Marion Tüns (vorne), ehemalige Oberbürgermeisterin und Steffi Stephan (Mitte), Jovel-Music-Hall Betreiber, sind Gäste bei der Veranstaltung »60plus auf’m Sofa« in den Münster Arkaden. Zusammen mit 60plusAbonnentin Marga Gries (links) freuen sie sich auf spannende Diskussionen.

Offen für Bewegung

Einladung in die Münster Arkaden

Mobilität ist Lebensqualität. Die Veranstaltungsreihe »60plus auf’m Sofa« beleuchtet ein wichtiges Thema, das immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft betrifft: die Chancen, auch im Alter – in den besten Jahren – in Bewegung zu bleiben.

»Es gibt so vieles zu sehen, in alle Richtungen!« Marga Gries ist Rentnerin. Und äußerst unternehmungslustig. Darum zögerte sie auch keinen Moment, als am 1. August des vergangenen Jahres das 60plusAbo der Stadtwerke angeboten wurde. Rund 2.000 Kunden haben sich seitdem für das Abo entschieden. Das Jahresticket für Bus und Bahn bewegt Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sicher und zügig durch die ganze Stadt: zum Arzt, zum Einkauf, zu Freunden, Verwandten oder ins Theater – für 28,50 Euro monatlich, gültig ab 8 Uhr und an Wochenenden jederzeit. Oder – für 44,90 Euro – durch die ganze Region. Die rege Nachfrage zeigt: Unternehmungslust kennt keine Altersgrenze.

60plus-Generation trifft sich in den Münster Arkaden

Was Menschen in der zweiten Lebenshälfte bewegt – das soll bei der Veranstaltungsreihe »60plus auf’m Sofa« ausgiebig zur Sprache kommen. Im März, April und Mai laden die Stadtwerke Münster zu einer öffentlichen Diskussion und humorvollen Unterhaltung über körperliche wie geistige Mobilität ein. In einer gemütlichen Sofa-Landschaft ist Platz für persönliche Anliegen, Betrachtungen und Begegnungen. Dr. Henning Müller-Tengelmann, kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke Münster, wird am 16. März die Veranstaltung um 16 Uhr offiziell eröffnen. Ihm schließt sich der ehemalige technische Geschäftsführer Dr. Norbert Ohlms mit einer Lesung an. Spannende Gespräche verspricht der von Jochen Temme moderierte Promi-Talk am Samstagnachmittag, unter anderem mit dem Direktor des Allwetterzoos, Jörg Adler. Die Bürgermeisterin Karin Reismann, die ehemalige Oberbürgermeisterin Marion Tüns, der Musiker und Jovel-Chef Steffi Stephan und weitere Teilnehmer lesen aus selbstgewählten Texten.

Foto-Aktion: Gesicht gesucht

Mobilität hat viele Gesichter. Die Generation 60plus auch. Am Stand können sich Passanten donnerstags und freitags nachmittags vor einer Leinwand fotografieren lassen und ein professio-nelles Portrait-Foto mit nach Hause nehmen. Aus allen Aufnahmen sollen bis zu den Sommerferien die neuen Modelle für die nächste 60plus-Kampagne der Stadtwerke ermittelt werden.

Eine besonders praktische Hilfe wartet zur Haupteinkaufszeit am Wochenende: Taschenträger erleichtern den Weg von den Arkaden bis zur nächsten Bushaltestelle. Ein wertvoller Service, den die Stadtwerke auch deshalb einrichten, weil die beiden Haltestellen Picasso-Museum auf der Rothenburg und der Königsstraße mit Beginn der Umleitung am 1. März 2010 wegfallen (siehe auch Seite 10). Die Arkaden bleiben trotzdem gut per Bus erreichbar.

Münster Arkaden
täglich Mo. – Sa.
16.03.–20.03.2010
26.04.–02.05.2010
17.05.–22.05.2010
Kostenlos für Besucher!

Der 62-jährige Steffi Stephan ist einer der Gesprächspartner bei »60plus auf’m Sofa«. Hafenplatz 1 sprach mit dem Bassisten und Jovel-Music-Hall Betreiber, der zusammen mit Udo Lindenberg das Panik-Orchester gründete, über die Freuden und Leiden der »jungen Alten«.

Was motiviert Sie, bei »60plus auf‘m Sofa« mitzumachen?

Ich bin als 62-Jähriger geradezu prädestiniert, bei diesem Thema mitzureden. Wobei mein persönliches Empfinden dahin geht: Alter ist eine Nummer, mehr nicht. Ich kenne 18-jährige Opas, und ich kenne 65-jährige Teenies.

Woher kommt das?

Es hat nichts mit Verstellung oder zwanghaftem Jung-sein-wollen zu tun. Es gibt einfach Leute, die sind schon früh alt, weil sie nicht mehr beweglich im Kopf sind. Bei anderen bleibt diese Beweglichkeit immer da. Der Körper verbraucht sich natürlich anders als das Gehirn. Es ist alles aber mehr oder weniger trainierbar. Wobei ich selbst das Gefühl habe: Schade, mein Körper wird schneller alt als mein Kopf.

Mit welchen Erwartungen verbinden Sie das Älterwerden?

Ich weiß, ich werde 93 Jahre alt! Mein Opa wurde 92 und den will ich schlagen. Ich komme also jetzt ins letzte Drittel. Selbst wenn ab nun alles daneben läuft, was bliebe unterm Strich? Udo Lindenberg beschreibt es in einem Text sehr schön, dass man im Alter radikaler werden kann. Weil man nicht mehr so viel zu verlieren hat.

Wie reagieren junge Leute auf den »alten Rocker«

Steffi Stephan? Ist Ihr Alter da ein Thema?

Überhaupt nicht. Für uns waren über 60-Jährige früher unsagbar alte Leute. Es gab diesen Hippie-Spruch, »Trau keinem über 30«. Das ist heute anders. Über die Rockmusik gibt es ein ganz besonderes gemeinsames Band. Wichtig ist, dass neue Generationen auch immer wieder neue Musik entdecken. Alles andere wäre grauenvoll.

Was bewegt Steffi Stephan?

Ich glaube, dass ich mich bewege. Das liegt an meiner Einstellung. Es hat etwas mit Glauben zu tun. Damit, Verantwortung zu übernehmen. Meine Aufgabe ist es, mich mit Menschen zu unterhalten und Menschen etwas nahe zu bringen, was glaube ich auf Dauer Bestand haben wird: Wie kann man miteinander umgehen? Das bedeutet: Respekt und Pluralität der Meinungen.

Wie bleibt man beweglich? Kennen Sie ein Rezept?

Die Frage ist, ob man zu dem, was man macht, ein Gefühl ent-wickelt. Wenn ich mal stocke, dann nehme ich mir eine Gitarre, und nach zehn Minuten komme ich wieder in den Fluss. Ich kann nur jedem sagen: Besorg‘ dir ein Instrument! Es kommt nicht auf die Qualität deines Spiels an. Es hat mit dem Hinhören zu tun.