Lagebericht

Belebung der Binnenkonjunktur

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland sowie in dem für unser Absatzgebiet maßgeblichen Wirtschaftsraum Münster haben sich im Berichtsjahr nach einer leichten Belebung im Vorjahr weiter konsolidiert. Bei unterschiedlicher Entwicklung der einzelnen Branchen konnte eine positive Nachfrage nach unseren Produkten verzeichnet werden. Der Absatz in der Wärmeversorgung ging allerdings durch die gegenüber dem langjährigen Mittel relativ milden Außentemperaturen zurück. Die Anfang 2007 gefallenen und dann im Laufe des Jahres 2007 stark ansteigenden Ölpreise haben im Gasbereich zu zwei Preissenkungen (01.01.2007 und 01.04.2007) und dann zum 01.12.2007 zu einer Preiserhöhung geführt.

Im Strombereich gelang es uns, trotz des bundesweiten Trends der Preisanhebungen zum 01.01.2007 und 01.07.2007 unsere Grundversorgungstarife konstant zu halten. Erst zum 01.12.2007 waren wir gezwungen, unsere Strompreise wegen gestiegener Börsenpreise und Erzeugungskosten in unserem Heizkraftwerk anzuheben. Diese von uns nicht beeinflussbaren Kosten auf den Beschaffungsmärkten konnten auch im Berichtsjahr nur teilweise bzw. zeitverzögert an die Kunden weitergegeben werden.
Im bereits vollständig liberalisierten Strommarkt hat sich die Wettbewerbsintensität auch im Geschäftsjahr weiter erhöht. Trotzdem ist es uns gelungen, nicht nur ehemalige Kunden zurückzugewinnen, sondern den in unserem angestammten Versorgungsgebiet Münster an Wettbewerber verlorenen Stromabsatz durch Lieferung in fremde Netze deutlich zu übertreffen.

In der Erdgasversorgung hat der Wettbewerb um Endkunden begonnen. Die aufgrund der gestiegenen Weltmarktpreise notwendigen Anpassungen der Erdgaspreise führten nicht nur bundesweit, sondern auch bei unseren Kunden zu Diskussionen über die Angemessenheit der Preispolitik. Durch Testate neutraler Wirtschaftsprüfer wurde in jedem Einzelfall die Notwendigkeit unserer Preisanpassungsmaßnahmen bestätigt.
Angesichts der wachsenden Bedeutung der Energiepreise im privaten und gewerblichen Bereich erhielt das Thema Energiesparen in Verbindung mit der Diskussion über die Folgen des Klimawandels eine stärkere Bedeutung. Im Wettbewerb mit alternativen Heizungsenergien konnten sich die Angebote der Stadtwerke Münster am Wärmemarkt gut behaupten.

In der Wärmeversorgung (Erdgas und Fernwärme) stellte sich die Absatzentwicklung differenziert dar. In der Fernwärmeversorgung konnten die Absatzrückgänge durch die milden Temperaturen des Berichtsjahres durch erfolgreiche Neuakquisition von Thermokonzeptkunden zum Teil kompensiert werden. In der Kommunalgasversorgung sank der Absatz temperaturbedingt. Die Gaslieferungen an die GuD-Anlage am HKW Hafen sowie eigene Blockheizkraftwerke konnten diesen Absatzrückgang nur zum Teil ausgleichen.

In der Wasserversorgung blieb bei seit Jahren konstanten Preisen der Absatz bei anhaltendem Trend zum sparsamen Umgang mit diesem Naturprodukt weiter unter dem Niveau des Vorjahres.

Im Verkehrsbereich konnte die Anzahl der Fahrgäste insbesondere durch innovative Angebote im Abonnementbereich leicht gesteigert werden. Rückgänge der Fahrgastzahlen durch eine Umstellung der staatlich finanzierten Schülerjahreskarten haben diesen positiven Trend allerdings kompensiert.

