Der E-Bus: auf leisen Sohlen unterwegs

Veröffentlicht von am 23.04.2015 (14 Kommentare)
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4 - Mauritztor

Schon bald sind die E-Busse auf der Straße unterwegs – hier zur ersten Fahrt am Mauritztor.

Der Neue kommt ganz leise, quasi unhörbar und ohne Schadstoffausstoß um die Ecke. Kein Auspuff am Heck, kein Dieselmotor unter der Haube – und trotzdem so leistungsfähig wie jeder unserer Busse. Endlich sind sie da: fünf Elektrobusse vom Typ VDL Citea Electric. Was zählt, sind aber nicht nur die Busse, die ganze Ladeinfrastuktur ist genau auf das Profil der Linie ausgelegt, auf der sie unterwegs sein werden: Der Linie 14 zwischen Maikottenweg und Allwetterzoo.

Dass wir in Münster Elektrobusse mit einer eigenen Ladeinfrastruktur als eine der ersten Städte in Deutschland und ganz Europa nutzen können, liegt an den Forschungsgeldern, die wir und unsere Partner aus ganz Deutschland dafür erhalten. Unser Eigenanteil ist nicht höher als die Kosten für fünf normale Dieselbusse – und die hätten wir ja ohnehin kaufen müssen, da wir unsere Busse nach etwa zwölf Jahren Einsatz verkaufen und dafür neue Busse kaufen. Aber von vorn.

Seit drei Jahren dabei

Der Neue kommt leise der daher. Die Anlieferung erfolgt aber per Tieflader.

Schon Anfang 2012 haben unsere Partner und wir angefangen, uns Gedanken zu machen, wie ein E-Bus und die Ladeinfrastuktur aussehen muss, damit die klimafreundliche Technik den Dieselbussen Konkurrenz machen kann. Dabei haben wir auf die Linie 14 geschaut: Zwölf Kilometer kurz, kaum Steigung (wir sind in Münster, natürlich gibt’s hier kaum Steigungen!), durch die Innenstadt. Um herauszufinden, wie Bus und Ladeinfrastruktur aussehen müssen, damit der Bus den ganzen Tag fahren kann, mussten wir es aber genauer wissen. Zusammen mit der RWTH Aachen haben wir Strecke genau vermessen, jeden Meter, jeden Haltestellenstopp, alle Kreuzungen.

Herausgekommen ist ein System, das sich sehen lassen kann. Die Busse werden zwar nachts auf dem Betriebshof ganz normal an der Steckdose geladen, an den beiden Endhaltestellen stehen aber Schnellladestationen, die die Batterien innerhalb der normalen Wendezeit aufladen, also in weniger als zehn Minuten.Übrigens: Schnellladung heißt Schnellladung, weil die Ladung extrem schnell geht. Dafür sind hohe Ladeleistungen nötig, die es so erstmals in Münster gibt: Wir setzen bis zu 500 Kilowatt ein.

Batterien

Kein Motor: im Heck befinden sich nur Batterien. Die Elektromotoren sitzen in den Radnaben der Hinterachse.

Das bietet einige Vorteile: Die Batterien, die im Busheck sitzen, sind klein dimensioniert, da sie eben regelmäßig geladen werden. Wir wollen ja Menschen fahren, nicht Batterien. Dadurch wiegt der Bus kaum mehr als ein normaler Dieselbus, und auch der Komfort für die Fahrgäste wird nicht einschränken. Die Busse sind also voll klimatisiert, durchgängig niederflurig, so dass man auch mit einem Rollstuhl bequem in den Bus kommt und haben Platz für genausoviele Passagiere wie ein Dieselbus, nämlich 80.

Daher stellt sich auch die Frage nach der Reichweite eigentlich nicht. Da der Bus regelmäßig geladen wird, werden die Batterien nie leergefahren. Mit 86 Kilowattstunden Speicherkapazität und einem durchschnittlichen Energieverbrauch um eine Kilowattstunde pro Kilometer können die Busse sogar bis zu zwei Ladungen auslassen, etwa weil wegen einer Verspätung keine Wendezeit zur Verfügung steht oder eine Baustelle eine der Endhaltestellen blockiert.

