Vom sicheren Busfahren oder wenn Opa abends die Zähne herausnimmt
Im Gespräch mit Klaus Wegener, der im Verkehrsmarketing arbeitet und die Kontakte zu Kindergärten und Schulen pflegt
■ ■ ■ Die Stadtwerke Münster machen sich für Kinder stark. Warum?
Klaus Wegener: Zuallererst: Wir wollen Sicherheit für alle Kunden. Und Kinder brauchen besondere Unterstützung um zu lernen, wie man sicher mit dem Bus fährt. Als Zweites: Aus Gründen des Umweltschutzes sollen bereits die Kinder wissen, dass zu unserer Mobilität auch die Möglichkeit gehört, den Nahverkehr zu nutzen.
Was tun die Stadtwerke Münster für die Sicherheit ihrer jungen Fahrgäste?
Klaus Wegener: Wir tun alles dafür, dass die Kinder mit dem Bus sicher durch die Stadt kommen. Um hier nur ein paar Beispiele zu nennen: Wir starten mit Aktionen für die Kinder im Kindergarten. Sie besuchen unseren Verkehrsbetrieb und geraten erst einmal ins Staunen über die Dimensionen von Fahrzeugen und Werkstatt. Es gibt Sicherheitsübungen etwa zum Thema „Toter Winkel“ und eine Fahrt durch die Waschanlage. Am Schluss geht es mit einer Extra-Fahrt zum Kindergarten zurück. In der Grundschule ist es dann umgekehrt: Ich besuche die Schülerinnen und Schüler mit dem Bus. Zum Sicherheitstraining gehört beispielsweise die Vollbremsung bei zehn Stundenkilometern. Danach gibt es niemand mehr, der glaubt, er könne freihändig starke Busbewegungen ausgleichen! Alle Grundschülerinnen und Grundschüler erhalten nach dem Training ein „Diplom für sicheres Busfahren“. In der Grundschule spreche ich auch schon das Thema Vandalismus an.
Ist Vandalismus immer noch ein großes Problem?
Klaus Wegener: Das war es. Langsam wird es jedoch besser. Rauchen und Schlägereien im Bus – das gehört jetzt Gott sei Dank der Vergangenheit an. Aber der Weg dahin war lang und intensiv. Wir haben alle Beteiligten an einen Tisch gebracht: Busunternehmen, Bezirksverwaltung, Polizei und – als Einstieg – das Schulzentrum Roxel. Herausgekommen ist eine Ausbildung zum „Schulbusbegleiter“ mit Deeskalationstraining, Streitschlichtung, Rollenspielen und Kommunikationstechniken. Zusammen mit dem Kommissariat „Vorbeugung“ der Polizei führt unser Nahverkehrsbetrieb diese Ausbildung für interessierte Jugendliche durch. Mittlerweile sind auch die Schulzentren Hiltrup und Wolbeck mit dabei. Die beeindruckende Konsequenz: Wir haben mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze.
Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen am meisten?
Klaus Wegener: Wissen Sie, bei unseren unterschiedlichen Aktionen durch all die Jahre begegne ich immer wieder denselben Menschen. Das heißt, ich sehe sie als kleine Kinder, als große Kinder, als Jugendliche. Menschen mit ihren ganz verschiedenen Persönlichkeiten wachsen zu sehen – das ist was ganz Wunderbares!
„Kindermund tut Wahrheit kund.“ Was ist Ihr schönstes Erlebnis?
Klaus Wegener: Als ich einmal darauf hinwies, dass einem die Zähne ausgeschlagen werden können, wenn man im Bus aus der Flasche trinkt und der Bus plötzlich bremsen muss, sagte ein kleiner Junge: „Das ist nicht schlimm. Opa nimmt sowieso jeden Abend die Zähne raus.”
Wären Sie gerne noch einmal Kind?
Klaus Wegener: Eigentlich nicht. Dazu finde ich es einfach zu schön, eigenhändig den Bus und auch das Auto steuern zu können.

- Jährlich kommen über 80 Schülerinnen und Schüler als BusbegleiterInnen zum Einsatz.
Klaus Wegener
Telefon: 0251.694.2816
k.wegener@
stadtwerke- muenster.de
Zahlen und Fakten
2007 waren es allein
- 32 Kindergarten-Gruppen mit 444 Kindern, die den Verkehrsbetrieb besichtigten.
- In den ersten vier Monaten 2008 sind es bereits 380 Kinder.
- Alle Kindergartenkinder erhalten ein persönliches Sicherheitsdiplom.
- 2007 hat Stadtwerke-Mitarbeiter Klaus Wegener in 30 Grundschulen Sicherheitstrainings mit über 1.650 Kindern durchgeführt.
- Den Lehrerinnen und Lehrern wird zum Thema „Sicheres Busfahren“ Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt.