Die Ende 2005 in Betrieb genommene GuD-Anlage am HKW Hafen hat im Berichtsjahr die Stromerzeugungsmenge auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung deutlich gesteigert. In Verbindung mit den übrigen umweltfreundlichen Erzeugungsanlagen, darunter 26 Blockheizkraftwerke, hat unser Unternehmen einen erheblichen Beitrag zur Energieeinsparung und Emissionsminderung geleistet. Die Stadtwerke haben auch im Geschäftsjahr 2007 die planmäßige Markterschließung in bestehenden und neuen Geschäftsfeldern weiter vorangetrieben und durch konsequente benchmarkorientierte Kontrolle der Geschäftsprozesse Kostensenkungspotenziale ermittelt und effektiv umgesetzt.

Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit lag im Berichtsjahr im Ausbau der Netze, der Ertüchtigung der Anlagen sowie der Erneuerung des Fuhrparks im Verkehrsbetrieb. Das Geschäftsfeld Thermokonzept wurde durch die Übernahme von 183 Anlagen von der Stadt Münster erheblich gestärkt.
Gleichzeitig haben die Stadtwerke Maßnahmen zur Instandsetzung der Strom-, Gas-, Fernwärme- und Wassernetze über die Netzgesellschaft weiterhin auf einem hohen Niveau durchgeführt, um die Versorgungssicherheit und die Versorgungsqualität der Energie- und Wasserversorgung auch für die Zukunft zu gewährleisten.

Die Stadtwerke Münster sehen in der Beteiligung an Großkraftwerken eine reelle Chance, die Abhängigkeit der eigenen Stromversorgung vom Beschaffungsmarkt zu reduzieren und gleichzeitig die Wertschöpfungskette in diesem Bereich zu verbessern. Die Stadtwerke haben daher mit zwei überregionalen Stromversorgungsunternehmen die bereits im Vorjahr begonnen Gespräche zur Beteiligung an zwei großen Steinkohlekraftwerken fortgeführt. Ziel der Stadtwerke Münster ist es, mit insgesamt 50 MW elektrischer Leistung die eigene Erzeugungskapazität langfristig abzusichern. Die Steinkohlekraftwerke, die 2011/2012 in Betrieb gehen sollen, werden mit hocheffizienter Technik ausgestattet sein und veraltete Kohlekraftwerke mit geringer Effizienz ersetzen. Um zukünftig die Stromerzeugung auf Basis regenerativer Energien zu forcieren, haben die Stadtwerke Münster zum Ende des Berichtsjahres die Stadtwerke Münster Neue Energie GmbH gegründet. Diese Gesellschaft wird ihren Fokus auf regenerative Energieerzeugung legen.

Energierechtliches Umfeld

Entflechtung der Netzbereiche


Mit der Gründung der Stadtwerke Münster Netzgesellschaft mbH bereits 2005 haben die Stadtwerke Münster die Vorgaben des zweiten Gesetzes zur Neuregelung des Energiewirtschafts-rechtes vorzeitig umgesetzt. Die Netzgesellschaft hat fristgemäß die Anträge zur Festsetzung der Strom- und Gasnetzentgelte bei den zuständigen Regulierungsbehörden gestellt. Die beantragten Entgelte für die Nutzung der Strom- und Gasnetze wurden danach im Berichtsjahr zum Teil erheblich gekürzt.
Die Stadtwerke Münster sowie die Netzgesellschaft haben im Berichtsjahr weiterhin ihre Geschäftsprozesse optimiert mit dem Ziel, die Kosten der eigenen Wertschöpfungskette entsprechend den Erfordernissen des Marktes, aber auch der Regulierungsbehörden zu senken. Erste Erfolge konnten bereits im Berichtsjahr umgesetzt werden. Die Ziele des Energiewirtschaftsgesetzes, die Entflechtung der Strom- und Gasnetze von den übrigen im Wettbewerb stehenden Teilen der Stadtwerke herbeizuführen sowie einen diskriminierungsfreien Zugang der Netznutzer zu gewährleisten, wurden in jedem Fall garantiert.

Gesamtergebnis noch zufriedenstellend


Angesichts der schwierigen Lage der Stadtwerke im Wettbewerbsmarkt sowie der Anforderungen aus dem energiepolitischen Umfeld kann die wirtschaftliche Lage und Entwicklung der Stadtwerke Münster GmbH für das Geschäftsjahr 2007 insgesamt noch als zufriedenstellend bezeichnet werden.