Was war eigentlich die Heulende Kurve?

Veröffentlicht von am 26.01.2016 (3 Kommentare)
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Pferdekutsche

Als die Straßenbahn die Pferdekutsche ersetzte, fing es an zu heulen.

Über 50 Jahre lang heulte und quietschte es an der Salzstraße – so sehr sogar, dass der Name „Heulende Kurve“ sich festgesetzt hat und noch heute vielen Münsteranern ein Begriff ist. Und das, obwohl schon 1954 Schluss mit dem regelmäßig auftretenden Lärm war. Was es mit dieser Heulenden Kurve auf sich hat, wo genau sie liegt und warum es dort heulte, erklären wir Euch heute.

Grund für das schrille Geräusch, das besonders bei trockenem Wetter auftrat, waren nämlich die Straßenbahnen.

Die Elektrische kommt

1888 wurde der öffentliche Nahverkehr in Münster eingeführt, damals noch mit einem PS – nämlich mit Pferdekutschen. Drei Linien trafen sich damals am Prinzipalmarkt. Weil der Betrieb aber bald an seinen Grenzen angekommen war, stieg Münster 1901 auf „Die Elektrische“ um. Damit gemeint sind natürlich Straßenbahnen. Ebenfalls drei Linien, damals noch mit Farben als rote, gelbe und grüne Linie bezeichnet, verbanden den Prinzipalmarkt mit Bahnhof, Grevener, Warendorfer und Hammer Straße sowie mit dem Hafen.

Heulende_Kruve

Die Heulende Kurve am Erbdrostenhof

Die rote und gelbe Linie fuhren in der Innenstadt vom Servatiiplatz zum Prinzipalmarkt – und damit durch die Heulende Kurve, die sich am Erbdrostenhof zwischen Altem Steinweg und Salzstraße befand. Denn dort war der Gleisbogen so eng, dass die Bahnen ein markerschütterndes Heulen von sich gegeben haben müssen. In einem Brief setzte die Besitzerin des Hotels Rheinischer Hof die Stadt ergebenst davon in Kenntnis, dass „das Heulen zeitweise so stark ist, dass man in den Hotel- und Restaurantsräumen tatsächlich sich nicht verstehen kann“ und bittet ebenfalls ergebenst um Abhilfe. Aus dem Brief zitiert Henning Stoffers auf seiner Webseite.

Spurkranz

Spurkränze bei der Bahn im Stadthaus 3

Grund für das Heulen waren wohl die Spurkränze, die sich an den Innenseiten der Räder befinden und wie eine kleine Erhöhung aussehen. Das lässt sich im nebenstehenden Bild gut erkennen, das nur das Fahrgestell der restaurierten Straßenbahn zeigt, die heute im Stadthaus 3 steht und dort besichtigt werden kann. Eigentlich sorgen Spurkränze dafür, dass die Räder der Straßenbahn nicht aus den Schienen springen. Wegen des engen Kurvenradiusses schliffen diese an der Salzstraße aber an den Schienen entlang. Zwar wurde die Stelle nach den Beschwerden regelmäßig geschmiert, der berühmt-berüchtigte münstersche Regen sorgte aber dafür, dass diese Gegenmaßnahme nicht lange hielt und es – sobald die Schienen trocken wurden – schnell wieder kreischte und quietschte.

Nur eine kurze Pause

Bunter Vogel

Noch heute erinnert der Bunte Vogel an die Heulende Kurve

Nur kurz brachte die Weltwirtschaftskrise den Anwohnern übrigens Ruhe, denn 1922 wurde der Betrieb der Straßenbahn aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Zwei Jahre später allerdings ging es schon weiter – und das Netz wurde sogar weiter ausgebaut. Bis 1954 – als die Straßenbahn zugunsten von O- und Dieselbussen komplett eingestellt wurde, da die Gleise an vielen Stellen marode waren – heulten die Wagen so weiter durch die Salzstraße.

Bis 1986 erinnerte der Name der Kneipe an der Ecke noch an die Straßenbahnen. Denn der heutige Bunte Vogel hieß damals wie? Genau: Heulende Kurve. Im Eingangsbereich und am Werbeausleger des Bunten Vogels findet sich bis heute das Modell einer Straßenbahn und sorgt dafür, dass die Geschichte der Heulenden Kurve nicht in Vergessenheit gerät.

 

3 Kommentare

  1. Petra Koch
    8. August 2018

    Das Hotel
    Der Rheinische Hof
    gehörte mal Emil Jedotka und war ein Bruder meiner Uroma Emilie Mühlbrodt geb. Jedotka
    Wäre schön mal Fotos zu srhen

    Gruss Petra

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  2. Lokalkolorit aus Münster: Die „heulende Kurve“ | MyBahn
    28. Januar 2016

    […] Woher der Begriff kommt und wie die Tradition weitergeführt wird, zeigt der Beitrag der Stadtwerke Münster in ihrem Blog. […]

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