Also alles gleich? Nicht wirklich. Kein Dieselmotor röhrt beim Anfahren im Heck, die Beschleunigung ist leise und ruckfrei durch zwei Elektromotoren in den Radnaben der Hinterachse. Natürlich betanken wir die Busse mit Ökostrom, so dass wir tatsächlich ohne Schadstoffe mobil machen. Auf dem Betriebshof fließt der Strom sogar direkt aus den Fotovoltaikzellen auf den Hallendächern in die Batterien der Busse.

Der Laderobotor wartet an der Haltestelle

3 - Ladesäule

Eingesteckt: Der Laderoboter findet automatisch die Steckdose am Bus

An der Haltestelle fällt eigentlich kaum auf, dass hier gleich ein E-Bus hält. Auf dem Dach des Wartehäuschen ist nur ein kleiner, silberner Kasten zu sehen. Der hat es aber in sich. Schon bei der Anfahrt an die Haltestelle teilt der Bus der Ladestation per Funk mit, dass er Strom benötigt. Nachdem der Fahrer das Fahrzeug abgestellt hat, löst er den Ladevorgang per Knopfdruck manuell aus. Danach läuft dann alles vollständig automatisch ab: Ein Koppelarm fährt aus dem Laderobotor aus. Er findet die „Steckdose“ am Bus und verbindet sich per Steckverbindung. Dann wird’s spannend. Mit bis zu 500 Kilowatt fließt der Ökostrom in die Batterien. Übrigens: Dabei können sich Fahrer und Fahrgäste im Bus und im Wartehäuschen aufhalten, das ist völlig ungefährlich und von TÜV getestet.

Nach fünf bis zehn Minuten ist die Ladung beendet, der Bus kann wieder losfahren

Wann geht’s los?

E-Bus Leeze

Leeze und Bus begegnen sich – beide fahren ohne Auspuff und Abgase

Seit einigen Wochen steht und fährt der erste Bus auf unserem Betriebshof. Er hat das erste Mal an der Schnellladestation getankt und den Strom wieder abgefahren, wieder getankt und wieder abgefahren. Immer wieder und auch während den Fahrten hingen die Laptops an allen Diagnoseboxen, haben alle möglichen Parameter überwacht und aufgezeichnet. Das machen wir so lange, bis wir sicher sind, das der Bus auch im normalen Betrieb so zuverlässig ist wie jeder andere Bus. Denn niemand hat ja etwas davon, wenn der Bus zwar keine Abgase produzierte, aber wegen Kinderkrankheiten auf der Strecke stehen bleibt.

Daher beginnen wir im Mai mit ersten Fahrten. Die Busse rücken dann erstmals aus dem Depot aus und fahren zwischen den regulären Fahrten auf der 14 mit. Einmal mit Fahrgästen bis zur Endhaltestelle und zurück zum Betriebshof, messen und auswerten. Sukzessive wollen wir dann immer mehr Busse immer häufiger fahren lassen, bis nach den Sommerferien dann hoffentlich die ersten E-Busse ganz regulär auf der 14 unterwegs sind.

Ab 2016 ist vorgesehen, die Busse alle den ganzen Tag fahren zu lassen, so dass auf der 14 ein Jahr lang nur Elektrobusse unterwegs sind. Das ist unser Demonstrationsbetrieb, der im ZeEUS-Projekt vorgesehen ist.

So sieht das Ganze dann aus:

[Update, September 2016] Übrigens: Da sich inzwischen das Stecker-System geändert hat, laden die Busse jetzt nicht mehr seitlich, sondern über einen Dachstromabnehmer. Das sieht dann so wie hier in dem kurzen Video von der Haltestelle Allwetterzoo:

ZeEUS und SEB

ZeEUS_Logo

Bei ZeEUS spielt Münster in einer Liga mit London oder Barcelona.

Wie eingangs schon erwähnt, funktioniert so ein riesiges Projekt nur mit Forschungspartnern und Fördergeldern. Das Konzept sowie die Ladeinfrastruktur und der erste Bus wurden im Projekt Schnellladesysteme für Elektrobusse im ÖPNV (SEB) durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, die Busse zwei bis fünf im Projekt Zero Emission Urban Bus System (ZeEUS) durch die Europäische Union (EU).

