Der Faden reißt nicht ab

„Kinder, wie die Zeit vergeht!“ heißt es zu Anfang der Rede, die der 77-jährige Heinz Stratmann zum 30-jährigen Bestehen der Stadtwerke-„Rentner-Bewegung“ hielt. Wenn sich „die Alten und Weisen“ Kinder nennen, wird auf charmante Weise deutlich, auf wie viele Lebensjahre die ehemaligen Stadtwerkerinnen und Stadtwerker blicken können.
„Für uns reißt der Faden mit der Pensionierung nicht ab!“, sagt Friedrich Kellersmann, Leiter Personal und Recht: „Wir fühlen uns denjenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr verbunden, die so viele Jahre mit daran gewirkt haben, dass unsere Stadtwerke ein erfolgreiches Unternehmen sind.“ Neben der betrieblichen Altersversorgung werden die Beziehungen zu den Ehemaligen auf vielfältige Weise gepflegt. Sie erhalten weiterhin die Unternehmenszeitschrift „intern“, die auch über ihre Aktivitäten berichtet. Ihre Gemeinschaften „Senioren“ und Oldtimer“ werden gefördert. Die Weihnachtsfeiern finden im Stadtwerke-Haus am Hafenplatz 1 statt. Und alle Rentner, die einen runden Geburtstag feiern, bekommen lieben Besuch vom Betriebsrat und Kollegen aus den ehemaligen Abteilungen.

■ ■ ■ Warum ist es für die Ruheständler interessant, Kontakt zu den Stadtwerken zu halten?

Heinz Stratmann: Mit Beginn der Pensionierung gibt es erst einmal so ein merkwürdiges Gefühl von Leere: Das kann doch nicht alles gewesen sein! Dass das einfach so aufhört! Dieser Blick lenkt unser Interesse natürlich immer wieder zu den Stadtwerken. Wissen Sie, wir waren einfach zu lange dort beschäftigt, als dass uns die Stadtwerke nicht interessieren könnten.

Franz ten Brink: Ich fühle mich den Stadtwerken immer noch so sehr verbunden, dass ich mitbekommen will, was da los ist. Ich besuche auch meine ehemaligen Kollegen noch regelmäßig.

Warum haben Sie sich als Stadtwerke-Rentner zusammengeschlossen?

Heinz Stratmann: Miteinander reden ist für uns das Wichtigste. Es tut gut und macht Spaß, die beruflichen Erfahrungen im selben Unternehmen miteinander zu teilen. Das war der entscheidende Anstoß für die Gründung unserer Gemeinschaften „Senioren“ und „Oldtimer“. Wir hatten Lust, auch als Rentner noch ein Stadtwerke-Team zu sein. Neben meinen 45 Berufsjahren bin ich auf diese Weise weitere 14 Jahre meinem Arbeitgeber verbunden.

Franz ten Brink: Ursprünglich sind wir eine einzige Gruppe von über hundert Leuten gewesen. Damit waren aber nicht nur die gemeinsamen Geburtstage schwer zu organisieren. Also haben wir uns in „Senioren“ und „Oldtimer“ aufgeteilt.

Was unternehmen die „Senioren“ und „Oldtimer“?

Heinz Stratmann: Wir treffen uns zweimal monatlich, besprechen die Touren, die wir machen wollen, informieren uns über Rentenfragen, zum Beispiel was mit der Rente passiert, wenn jemand stirbt, und was die Hinterbliebenen dann bedenken müssen. Ja und dann sind da noch unsere Ausflüge per Rad, zu Fuß und mit dem öffentlichen Nahverkehr. Und nicht zuletzt feiern wir auch Geburtstage, Weihnachten und Karneval zusammen. Die Weihnachtsfeiern verbinden wir immer wieder mit einem guten Zweck, wünschen uns Geld statt Geschenke und unterstützen damit Münsteraner Einrichtungen wie zum Beispiel Hospize und die Kinderkrebshilfe.

Franz ten Brink: Höhepunkt ist sicher unsere jährliche 5-Tages-Fahrt. In diesem Jahr sind wir mit 41 Leuten im Erzgebirge unterwegs. Auch die Tagesfahrten sind sehr beliebt. Im August fahren wir beispielsweise zum Biggesee. In Deutschland wird es schon schwierig, einen Ort zu finden, an dem wir noch nicht waren.

Die Pensionäre bewahren einen Riesenschatz an Arbeitserfahrung und Fachkompetenz. Was geben die Ruheständler den jetztigen Stadtwerkern mit auf den Weg?

Franz ten Brink: Seit meiner Pensionierung 1991 hat sich so viel verändert. Meine alte Abteilung K13 gibt es zum Beispiel überhaupt nicht mehr. Da fallen mir gute Ratschläge schwer.

Heinz Stratmann: Achtet auf einen persönlichen Umgang miteinander! Das würden viele von uns wohl sagen. Wir sehen große Veränderungen, auch in der Kollegialität. Aus unserer Sicht gibt es heute weniger direkte Kommunikation. Viel wird per E-Mail geklärt. Gut, in unserem Alter werden die wenigsten von uns noch Computerfreaks. Dennoch: Vergesst bei aller modernen Technik nicht, miteinander zu sprechen! Und noch etwas: Ich bin sehr gerne bei den Stadtwerken Münster arbeiten gegangen. Mein Beruf hat mir viel Freude bereitet. Bei den „neuen“ Rentnern hören wir doch häufiger: „Ich bin so froh, dass es vorbei ist.“ Man darf eben nicht aufhören, selbst etwas dafür zu tun, dass es gut miteinander geht!

Ohne den beruflichen Alltag bei den Stadtwerken – ist es Ihnen nicht langweilig geworden?

Franz ten Brink: Langeweile – kenne ich nicht. Früher habe ich mich in meinem Sport- und Kegelverein ehrenamtlich engagiert. Heute ist mein Garten mein großes Hobby.

Heinz Stratmann: Es gibt keine Minute, wo ich überlegen müsste, was ich tun will. Am liebsten züchte ich Blumen. Das mache ich zusammen mit meinem Nachbarn. Wir versorgen Familie, Verwandte und Nachbarschaft mit Tagetes, Fleißigen Lieschen, Dahlien, Astern und Männertreu – um nur ein paar Namen zu nennen. Und jetzt muss ich auch nach Hause, denn der „Kollege Blumenzüchter“ wartet schon!

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Heinz Stratmann, 77 Jahre alt, Vorsitzender der „Senioren“, hat 45 Jahre bei den Stadtwerken gearbeitet, erst als Elektriker, ab 1959 als Elektromeister und ab 1987 als stellvertretender Abteilungsleiter.


Heinz Stratmann
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dialog@
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Franz ten Brink, 78-jähriger Vorsitzender der „Oldtimer“, war von 1959 bis 1991 bei den Stadtwerken tätig, zwölf Jahre als Gas- und Wasserinstallateur, dann als Energieberater und schließlich vier Jahre als freigestelltes Betriebsratsmitglied. In dieser Funktion war er auch Mitglied im Aufsichtsrat.


Franz ten Brink
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