im deutschen dieselbe Bedeutung: „neutral“- Leerlauf, „R“ steht für „reverse“ und bedeutet „rückwärts“.

Normalerweise ist der D-Knopf gedrückt, wenn der Bus unterwegs ist.

Ruhe und Übung beim Rückwärtsfahren

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Blick in die Rückspiegel vom Fahrersitz aus

Busse können also rückwärtsfahren. Zumindest theoretisch. Doch wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Wir fahren zusammen mit Busmechaniker André Klammer eine Runde Bus über den Betriebshof an der Rösnerstraße und üben rückwärts einparken. „Dazu gehört viel Übung und Ruhe“, erklärt uns André. „Das ist mit einem Pkw nicht zu vergleichen. Eher mit einem großen Lkw. Wenn man das Lenkrad nur minimal bewegt, schwenkt das Heck schon weit zur anderen Seite aus.

Weil Rückwärtsfahren so schwierig ist, lassen sich unsere Busfahrer von einer zweiten Person einweisen. Denn eine Heckkamera oder ähnliches gibt es nicht, der Fahrer muss sich alleine auf die Seitenspiegel und den Einweiser verlassen. Also geht es ganz langsam, mit nur knapp 10 km/h, rückwärts um eine Kurve. Und tatsächlich: Das Lenkrad minimal eingeschlagen, knickt das Heck schon deutlich ein. Dabei ist besondere Vorsicht gefragt: Biegt sich der Gelenkbereich zu weit, greift der Knickschutz. Das ist eine Sperre, die das Weiterfahren verhindert, um Schäden am Drehgelenk zu verhindern.

Und so sieht ein rückwärts fahrender Bus aus:

Wann wird es überhaupt nötig, den Rückwärtsgang zu benutzen?

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Würde die 14 hier statt rechts Richtung Aasee geradeaus fahren, wäre eine „Ehrenrunde“ über Domplatz sinnvoller als den Rückwärtsgang einzulegen.

Nur wenn’s unbedingt sein muss! Natürlich kann es mal vorkommen, dass der Fahrer statt links rechts abbiegt. Dann wird aber nicht zurückgesetzt, sondern lieber eine Runde um den Block gefahren. Das kostet zwar vielleicht zwei Minuten mehr Zeit, ist aber sicherer.

Nur wenn zum Beispiel die Straße vorweg blockiert ist – zum Beispiel durch einen Falschparker – und eine normale Wende nicht möglich (bei einem Wendekreis von bis zu 25 Metern braucht der Bus dafür ganz schön Platz), wird der R-Knopf gedrückt. Aber auch dann fährt der Bus erst rückwärts, wenn der Einweiser da und rundherum genug Platz ist. Das ist zum Beispiel eine Aufgabe, die unsere Verkehrsmeister übernehmen. Als frühere Busfahrer können sie einschätzen, wie viel Platz das Fahrzeug braucht. Ist der nicht gegeben, heißt es: warten auf frei.

Übrigens: Komplett fremd ist das Rückwärtsfahren nicht. Busfahrer lernen es in der Fahrschule und üben dies auch weiterhin in regelmäßigen Schulungen.

5 Kommentare

  1. Thomas Kunath
    23. Dezember 2018

    Hallo liebe Stadtwerke Münster. Ich bin ein Fan von Bussen seit Kindertagen. Und ich möchte gerne wissen für was ist der Taster mit dem Kinderwagen und für was ist der Schalter rechts über dem Automatikgetriebe.

    Vielen Dank.

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  2. Janik George
    5. Juli 2017

    Hallo,
    auch wenn der Beitrag schon älter ist, habe ich auch eine Frage, was das hier gezeigte Bild des Armaturenbretts des Citaros angeht.
    Aus anderen Städten kenne ich es so, dass es für die Türen, die manuell gesteuert werden, jeweils einen Türtaster gibt und zusätzlich noch die 3. und gegebenenfalls 4. Tür freigeben muss. In Münster schien mir das irgendwie anders zu sein – werden die hinteren Türen dort direkt mit dem Öffnen/Schließen der zweiten Tür freigegeben oder wie funktioniert das und hat das eventuell mit dem (auf dem Foto gedrückten) Schalter ganz oben rechts über den Gangwahltastern zu tun?
    Das wäre eine Sache, die mich noch interessieren würde 😉

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      6. Juli 2017

      Hallo Janik,

      der Taster oben rechts ist genau der richtige 🙂 Mit ihm können die Fahrer die Tür drei (und vier) entweder freigeben oder sperren. Steht der Schalter auf „frei“, können die Fahrgäste sie per Knopfdruck von innen und außen öffnen, sobald der Fahrer Tür 1 und/oder 2 öffnet. Wenn die Lichtschranke in der Tür nach dem Fahrgastwechsel wieder frei ist, schließen sie dann automatisch.

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      • Janik George
        7. Juli 2017

        Ah, das ist eine sehr interessante und meiner Meinung nach auch sinnvolle Praxis. Danke für die Aufklärung 🙂

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