ZeEUS ist zur Zeit das größte Projekt rund um E-Busse. Neben Münster sind sechs weitere Städte dabei, nämlich London, Stockholm, Barcelona, Pilsen, Cagliari und Bonn. Koordiniert wird das alles vom Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP). Das Besondere an dem Projekt ist der Demonstrationspart. Es wird Wert darauf gelegt, dass hier keine Forschung mehr gemacht wird, sondern Serienbusse verwendet werden. Denn die Ergebnisse des elektrischen Jahres der Linie 14 sollen anderen Städten dabei helfen, zu bewerten, wie, wann und wo sie E-Busse einführen können.

14 Kommentare

  1. Oliver Strietzel
    19. Mai 2016

    Es ist auch Zeit das man neue Busse nimmt, ein guter Artikel muss ich sagen, man sollte noch mehr solche Busse nehmen, denn sie sind echt etwas besonderes, habe über diese Busse einige Dinge gelesen.

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  2. Stephan
    11. April 2016

    Hallo,
    gibt es eigentlich schon genauere Pläne, wann die Busse 2016 den ganzen Tag fahren werden? Und stehen eigentlich schon die Schnellladestationen an den Endstationen, damit die Busse den ganzen Tag fahren können, oder gibt es da noch Probleme?

    Auf jeden Fall bin ich mal gespannt, wie sich die Busse im täglichen Einsatz meistern werden und versuche dann mal, mit einem der Busse zu fahren.

    Viele Grüße
    Stephan

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    • Florian Adler
      Florian Adler
      12. April 2016

      Hallo Stephan,

      an den Schnellladestationen scheitert es derzeit noch, das ist aber in Arbeit. Wir hoffen, ab der zweiten Jahreshälfte dann ganztags fahren zu können. Auf den beisherigen, täglichen Kurzeinsätzen machen sich die Busse schon sehr gut.

      Viele Grüße
      Florian

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  3. Alfons
    23. Dezember 2015

    Hallo,
    da ich direkt an der Linie 14 wohne und viele Busse vorbeifahren sehe, ich jedoch erst einen Elektrobus auf dieser Linie gesehen habe, frage ich mich, ob ab Beginn des Jahres 2016 die Linie 14 mit Elektrobussen bedient werden kann.
    Oder gibt es wider Erwarten größere Probleme mit den Bussen?
    Viele Grüße Alfons

    Antworten
    • Florian Adler
      Florian Adler
      28. Dezember 2015

      Hallo Alfons,

      die E-Busse sind regelmäßig unterwegs, machen allerdings noch keine ganztägigen Fahrten, sondern rücken immer wieder auf den Betriebshof ein. Tatsächlich hat es etwas länger als geplant gedauert, die Ladestationen an den Endhaltestellen aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Das ist nicht so ungewöhnlich bei neuen Technologien. Damit sind wir aber nun gut vorangekommen, ab 2016 sind die Busse dann auch länger auf der Linie 14 unterwegs, wenn sie in ihrer Pause auch Ökostrom tanken können.

      Viele Grüße, Florian

      Antworten
  4. Martin
    11. September 2015

    Hi Florian

    I am interested in coming down to Münster to test the busses and her about you experience.

    Do the busses run on a Saturday?

    Please write to me on mmt @ evtest.dk

    Best regards

    Martin

    Antworten
    • Florian Adler
      Florian Adler
      14. September 2015

      Hi Martin,

      the electric busses run mainly workdays at the moment. So I would recommend to wait some more weeks or even until 2016, when the route 14 will be un completely by e busses. Check back regularly, we will annouce further steps here.

      Best

      Florian

      Antworten
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  8. M. G.
    7. Juli 2015

    Guten Tag,
    ich finde das Projekt rundum positiv und würde mich, in Anbetracht der Lärmreduzierung, auf einen DAUERHAFTEN Einsatz der E-Busse im Bereich der Linie 14 sehr feruen!

    Antworten
    • Florian Adler
      Florian Adler
      7. Juli 2015

      Hallo M. G.,

      der dauerhafte Betrieb wird in einigen Wochen beginnen, wenn die Ladestationen an den Endhaltestellen fertig sind und die Busse dort Strom laden können. Zurzeit laden die Busse ihre Batterien noch auf den Betriebshof, fahren eine Runde auf der 14 und müssen dann wieder einrücken. So lernen wir aber schon jede Menge über den Betrieb von Elektrobussen.

      Spätestens ab 2016 sollen dann alle Busse auf der Linie 14 elektrisch unterwegs sein – und damit auch leise und ohne Schadstoffausstoß.

      Viele Grüße

      Florian

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